Spätes Bedauern in Berlin Polizeipräsident legt Kranz für Ohnesorg nieder

Ein kleines Wunder zum 40. Jahrestag: Bei der Gedenkveranstaltung für den durch einen Polizisten erschossenen Benno Ohnesorg kamen die Demonstranten von damals zusammen - und staunten über die "anständige Geste" des obersten Polizisten der Hauptstadt.

Von Oliver Das Gupta

40 Jahre, nachdem friedlich protestierende Gegner des Schahs von Persien brutal niedergeknüppelt wurden, haben zwei groß gewachsene Berliner Polizisten für Aufsehen gesorgt.

Die Beamten legten dort, wo am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen worden war, einen Kranz nieder. Absender: Dieter Glietsch, Polizeipräsident in Berlin. "In stillem Gedenken", war auf die Schleife des Kranzes gedruckt.

Von einer "anständigen Geste" sprach der Tillmann Fichter, der an jenem Tag wie Ohnesorg demonstriert hatte und ebenfalls Opfer der Polizeigewalt wurde. Auch bei den anderen Mitstreitern von damals sei dies "sehr gut angekommen", sagte Fichter zu sueddeutsche.de.

Uwe Soukup, der über die damaligen Vorgänge ein Buch geschrieben hat und ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend war, nannte den Schritt von Glietsch "eine kleine Sensation".

Glietschs Vorgänger Erich Duensing hatte 1967 das brachiale Vorgehen der Polizei verteidigt. Bei der von ihm als "Leberwursttaktik" beschriebenen Vorgehensweise, greift die Polizei mit massiver Gewalt in die Mitte der Demonstranten ein, um diese an den Rändern auseinanderzutreiben.

Glietschs Kranz für Ohnesorg wird auch im Polizeipräsidium Berlin als klare Distanzierung zu den rüden Praktiken gewertet.

Tillmann Fichter, früher Mitglied im Sozialistischen Studentenbund, hofft, dass die Geste ein Zeichen für die "Demokratisierung der Polizei" ist. Ob dem wirklich so ist, fügt der heutige Sozialdemokrat hinzu, könne er allerdings erst in ein paar Tagen beantworten: Wenn klar ist, wie sich die Polizei gegenüber G-8-Gegnern während des Gipfels in Heiligendamm verhält.