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Sonneborn über die SPD:"Ich habe Schulz Koalitionsverhandlungen für 2021 angeboten"

Martin Sonneborn von "Die Partei"

Martin Sonneborn, Chef der Partei "Die Partei" (Archiv): Die SPD wird es einfach aussitzen

(Foto: picture alliance / dpa)

Satiriker Martin Sonneborn über die Idee, den Mitgliedern seiner "Partei" einen Eintritt in die SPD zu empfehlen, um den Mitgliederentscheid zu beeinflussen - und seinen alten Freund "Martin Chulz".

SZ: Herr Sonneborn, Sie erwägen, den 30 000 Mitgliedern von "Die Partei" zu empfehlen, in die SPD einzutreten, um die Abstimmung über die Groko an der sozialdemokratischen Basis zu beeinflussen. Ist das schon mehr als eine Erwägung? Wie viele Ihrer Mitglieder würden Ihnen da folgen?

Martin Sonneborn: Ich fürchte, höchstens die Hälfte. Es gab im Netz gemischte Reaktionen von "GröVaZ befiehl, wir folgen Dir!" bis zur Anmerkung, als "moralisch halbwegs intakter Mensch tritt man nicht 'mal kurz' in die SPD ein, "man macht ja auch nicht 'mal eben' ein Praktikum bei Rheinmetall". Andererseits, wenn es um die Rettung der letzten sozialdemokratischen Elemente in der SPD geht...

Sehen Sie die Möglichkeit, dass die SPD so ein Ansinnen verhindern könnte?

Nein. Das ist bürokratisch und juristisch nicht so einfach. Die SPD wird es einfach aussitzen.

Auch der Ex-Spiegel-Mann Cordt Schnibben ist deshalb gerade in die SPD eingetreten. Vielleicht ist ein solcher Schritt gar nicht so lustig?

Das ist auch nicht lustig gemeint. Cordt Schnibben tritt ein? Schön, selbst der wird den Altersschnitt in der SPD senken!

Welche Reaktion des SPD-Chefs erwarten Sie auf solch einen Schritt der Partei?

Freude über die neuen Mitglieder. Allerdings nicht lange, ich werde niemandem empfehlen, die SPD-Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Sie wissen, dass wir uns wegen der unseriösen Parteienfinanzierung gerade juristisch mit dem Bundestag auseinandersetzen.

Was haben Sie eigentlich gegen eine neue Groko? Ist diese Konstellation für Scherze nicht ideal?

Als Parteivorsitzender habe ich gar nichts dagegen. Schon weil eine Neuwahl uns zwingen würde, aus dem Stand heraus wieder rund 30 000 Unterstützerunterschriften zu sammeln, um bundesweit antreten zu können. Als Bürger beunruhigt mich das Verschwinden eines sozialdemokratischen Standpunktes in der deutschen Politik.

Haben Sie keine Furcht, dass die AfD bei einer Neuwahl noch weiter gestärkt würde und Satire in Deutschland einen noch schwereren Stand hätte?

Lustigerweise ist die satirische Auseinandersetzung mit der AfD fast zu einfach. Mir bereitet sie kaum noch Freude. Und es reicht ja oft schon, zu dokumentieren, was Frau von Strolch und ihre braunen Freunde da von sich geben.

"Die Partei" kann ja nicht alles machen

Ist Juso-Chef Kevin Kühnert der kommende Mann in der SPD?

Ich hoffe, dass er allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Weg geht, wir brauchen Alternativen und dialektische Positionen in der Politik. Kann ja nicht alles "Die Partei" machen.

Eigentlich sind Sie ein erklärter Fan von Martin Schulz. Hat er sich in Ihrer Wahrnehmung seit seinem Übertritt vom EU-Parlament in die deutschen Niederungen verändert?

Ja, in Brüssel war Chulz [so nennt Sonneborn den SPD-Chef, Anm. d. Red.] ein souveräner Chef der sich weder um das Gerede von Politberatern scherte, noch sich im Kampf mit SPD-Strukturen verausgaben musste. Politisch war er mir zu konservativ, aber natürlich sozialer und europafreundlicher eingestellt als Merkel. Bevor er Brüssel verließ, habe ich ihm Koalitionsverhandlungen für 2021 angeboten - da hat er noch herzlich gelacht.

Falls sich die SPD-Basis doch zu einer erneuten Groko entscheidet, welchen Job empfehlen Sie Martin Schulz dann?

Ich würde ihm empfehlen, eine Position als EU-Kommissar auszuhandeln. In der EU-wird er gebraucht. Dafür schieben wir dann den Kommissar für Schlitzaugenbeleidigung Günther Oettinger ab, eine Win-Win-Situation!

© SZ.de/lala/mcs/gba

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