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Sondierungsgespräch zwischen Union und SPD:Von Durchbruch will trotzdem niemand sprechen

In den Reihen von CDU und CSU tritt zunächst einmal Angela Merkel wie die klare Verhandlungsführerin auf. Selbst Seehofer macht demonstrativ deutlich, dass es auf Unionsseite nur eine Chefin gibt. Lediglich die beiden Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Stanislaw Tillich sehen sich häufiger zu Wortmeldungen bemüßigt - vor allem, wenn es um die Bund-Länder-Beziehungen geht.

Als die Finanzen besprochen werden, mischt sich auch Wolfgang Schäuble ein. Der Rest der 14-köpfigen Unionsdelegation hält sich aber stark zurück. Bei der SPD sind die Rollen nicht so klar verteilt - in den Reihen der Sozialdemokraten gibt es aber auch mehr Gesprächsbedarf. Entsprechend größer ist die Zahl der Wortmeldungen von SPD-Teilnehmern.

Merkel und die Ihren vermeiden in der Sondierung jeden Triumph über das gute Wahlergebnis. Das wird von der SPD goutiert. Auf deren Seite macht Parteichef Sigmar Gabriel klar, dass sich die SPD nun wirklich nicht unzuverlässig und verantwortungslos zeihen lassen müsse. Die SPD sei seit 150 Jahren zuverlässig. Gabriel will aber auch keinen Bruch mehr mit der Basis riskieren - wie es die Partei bei der Agenda 2010 getan hat. Bei der Union hat man dafür in diesen Tagen großes Verständnis. Gabriel genießt den Respekt von Seehofer, und auch in der CDU findet man, dass der SPD-Chef gerade klug agiert. Und so verläuft die Sondierung überraschend konstruktiv.

Nur eine Teilnehmerin bringt manchmal Schärfe in die Runde: Hannelore Kraft. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin habe immer wieder Spitzen gesetzt, heißt es anschließend. Die seien allerdings nie so wild gewesen, dass das Gespräch insgesamt gefährdet gewesen sei. Auf Unionsseite haben sie den Spalt zwischen Kraft und der restlichen Sozialdemokraten aber wohl bemerkt. "Kraft hat sich schon sehr vom Rest ihrer Truppe unterschieden", sagt ein Mitglied der Unionsdelegation.

Ist das Sondierungsgespräch jetzt also der Durchbruch für eine große Koalition? So weit sei es noch lange nicht, sagen beide Seiten unisono. Die SPD-Spitze muss jetzt erst einmal genau hinhören, wie das Ergebnis der Runde bei ihrer Basis ankommt. Auch bei der Union hat man immer noch Sorge, Kraft könne sich durchsetzen. Kein Wunder also, dass sich die Union nächste Woche sicherheitshalber auch mal mit den Grünen trifft.