Sommerspiele in Rio Putin-Freund Bach wendet sich von Russland ab

Enge Freundschaft: IOC-Chef Thomas Bach (links) bei der Eröffnung der Winterspiele 2014 in Sotschi neben Wladimir Putin.

(Foto: REUTERS)
  • Am 5. August beginnen in Rio die Sommerspiele. Es deutet sich an, dass dann russische Leichtathleten nicht dabei sein könnten.
  • Nach den massiven Dopingvorwürfen bringt nun auch IOC-Präsident Thomas Bach, lange ein Fürsprecher Russlands, einen kollektiven Ausschluss ins Spiel.
Von René Hofmann

Am 5. August werden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro eröffnet. Die aktuell spannendste Frage zu der Veranstaltung: Werden dann auch die Athleten aus Russland am Start sein? Oder müssen sie aus der Ferne zuschauen? Verbannt wegen unlauterer Methoden, für die sich zuletzt immer mehr Hinweise fanden. Ein Sportfest der Jugend der Welt, zu dem nicht die Jugend der ganzen Welt geladen ist - das wäre ein denkwürdiger Vorgang. Russland ist eine olympische Großmacht. Die jüngsten Winterspiele fanden 2014 in Sotschi am Schwarzen Meer statt. 2012, bei den Sommerspielen in London, gewannen russische Athleten 82 Medaillen: 24-mal Gold, 25-mal Silber, 33-mal Bronze - erfolgreicher waren nur Großbritannien, China und die USA.

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In der Sportpolitik gibt es viele Einflussfaktoren. Wie eine Entscheidung ausfällt, ist deshalb oft schwer zu prognostizieren. Eines aber lässt sich konstatieren: In dieser Woche könnte sich der Wind entscheidend gedreht haben. An diesem Mittwoch trat Thomas Bach, der mächtigste Mann des Weltsports, in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz auf. Der einstige Fechter steht seit 2013 dem Internationalen Olympischen Komitee vor. Bach, 62, galt lange als Freund und Fürsprecher Russlands. Nun aber schließt auch er eine Kollektiv-Bestrafung nicht mehr aus. In den Worten eines Sport-Diplomaten klingt das so: "Falls sich die Anschuldigungen bewahrheiten, werden wir alle Beteiligten zur Rechenschaft ziehen. Das reicht von individuellen, lebenslangen Sperren über finanzielle Strafen bis hin zum Ausschluss nationaler Sportverbände."

Die Anschuldigungen, die im Raum stehen, sind gewaltig. Aufgebracht wurden sie von deutschen Medien. Im Dezember 2014 hatte die ARD eine erste Dokumentation ausgestrahlt, in der über flächendeckendes Doping in Russland berichtet wurde. In ihr traten zwei Kronzeugen auf: Witalij Stepanow, ehemaliger Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur, und seine Frau Julia, eine 800-Meter-Läuferin. Sie hatte Dopingpraktiken ihrer Trainer und Teamkollegen dokumentiert. Der orchestrierte Betrug reichte offenbar bis ins Sportministerium. "Du musst dopen, so läuft es", diesen Satz hätten sie oft gehört, sagten die Stepanows.

Der Geheimdienst spielt beim Doping-Betrug mit

Der Bericht sorgte weltweit für Aufsehen. Er führte dazu, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eine unabhängige Einheit von Experten und Kriminalbeamten beauftragte, den Vorwürfen nachzugehen. Nach knapp einem Jahr veröffentlichten sie ihren Report. Tenor: Alles, was die Stepanows angegeben hatten, stimmte. Und: Es war noch schlimmer. Offenbar gab es in Russland ein Geheimlabor, das Doping-Proben vortestete. Der Geheimdienst hatte die Labore infiltriert. Das Sportministerium soll den orchestrierten Betrug zumindest toleriert haben. Insgesamt, so folgerte die Kommission, habe in Russlands Leichtathletik bis zuletzt eine "tief wurzelnde Kultur des Betrugs" geherrscht.

Die Wada hat nicht die Macht, Sportler oder Verbände von Wettbewerben auszuschließen. Die Organisation kann lediglich Empfehlungen aussprechen. Das tat sie aufgrund des Reports über die russischen Leichtathleten. Der zuständige Weltverband der Leichtathleten (IAAF) verhängte daraufhin eine Sperre gegen den russischen Verband - auf unbestimmte Zeit. Seitdem dürfen russische Sportler bei keinen internationalen Wettbewerben mehr antreten. Dieser Bann gilt derzeit auch für die Olympischen Spiele in Rio.