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Solidarität:Unter Erzfeinden

"Wir teilen den Schmerz des libanesischen Volkes und strecken die Hand aus": Israels Präsident Reuven Rivlin bot den Libanesen Unterstützung an - auf Arabisch.

(Foto: Markus Schreiber/AP)

Seit Jahrzehnten herrscht tiefe Animosität zwischen den Staaten, immer wieder kam es zu blutigen Konflikten. Doch selbst Israel bietet Libanon nun Hilfe an. Die Regierung in Beirut lehnt allerdings ab.

Von Peter Münch

Die Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut hat Schockwellen rund um den Globus geschickt, aus vielen Ländern kommen nun Hilfsangebote. Das geht nicht nur über alle Grenzen hinweg, sondern auch über Fronten: Selbst der Erzfeind Israel bot seine Unterstützung an. Dabei sind die beiden Länder seit Jahrzehnten in kriegerische Auseinandersetzung verstrickt. Gerade in jüngster Zeit waren die Spannungen zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz wieder groß. So groß, dass Regierungsvertreter in Jerusalem unmittelbar nach der Explosion, als man noch nichts über deren Ursache wusste, sofort versicherten, dass Israel damit nichts zu tun habe. Zur Notlage im Nachbarland twitterte ein Sprecher der israelischen Armee auf Arabisch: "Das ist die Zeit, in der der Konflikt außen vor bleibt."

Ebenfalls auf Arabisch versichert Israels Präsident Reuven Rivlin: "Wir teilen den Schmerz des libanesischen Volkes und strecken die Hand aus zur Hilfe in dieser schwierigen Zeit." Angeboten wurde diese Hilfe unter Feinden über verschiedene diplomatische Kanäle, darunter die Vereinten Nationen und Frankreich. Premierminister Benjamin Netanjahu wies seinen Sicherheitsberater an, in dieser Sache mit dem in Jerusalem nicht immer wohlgelittenen UN-Nahostgesandten Nickolay Mladenov Kontakt aufzunehmen.

Ganz konkrete Hilfsangebote zur Behandlung von Verletzten kamen von mehreren israelischen Krankenhäusern. Der Direktor des Ziv-Hospitals in der Nähe der libanesischen Grenze verwies in einer arabischen Facebook-Nachricht darauf, dass auch schon in der Vergangenheit in seiner Klinik Patienten aus Südlibanon und Opfer des syrischen Bürgerkriegs behandelt worden seien. Eine besondere Note der Solidarität sendete der Tel Aviver Bürgermeister Ron Huldai mit der Ankündigung, das Gebäude der Stadtverwaltung in den Farben der libanesischen Flagge erstrahlen zu lassen. "Humanität hat Vorrang vor jedem Konflikt", schrieb er dazu.

In Beirut allerdings reagierte man ablehnend auf die israelischen Offerten. "Wir nehmen keine Hilfe von einem feindlichen Staat an", hieß es aus der Regierung. Willkommener und weitaus unkomplizierter ist es natürlich, die aus vielen arabischen Nachbarländern und aus Iran von den Paten der schiitischen Hisbollah angebotene Unterstützung anzunehmen. Aus dem Westen sagten neben den USA auch Deutschland und Frankreich sofort Hilfe zu. Hauptumschlagplatz dürfte der Beiruter Flughafen werden. Der Seehafen wird wohl wegen der Zerstörungen durch die Explosion bis auf Weiteres ausfallen.

© SZ vom 06.08.2020

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