Soli-Zuschlag Gegenwind für Seehofer

Der CSU-Vorsitzende erntet für seine Überlegungen immer deutlichere Kritik, wegen der Flüchtlingskrise den Solidaritätszuschlag doch nicht wie geplant zu senken. Sogar aus seiner eigenen Partei kommt Widerstand.

CSU-Chef Horst Seehofer erntet für seine Überlegungen immer mehr Kritik, wegen der Flüchtlingskrise den Solidaritätszuschlag doch nicht wie geplant zu senken. Auch die CSU-Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, ging am Montag dazu auf Distanz. "Die Frage des Solidaritätszuschlags stellt sich im Zusammenhang mit den Bund-Länder-Finanzbeziehungen, betrifft also erst die Zeit ab 2020 und kann nicht jetzt in Zusammenhang mit der Belastung durch die Flüchtlinge beurteilt werden", sagte Hasselfeldt der Deutschen Presse-Agentur. "Der Solidaritätszuschlag soll von 2020 an in kleinen Schritten abgesenkt werden - es spricht vieles dafür, dass wir das auch so im Laufe des nächsten Jahres entscheiden werden." Die Belastung durch die Flüchtlinge sei aktuell zu lösen.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sagte der Rheinischen Post: "Die Frage, ob wir den Plan aufgeben, den Soli ab 2020 schrittweise abzuschaffen, steht jetzt überhaupt nicht an." SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider sagte der Funke Mediengruppe: "Herr Seehofer hat wohl verstanden, dass der Wegfall des Länderfinanzausgleichs zulasten des Bundes mit der Abschaffung des Solidaritätszuschlages nicht zu vereinbaren ist." Jetzt versuche er, diese Erkenntnis hinter den Flüchtlingskosten zu verstecken. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, Klarheit zu schaffen. Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, sagte der Passauer Neuen Presse: "Die Flüchtlingskrise soll jetzt als Begründung für höhere Abgaben und gegen Steuersenkungen herhalten." Der bayerische Ministerpräsident wolle dem Bund damit eine Brücke bauen, "damit dieser dem Kompromiss beim Länderfinanzausgleich zustimmt". Der Ausgleich zwischen Bund und Ländern würde vor allem zulasten des Bundes gehen, argumentierte Holznagel. "Eine Fortsetzung des Soli würde dies wieder ausgleichen. Und die Steuerzahler wären am Ende die Dummen."

"Wenn wir die Zuwanderung nicht begrenzen, werden wir keinen Spielraum haben", so Seehofer

Seehofer hatte am Wochenende die Unionspläne für eine schrittweise Abschaffung des Solidarzuschlags infrage gestellt. "Wir haben seit der Grenzöffnung im September eine neue Situation", hatte er der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Das sei keine Absage an die Forderung nach einem Ende des "Soli". "Aber wir müssen einfach einen Kassensturz machen mit dem Ziel herauszufinden, was können wir uns noch leisten? Wenn wir die Zuwanderung nicht begrenzen, werden wir keinen Spielraum haben." Der Solidaritätszuschlag wurde kurz nach der deutschen Einheit eingeführt und sollte den Aufbau in den ostdeutschen Bundesländern mitfinanzieren. Er wird heute mit 5,5 Prozent auf die Einkommensteuer und die Unternehmensteuern aufgeschlagen und bringt zurzeit etwa 15 Milliarden Euro im Jahr ein.