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Ringen um Kanzlerkandidatur:K-Frage spaltet die Union

Christian Democratic Union (CDU) and Christian Social Union (CSU) news conference in Berlin

Markus Söder betrachtet scheinbar ein Spiegelbild von Armin Laschet auf der Pressekonferenz der Union.

(Foto: Tobias Schwarz/POOL/REUTERS)

Während sich die CDU hinter ihren Vorsitzenden Armin Laschet stellt, lehnt die CSU eine sofortige Entscheidung über die Kanzlerkandidatur ab. Markus Söder fordert ein Gespräch im größeren Kreis Ende der Woche.

Von Stefan Braun, Berlin

Wenige Monate vor der Bundestagswahl eskaliert der Konflikt um die Kanzlerkandidatur der Union. Sowohl CDU-Chef Armin Laschet als auch CSU-Chef Markus Söder hielten am Montag an ihrer Kandidatur fest, nachdem sich die Präsidien der beiden Parteien hinter ihre jeweiligen Vorsitzenden gestellt hatten. Damit wird eine Lösung des Konflikts schwieriger, die Gefahr eines offenen Machtkampfs nimmt zu. Und das in einer Zeit, in der die Union im Bund wie in den Ländern deutlich an Zustimmung verliert.

Am Morgen hatten die Führungsgremien der CDU ihrem Parteichef Armin Laschet massiv den Rücken gestärkt. Nach Sitzungen von Präsidium und Vorstand der Christdemokraten hieß es, eine breite Mehrheit habe seinen Willen, die Union in die Bundestagswahl zu führen, unterstützt. Starke Fürsprecher der Kandidatur Laschets waren neben anderen Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Bei einer Pressekonferenz vermied es Laschet, daraus schon eine Festlegung zu machen. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen sprach von einem "Meinungsbild", das erstellt worden sei. Nun sei es an der CSU, für sich eine "autonome Entscheidung" zu treffen. Allerdings solle der finale Beschluss über die Kandidatur schnell getroffen werden. "Die Fakten liegen auf dem Tisch", sagte der CDU-Chef.

Offenkundig sind Laschet und seine Unterstützer bemüht, die CSU mit der Botschaft nicht zu überfahren und Söder die Möglichkeit zu geben, angesichts der Stimmung in den Gremien selbst zu verzichten. Zugleich aber will Laschet das Signal schon als klare Botschaft verstanden wissen: als Botschaft, dass er keinen Grund sieht, sich im Wettstreit zurückzuziehen. Außerdem verwies er darauf, dass Söder seine Kandidatur an eine klare Unterstützung aus der CDU gekoppelt hatte. Die blieb am Montag jedenfalls mit Blick auf die höchsten Parteigremien der CDU aus. Einzelne Landesverbände, darunter der aus Berlin und der aus Mecklenburg-Vorpommern hatten im Gegensatz zur eigenen Parteispitze für Söder als Kanzlerkandidaten geworben. Eine breite Unterstützung jedoch, wie sie Edmund Stoiber bei seiner Kandidatur 2002 aus der CDU heraus bekommen hatte, ist bislang nicht in Sicht. Damals hatten zahlreiche CDU-Ministerpräsidenten und prominente Landesvorsitzende für Stoiber Partei ergriffen.

Söder sagte, am Montag werde es keine Entscheidung geben

In der CSU sieht man das bislang aber konsequent anders. So erklärte der Fraktionsvorsitzende der CSU im Bayrischen Landtag, Thomas Kreuzer, zur Erstellung eines Gesamtbildes reiche ein Urteil der Führungsgremien der CDU nicht aus. Die Stimmung in der Breite der Union sei so noch nicht abgebildet. Söder sagte nach der Sitzung seines Parteipräsidiums, am Montag werde es keine Entscheidung geben. Der CSU-Chef forderte stattdessen ein Gespräch am Ende der Woche, an dem nicht nur Laschet und Söder selbst, sondern weitere prominente Vertreter beider Parteien teilnehmen sollen.

Mit Blick auf die Umfragen, die ihn im Vergleich zu Laschet deutlich vorne sehen, sagte Söder: "Umfragen sind nicht alles, aber sie sind ein wichtiger Gradmesser." Er fügte hinzu: "Wir dürfen uns hier nicht abkoppeln von den Menschen im Land." Wichtig sei nun, dass sich beide Parteien noch ein paar Tage Zeit nehmen, um die Stimmung in der Breite der Partei zu erspüren. Ausdrücklich verwies er dabei auch auf die Bundestagsfraktion, die am Dienstag zur nächsten regulären Sitzung zusammenkommt. Söder hofft offenkundig darauf, dass er dort mehr Unterstützung erhält. Passend dazu sagte er am Montag, die wichtigsten Wahlkämpfer seien nun mal die Bundestagsabgeordneten. Sie stünden an der Front; sie müssten den härtesten Kampf führen.

Mit den Signalen vom Montag eskaliert der Konflikt um die Kanzlerkandidatur, ohne dass eine Lösung in Sicht wäre. Angesichts der breiten Zustimmung für Laschet in den Gremien der deutlich größeren Schwesterpartei CDU wird immer schwerer vorstellbar, dass die CSU Laschet als Kandidaten noch verhindern kann. Gleichzeitig hat Söder seine Anhänger nun regelrecht dazu eingeladen, für ihn und gegen Laschet Stellung zu beziehen. Als nächster Schauplatz steht nun die Sitzung der Bundestagsfraktion am Dienstag auf dem Programm.

© SZ
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