Snowden-Interview "Regierungsvertreter wollen mich töten"

In einem Fernseh-Interview mit der ARD sagt Whistleblower Edward Snowden, dass ihm mit dem Tod gedroht werde. Er beruft sich auf einen Artikel, in dem anonymisierte Personen detailliert ihre Fantasien beschreiben.

Edward Snowden fühlt sich bedroht und das auf eine ganz reale Art und Weise. In einem Fernseh-Interview, das am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlt wird, sagt der Whistleblower: "Regierungsvertreter wollen mich töten."

Snowden bezieht sich auf einen Artikel, den die US-Seite Buzzfeed veröffentlichte und in dem eine Reihe von Menschen zitiert wurden. Vom Analysten des Geheimdienstes NSA zu Mitarbeitern des Pentagon bis hin zu Offizieren der US-Armee äußerten mehrere Personen ihre Rache- und Mordfantasien, mitunter sehr detailliert. Einer spricht davon, dass er Snowden gerne eine Kugel in den Kopf jagen wolle. Ein anderer geht noch einen Schritt weiter und entwirft gleich ein Szenario: Man könne Snowden nach dem Lebensmitteleinkauf wie zufallig anrempeln und dieser würde dann später in der Dusche tot umfallen (weil er bei dem Zusammenstoß mit einer Giftspritze gestochen wird, so die Andeutung). Die Personen wurden jedoch nicht namentlich zitiert, sondern anonym.

Bereits im Oktober hatte der Ex-NSA-Chef, Michael Hayden, eine indirekte Drohung ausgesprochen. Bei einer Podiumsdiskussion über Cyber-Sicherheit sagte er, dass Snowden in Europa für einen Menschenrechtspreis nominiert gewesen sei. Er spielte damit auf den Sacharow-Preis des Europäischen Parlamants an. "Ich muss zugeben, dass ich in meinen schwächeren Augenblicken darüber nachgedacht habe, Herrn Snowden für eine andere Liste zu nominieren", so Hayden. Gemeint war wohl die Todesliste.

Snowden will nur bei Straffreiheit in die USA zurückkehren

Die offizielle Strategie der US-Regierung ist es, Snowden Angebote zu machen, die ihn dazu bewegen sollen, in das Land zurückzukehren. Eine Begnadigung gehe zwar zu weit, sagte Justizminister Eric Holder, aber über eine Strafmilderung könne man nachdenken.

Nach Angaben seiner Rechtsberaterin will Snowden jedoch nur dann in seine Heimat zurückkehren, wenn ihm dort Straffreiheit garantiert wird. Snowden sei grundsätzlich zu Gesprächen mit Justizminister Holder über einen Rückreise von Moskau in die Vereinigten Staaten bereit, aber nur, wenn er eine Amnestie-Zusage erhalte, sagte Jesselyn Radack am Sonntag in einem Interview mit dem amerikanischen Sender NBC. Bislang aber seien weder sie noch Snowden kontaktiert worden, um Verhandlungen aufzunehmen.

Asyl in Russland soll verlängert werden

In der 30-Minuten-Fassung des Interviews wirft Snowden der USA außerdem vor, Wirtschaftsspionage zu betreiben. "Wenn es etwa bei Siemens Informationen gibt, die dem nationalen Interesse der Vereinigten Staaten nutzen, aber nichts mit der nationalen Sicherheit zu tun haben, dann nehmen sie sich diese Informationen trotzdem", sagte er.

Snowden sagte dem Sender zufolge, er sei nicht mehr im Besitz der NSA-Dokumente, sondern habe diese mehreren Journalisten und damit der Öffentlichkeit übergeben.

Snowden befindet sich derzeit im Asyl in Russland. Das Asyl gilt für ein Jahr und würde regulär im August auslaufen. Nach einem Bericht von CNN könnte Russland jedoch sein Asyl verlängern. Das sagte Aleksej Pushkow, der Vorsitzende des Komitees für internationale Angelegenheiten des russischen Parlaments, in Davos. Auch die New York Times berichtet, dass Pushkow angedeutet habe, dass das Asyl von Snowden verlängert würde. Die Entscheidung liegt bei Kremlchef Wladimir Putin.