bedeckt München 13°

Slowenien und Kroatien:Hooligans vs. Nato-Beitritt

Sie sind ehemalige Fußballrowdys, ihr Anführer meinte sich einst "von dunklen Mächten" entführt: Jetzt versucht eine slowenische Splitterpartei, den Nato-Beitritt Kroatiens zu verhindern.

Eine Hand voll slowenischer Hooligans könnte den Zeitplan der Nato für den Beitritt neuer Mitglieder ins Wanken bringen. Die winzige Partei des Slowenischen Volkes (SSN) hat eine Unterschriftensammlung für eine Volksabstimmung gegen die Nato-Mitgliedschaft des Nachbarlandes Kroatien gestartet.

Die Erweiterung der Nato um Kroatien könnte durch die Aktivitäten der slowenischen Minipartei SSN zumindest verzögert werden.

(Foto: Foto: AFP)

Die Partei ehemaliger Hooligans und Fußballrowdys könnte damit den für den 3. April geplanten Beitritt Kroatiens blockieren. Denn die dazu notwendige Zustimmung Sloweniens, die vom Parlament schon beschlossen wurde, muss bis zum Ausgang der Unterschriftensammlung und eventuell eines Referendums warten.

Die Minipartei aus früher gewalttätigen Schlachtenbummlern des slowenischen Rekord-Fußballmeisters NK Maribor hatte bei den letzten Wahlen mit genau 2629 Stimmen nur 0,25 Prozent erzielt. Kleines Mysterium am Rande: Das waren weniger Stimmen als die angegebenen 3000 Parteimitglieder. Der ungekrönte Anführer dieser gewalttätigen Fußball-Ultras, die sich selbst "Viole" (die Violetten) nennen, ist Andrej Sisko, der zur Zeit eine 22-monatige Haftstrafe wegen eines Sprengstoffanschlages absitzt.

Die SSN beschreibt sich selbst als "sozial, nationalistisch und antieuropäisch". Daher verlangt sie in dem angestrebten Referendum, Kroatien müsse vor seinem Nato-Beitritt alle Grenzstreitigkeiten mit Slowenien im Sinne Ljubljanas lösen.

Die kleine Partei will auch, dass die slowenischen Staatspräsidenten auf den sogenannten Fürstenstein vereidigt werden. Das ist ein mittelalterlicher Säulenrest, der heute im Parlament der Kärntener Landeshauptstadt Klagenfurt ausgestellt ist. Schließlich ist dieses alte slawische Denkmal auch auf der slowenischen Zwei-Cent-Münze verewigt.

Der singende Major

Die SSN wird geleitet von dem Diplomjuristen Lovro Skrinjaric. Der führt den heißen Kampf gegen Kroatien, obwohl er väterlicherseits aus eben diesem Land stammt. Er wurde vom Gericht mangels Beweisen von Gewaltvorwürfen freigesprochen.

Zur Führungsmannschaft gehört auch der als "singender Major" bekanntgewordene Ladislav Troha, der vor vielen Jahren vor dem Parlament mit der Gitarre auf angebliche Schikanen in der Armee aufmerksam machte. Vor einigen Jahren blieb er sechs Monate verschwunden und behauptete, er sei von "dunklen Mächten" entführt worden. Am Ende kam heraus, dass er seine eigene Entführung nur vorgetäuscht hatte.

"Wir sind keine Hitleranhänger. Das ist eine Beleidigung!", weist Skrinjaric entsprechende Unterstellungen in den heimischen Medien zurück. "Wir sorgen uns nur um das slowenische Volk, das ausgebeutet wird." Höchst unwahrscheinlich ist indes, dass diese Partei die verlangten 40.000 Unterschriften für die Volksbefragung sammeln kann.

Noch unwahrscheinlicher ist, dass es dann beim Referendum eine Mehrheit gegen Kroatien gibt. Zwar befürworten ein Viertel der Wähler eine solche Volksbefragung, hat die wichtigste Zeitung Delo am Montag repräsentativ ermittelt. Doch niemand glaubt, dass sich diese Menschen wirklich aufraffen werden, in den Rathäusern ihre Stimme abzugeben.

© Igor Bergant, dpa/gal/ihe
Zur SZ-Startseite