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Slowakei:Ein Urteil, kein Ende

Der Hauptverdächtige im Fall des Mordes an dem Journalisten Kuciak ist freigesprochen worden. Das schockiert viele in der Slowakei. Sie argwöhnen, die Mafia sei immer noch stark. Doch nun hat der höchste Gerichtshof die Chance, das Verbrechen aufzuklären.

Von Viktoria Großmann

Zu Ende ist die Geschichte noch nicht. Das ist die gute Nachricht an diesem Donnerstag, an dem der Hauptverdächtige im Fall Ján Kuciak freigesprochen worden ist. Der Mord an dem Journalisten im Jahr 2018 hat die Slowakei verändert. Ein paar Erfolge im Kampf gegen die Korruption hat es seither gegeben. Doch nun sieht es wieder so aus, als ob die Mafia noch da und immer noch stark ist. Anders können sich viele in der Slowakei den unerwarteten Freispruch des Unternehmers Marián Kočner nicht erklären.

Bei aller Bestürzung und Enttäuschung über dieses Urteil überwiegt jedoch ein Gefühl - das des Kampfgeistes. Er zeigt sich bei den erschöpften Eltern der Ermordeten, den Journalisten und Staatsanwälten. Es ist ein gemeinsames Gefühl des Widerstandes, das sagt: Wir lassen uns nicht mehr aufhalten, es führt kein Weg zurück in die Zeit des Mafiastaates, sondern nur noch aus ihr heraus.

Voran geht die Präsidentin Zuzana Čaputová. Sie ist an der Spitze der neuen demokratischen Bewegung, die nach dem Mord entstanden war, ins Amt gekommen. Sie fordert nun Aufklärung vor dem höchsten Gerichtshof. Entscheidend beteiligt werden die Journalisten sein, die viele Ermittlungen angestoßen und beschleunigt haben. Auf ihnen ruht die Hoffnung, diese Geschichte zu einem guten Ende zu führen.

© SZ vom 04.09.2020
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