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Ska Keller gegen Rebecca Harms:Grünes Duell um die Spitze

Rebecca Harms und Ska Keller

Ska Keller (rechts) fordert Rebecca Harms heraus.

(Foto: dpa)

Kampfkandidatur bei den Grünen: Ska Keller, gerade zur Spitzenkandidatin für die Europawahl gekürt, will auch die deutsche Liste anführen. Dort galt bislang die arrivierte Rebecca Harms als gesetzt. Der Partei steht ein launiger Parteitag bevor.

Eine Vorwahl zur Europawahl haben die Grünen schon hinter sich, eine zweite steht ihnen beim Parteitag am übernächsten Wochenende in Dresden bevor. Dann stimmen die Delegierten darüber ab, wer die Partei als nationale Spitzenkandidatin in die Europawahl führen soll.

Bislang galt Rebecca Harms, 57, Fraktionschefin im Europaparlament, als gesetzt. Doch nun hat die Europaabgeordnete Ska Keller, 32, ihre Kandidatur angekündigt: "Ich will den Delegierten ein Angebot machen", sagte sie Spiegel Online. "Ich denke, dass ich gute Chancen habe." Sie erwarte ein "offenes Rennen", weil sie gezeigt habe, "dass ich Menschen von grünen Ideen begeistern kann".

Was für und gegen Keller spricht

Was für Keller spricht: Sie hat sich jüngst in der "Green Primary" durchgesetzt, einer Online-Abstimmung, mittels derer die Grünen ihre europaweiten Spitzenkandidaten bestimmt haben. Keller bekam knapp 11.800 Stimmen, Harms 8100. Als männlichen Part der Europa-Spitze wählten die Teilnehmer den Franzosen José Bové.

Was gegen Keller spricht: Bové unterstützt Harms, und damit ist er nicht alleine. Auch der ehemalige Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, gilt als Harms-Befürworter. Die Niedersächsin kann zudem auf ihre langjährige Erfahrung verweisen: Harms war bereits 2004 und 2009 Spitzenkandidatin der Grünen.

Bütikofer unter Druck

An der Vorwahl, in der Keller sich durchsetzte, hatten sich zudem nur 23.000 Menschen beteiligt - weit weniger, als von den Grünen erhofft. Deshalb steht nicht nur Kellers Führungsanspruch in Frage, sondern auch der von Reinhard Bütikofer, Chef der Europäischen Grünen und Anwärter auf Listenplatz zwei. Bütikofer gilt als Erfinder der "Primary". Ihm droht nun Konkurrenz vom Finanzmarktexperten Sven Giegold.

"Es ist gut, den Delegierten die Entscheidung zu überlassen", sagt Keller im Interview mit Spiegel Online. "Wir Grüne sind nie schlecht gefahren, wenn es eine personelle Auswahl gab."