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Sipri-Studie:Rüstungsgiganten haben Hochkonjunktur

Fast zwei Billionen Dollar weltweit fließen ins Militär

Tarnkappen-Mehrzweckkampfjet "F-35" des US-Herstellers Lockheed Martin, einer der größten Waffenhersteller der Welt.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Für die Hersteller von Waffen und Militärgütern war 2019 ein ausgesprochen absatzstarkes Jahr, wie die Studie des Friedensforschungsinstituts Sipri zeigt. Besonders hohe Umsätze fuhren die US-Unternehmen ein.

Die weltweit 25 größten Rüstungskonzerne und Waffenlieferanten machen nahezu alle glänzende Geschäfte: Im vergangenen Jahr setzten sie mit dem Verkauf von Waffen und militärischen Dienstleistungen 361 Milliarden US-Dollar (297 Milliarden Euro) um, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag in Stockholm erklärte.

Das waren 8,5 Prozent mehr als 2018 und 15 Prozent mehr als 2015. Marktführer bleiben die USA. Deutsche Waffenschmieden sind dieses Mal nicht im Ranking erfasst, dafür aber chinesische Unternehmen.

Die ersten fünf Plätze sind allesamt mit US-Konzernen belegt: Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, Raytheon and General Dynamics erzielten bei Verkäufen 166 Milliarden Dollar (136 Milliarden Euro).

In den Jahren zuvor hatte Sipri die Umsätze der 100 weltgrößten Waffenhersteller untersucht, sich aber dieses Mal auf 25 Rüstungsunternehmen konzentriert.

Fast die Hälfte davon stammt aus den USA. Ihr Anteil an den globalen Verkäufen der "Top 25" betrug im vergangenen Jahr 61 Prozent. China verzeichnete im vergangenen Jahr einen Anteil von 16 Prozent.

Die in der Rangliste vertretenen Westeuropäer tragen 18 Prozent zum globalen Markt bei

Vier chinesische Firmen befinden sich auf der Rangliste, drei davon unter den ersten zehn: Aviation Industry Corporation of China (AVIC), China Electronics Technology Group Corporation (CETC) and China North Industries Group Corporation (NORINCO). Die vierte, China South Industries Group Corporation (CSGC), steht auf Platz 24.

Zusammen wuchsen deren Umsätze im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent gegenüber 2018. "Chinesische Waffenkonzerne profitieren von militärischen Programmen zur Modernisierung für die Volksbefreiungsarmee", betonte Sipri-Forscher Nan Tian.

Die sechs westeuropäischen Konzerne auf der Rangliste sind BAE Systems (Großbritannien), Leonardo (Italien), Airbus (transeuropäisch mit Hauptsitzen in Frankreich, Deutschland und Spanien), Thales (Frankreich), Dassault Aviation Group (Frankreich) und Rolls-Royce (Großbritannien). Deren Anteil am globalen Markt machte insgesamt 18 Prozent aus.

Indes lag der Anteil der beiden im Ranking vertretenen russischen Unternehmen Almaz-Antey und United Shipbuilding Corp. bei 3,9 Prozent.

Erstmals auch Unternehmen aus Nahost vertreten

Laut Sipri ist mit EDGE in den Vereinigten Arabischen Emiraten erstmals auch ein Unternehmen aus Nahost vertreten: Es ging 2019 aus einem Zusammenschluss von mehr als 25 kleineren Firmen hervor, steht auf Platz 22 und erwirtschaftete einen globalen Anteil von 1,3 Prozent.

Zudem lieferten die Stockholmer Friedensforscher eine Analyse zur globalen Präsenz der ersten 15 im Ranking aufgeführten Waffenkonzerne und Lieferanten militärischer Güter.

Den Angaben zufolge waren deren Hauptsitze 2019 über acht Länder verteilt: Neben den USA waren das Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Die zwei weiteren Staaten waren China und Russland.

Durch Mehrheitsanteile an Tochtergesellschaften, Joint-Ventures und Forschungsanlagen waren die betreffenden 15 Rüstungskonzerne in mindestens 49 Ländern vertreten.

Waffenproduktion im globalen Süden

In Deutschland gibt es unter anderem Niederlassungen von Lockheed Martin, Raytheon, Leonardo und Thales, wie Sipri-Forscherin Lucie Béraud-Sudreau erläuterte.

Unter den 49 Ländern, zu denen neben Nordamerika und Westeuropa beispielsweise Australien, Saudi-Arabien, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören, listet Sipri auch 17 Staaten des globalen Südens auf: Brasilien, Kambodscha, China, Kolumbien, Costa Rica, Indien, Irak, Jordanien, Kasachstan, Kenia, Malaysia, Mexiko, Marokko, Pakistan, Südafrika, Thailand und die Türkei.

Die internationale Präsenz russischer und chinesischer Konzerne gilt nach Datenlage als beschränkt.

© SZ/epd/pak/odg
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