Verteidigung:Weltweite Militärausgaben steigen auf Rekordwert

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Während einer französisch-amerikanischen Militärübung steht ein französischer Soldat auf einem Kampfpanzer des Typs "Leclerc". (Foto: Andreea Alexandru/dpa)

2,24 Billionen US-Dollar investierten Staaten einem Bericht zufolge im Jahr 2022 in ihre Armeen - so viel wie nie zuvor. Deutschland liegt auf Platz sieben der Rangliste.

Die weltweiten Militärausgaben sind 2022, im Jahr des russischen Einmarsches in die Ukraine, auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Wie das Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag in Stockholm mitteilte, investierten die Staaten im vergangenen Jahr 2,24 Billionen US-Dollar in ihre Armeen. Umgerechnet sind das etwa 2,04 Billionen Euro - und damit so viel Geld wie nie zuvor.

Auch in Europa hat die Aufrüstung laut dem Sipri-Bericht zu den globalen Militärausgaben stark zugenommen. Im Vergleich zu 2021 habe die Staatengemeinschaft im vergangenen Jahr 3,7 Prozent mehr für Militär ausgegeben, hieß es. "Der kontinuierliche Anstieg der weltweiten Militärausgaben in den vergangenen Jahren ist ein Zeichen dafür, dass wir in einer zunehmend unsicheren Welt leben", sagte der Sipri-Forscher Nan Tian. Zum achten Mal in Folge hätten die weltweiten Investitionen zugenommen. Der jährlich erscheinende Sipri-Bericht gilt als weltweit umfassendste Datensammlung zu den Militärausgaben der Länder. Die Friedensforscher zählen auch Aufwände für Personal, Militärhilfen sowie militärische Forschung und Entwicklung zu den Ausgaben.

Deutschland liegt auf Platz sieben der Rangliste

Mit Ausgaben von 877 Milliarden US-Dollar führen die USA die Sipri-Liste wie auch im Jahr zuvor an, gefolgt von China (etwa 292 Milliarden US-Dollar) und Russland (etwa 86,4 Milliarden US-Dollar). Zusammengerechnet machen die Ausgaben dieser drei Länder mehr als die Hälfte der weltweiten Investitionen aus. Deutschland investierte den Angaben zufolge 2022 knapp 56 Milliarden US-Dollar in die Aufrüstung und liegt damit auf Platz sieben der Rangliste.

Für Europa verzeichnen die Friedensforscher einen starken Anstieg bei den Militärinvestitionen um 13 Prozent. In absoluten Zahlen lagen die Ausgaben 2022 demnach bei 480 Milliarden US-Dollar. Dabei hätten allein die mittel- und westeuropäischen Staaten 345 Milliarden US-Dollar für ihr Militär ausgegeben und damit wieder das Niveau des Kalten Krieges erreicht. Die Aufrüstung in Europa führen die Forscher auch auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurück, der sich unmittelbar auf die Entscheidungen über Militärausgaben ausgewirkt habe. Dazu gehörten auch mehrjährige Pläne der Staaten wie die Einführung eines Sondervermögens über 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr in Deutschland.

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In den kommenden Jahren rechnen die Fachleute mit weiter steigenden Militärausgaben. Für Russland sei der Krieg deutlich teurer als von der russischen Führung erwartet, hieß es. Darauf deuteten die Unterschiede zwischen den Haushaltsplänen und den tatsächlichen Militärausgaben hin.

Ukraine mit höchstem jemals erfassten Anstieg der Ausgaben

Dem Bericht zufolge verzeichnete die Ukraine mit Investitionen in Höhe von 44 Milliarden US-Dollar einen Anstieg um 640 Prozent im Vergleich zu 2021. Das sei der höchste jemals von Sipri erfasste Anstieg binnen eines Jahres in einem Land, hieß es.

Auch in den Ländern Asiens und Ozeaniens beobachten die Friedensforscher einen konstanten Aufwärtstrend. Chinas Militärausgaben seien zum 28. Mal in Folge gestiegen. Die japanischen Ausgaben hätten mit 46 Milliarden US-Dollar ebenfalls den höchsten Stand seit 1960 erreicht.

Den einzigen Rückgang bei den Rüstungsausgaben weltweit beobachten die Fachleute in Afrika. Dort lagen die Militärausgaben den Angaben zufolge bei knapp 40 Milliarden US-Dollar. In die Berechnung fließen laut Sipri alle Militärausgaben der Regierungen ein, darunter Waffenkäufe, Kosten für den Unterhalt der Streitkräfte sowie Forschungsausgaben.

© SZ/KIR/dpa/Bloomberg/Reuters/tpa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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