Simbabwes Herrscher Robert Mugabe:Der Präsident liebt Pomp und Prügel

Fahrt hinaus aufs Land: Entlang der Straße nach Chinoi lagen einst riesige Farmen. Gemüse, Getreide, Tabak. Sie gehörten den Weißen - zweifellos ein Erbe des Unrechtsstaats Rhodesien. Doch es waren diese Unternehmer, die das ökonomische Rückgrat des neuen Simbabwe bildeten und dem Staat Devisen bescherten. In den Jahren nach der Unabhängigkeit galt der südafrikanische Staat lange als Musterland, Mugabe sprach von Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß und wurde vom Westen gehätschelt.

Doch vor sieben Jahren befahl er dann, die weißen Farmer zu enteignen. Er rechtfertigte dies als neuen anti-kolonialen Kampf. Und jeder, der dagegen protestierte, wurde als Kollaborateur der Briten beschimpft. Das machte es der Opposition schwer, denn niemand in Simbabwe möchte als Handlanger des Westens gelten. Viele Ländereien verteilte Mugabe an seine Günstlinge. Eine gute Landreform wäre nötig gewesen, doch der Präsident hat mit seiner Brachialstrategie alle Chancen zerstört.

Die Landwirtschaft ist seither ruiniert. Viele der neuen Farmbesitzer haben Geräte und Maschinen einfach verkauft: Traktoren, Bewässerungssysteme und was sonst noch Geld einbrachte. Deshalb wuchert nun hohes Gras auf den Äckern entlang der Straße. Nur ab und zu sind Felder zu sehen, auf denen klägliche Maispflanzen verdorren. Das sind die Grundstücke der kleinen Bauern, die ebenfalls Land von Mugabe bekommen haben. Aber sie können es nicht bewässern, es fehlen Werkzeuge, Saatgut und Dünger. Und es hat viel zu wenig geregnet.

Knüppel auf Mutter und Kind

So sind Millionen vom Hunger bedroht. Sie werden Nahrungshilfe brauchen, und die kontrolliert die Partei Mugabes. "Damit kauft er sich die Stimmen für die nächste Wahl", sagt ein Ernährungsexperte, der anonym bleiben will. Wer sich eine Parteikarte von Zanu-PF holt, dem werden 50Kilo Mais versprochen. Solche Dinge muss man tun, um in Simbabwe zu überleben.

Sharon erinnert sich: Der Morgen graut, und alle müssen wieder raus aus ihrer Zelle. Es ist der zweite Tag im Knast. Sie bekommen den Befehl, sich flach auf den Boden zu legen. Einige Mütter haben Babys auf ihren Rücken gebunden, sie sollen sie zur Seite legen, heißt es. Aber eine Frau weigert sich. Also saust der Knüppel hernieder, auf Mutter und Kind. Sharon kann nicht viel sehen unten auf dem Boden. Sie hört nur die Schreie. Und neben ihr marschieren schwere schwarze Stiefel auf und ab.

Masvingo, sechs Stunden Autofahrt von Harare entfernt: Ein paar Hütten tauchen am Ende der Piste auf. Hunderte Menschen kauern auf der Erde. Sie sind gekommen, um einen der Gründer der Oppositionspartei MDC zu Grabe zu tragen. Der Gewerkschafter Isaac Matongo ist an Herzversagen gestorben. Jetzt liegt sein Leichnam in einem blütenweißen Sarg, und die ganze Führung der Partei nimmt Abschied. Morgan Tsvangirai, Chef der Bewegung für demokratischen Wandel (MDC), hält die Trauerrede. Dann hallen dumpfe Trommelschläge durch den Busch. Die Frauen erheben sich, tanzen im Kreis um den Leichnam und singen: "Wir wollen keinen Sohn wie Robert Mugabe. Wir wollen einen Sohn wie Morgan Tsvangirai."

Mitte März wurden der Oppositionsführer und andere Kritiker von der Polizei halb totgeschlagen. Die Narbe auf dem Kopf von Tsvangirai ist noch zu sehen. "Ich bin aber wieder voll da", sagt der MDC-Führer. Weiterkämpfen will er für ein neues Simbabwe, doch es sind schwere Zeiten für die MDC, deren Führer nur heute, am Tag der Trauer, einig nebeneinandersitzen. Die Bewegung hat sich aufgespalten in zwei Lager. Und sie steht vor einer schwierigen Entscheidung. Soll sie mitmachen bei der Präsidentenwahl nächstes Jahr oder zum Boykott aufrufen? Tsvangirai, der gerade seinen Kameraden Matongo in die Erde hinabgelassen hat, zögert mit der Antwort. Erst einmal müssten sie versuchen, einige Verfassungsänderungen durchzusetzen, damit die Wahlen fair ablaufen könnten. Außerdem sollten Vermittlungsgespräche eine Chance bekommen, unter der Leitung von Südafrikas Präsident Thabo Mbeki.

Aber nur wenige Simbabwer setzten darauf Hoffnung. Mbeki hat stets gezögert, den alten Kämpfer Mugabe zu kritisieren. Einerseits muss der Südafrikaner zwar daran interessiert sein, die Krise bald zu entschärfen. Drei Millionen Flüchtlinge sind bereits hereingedrängt in sein Land, und es werden täglich mehr. Südafrika will 2010 die Fußballweltmeisterschaft ausrichten. Da sieht es ganz schlecht aus, wenn der Terror im Nachbarland die Party stört. Andererseits aber will Mbeki um jeden Preis vermeiden, dass eine Gewerkschaftsbewegung wie die MDC in Simbabwe triumphiert. Das nämlich könnte Cosatu, das Arbeiterbündnis in Südafrika, auf ähnliche Gedanken bringen.

Aufräumen im Armenviertel

Viele zweifeln ohnehin, dass es mit Mugabe Versöhnung geben kann. "Der Mann will bis zum Ende durchhalten, um jeden Preis", sagt Politikprofessor John Makumbe. Und er wisse auch warum: Verliert Mugabe seine Immunität, muss er damit rechnen, wegen schwerster Verbrechen verurteilt zu werden. Als er nach dem Sturz der weißen Regierung die Macht übernahm, ließ er in Matabeleland mindestens 20000 Anhänger der zweiten großen Befreiungsbewegung - Zapu - ermorden, weil er sie als Gefahr für seine Herrschaft ansah. Die Massaker sind bis heute ungesühnt.

Sonntagnachmittag, am Stadtrand von Harare. Aus dem Hof der St. Peters Kirche im Township Mbare dröhnt Raggae-Musik, Dutzende Jugendliche haben sich um die Lautsprecher versammelt und feiern. Wenigstens für ein paar Stunden wollen sie die Tristesse des Alltags vertreiben. Hier arbeitet Pater Oskar Wermter, ein deutscher Jesuit, der seit den siebziger Jahren in Simbabwe lebt. Er hat Mugabes Treiben all die Zeit beobachtet, auch 2005, als der Präsident die Bulldozer in die Armenviertel schickte für die Operation "Murambatsvina", was so viel heißt wie "Räum den Müll weg". Die Maschinen rissen Tausende ärmliche Behausungen ein, angeblich, um das Verbrechen zu bekämpfen. Die Trümmer sind noch zu sehen, und jeder weiß, dass dies eine gezielte Strafaktion gegen die Opposition war: "Dieser Mann hat gelernt, dass sich Gewalt auszahlt", sagt Wermter. "Er hat sich immer skrupellos durchgesetzt."

Dass einer wie er so mächtig werden konnte, sei auch die Schuld des rhodesischen Regimes gewesen, sagt Wermter. Denn die unbelehrbaren Weißen hätten die Schwarzen dazu gezwungen, ihren Kampf um Freiheit gewaltsam zu führen. So seien Männer wie Mugabe erst groß geworden. "Ian Smith und Robert Mugabe, das sind im Grunde Zwillinge."

Die Kirchen in Simbabwe beweisen großen Mut, sie haben einen Hirtenbrief verfasst, in dem sie Mugabes Brutalität offen anprangern. Das hat den Präsidenten, der stets den braven Katholiken gibt, hart getroffen. Im staatlichen Organ Herald entfesselte er eine wütende Attacke auf die Geistlichen. "Auch Bischöfe können zur Hölle fahren", donnerte er. "Der Mann ist jetzt nervös", glaubt Wermter, "weil er sich immer als einer von uns darstellen wollte." Das aber geht nun nicht mehr. Und die Kirchen haben Gewicht im Land, vielleicht sind sie Mugabes gefährlichster Gegner.

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