Simbabwe Bleibt alles in der Familie

Grace Mugabe gilt als shoppingsüchtig, rauflustig und machtbewusst. In Teilen der Bevölkerung ist sie verhasst, ihren Aufstieg bis fast an die Staatsspitze hat das nicht verhindert.

(Foto: Philimon Bulawayo/Reuters)

Simbabwes First Lady Grace Mugabe, genannt "Gucci Grace", will ihrem Mann ins Präsidentenamt folgen. Ihren schärfsten Rivalen um den Posten hat sie schon entmachtet.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

Wegen ihrer Vorliebe für teure Kleidung und Autos haben die Menschen in Simbabwe ihrer First Lady den Spitznamen "Gucci Grace" verpasst. Die Ehefrau des ewigen Präsidenten Robert Mugabe, der das kleine Land seit 1980 regiert, macht schon lange keinen Hehl daraus, dass sie ihrem Mann ins Präsidentenamt nachfolgen will. Mugabe ist 93 Jahre alt, was man ihm mittlerweile auch deutlich ansieht - weshalb Grace Mugabe es nun offenbar eilig hat, die Nachfolge zu regeln.

Am Montag forderte sie öffentlich die Entlassung des Vize-Präsidenten Emmerson Mnangagwa, ihres schärfsten Rivalen um das höchste Staatsamt. Wenige Stunden später wurde Mnangagwa tatsächlich entlassen - wegen "mangelnder Loyalität, Respektlosigkeit, Falschheit und Unzuverlässigkeit", wie der Informationsminister mitteilte. Nach der Entlassung erklärte Grace Mugabe, dass sie als Vizepräsidentin bereit steht, mit einer Ernennung wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Die Entlassung von Mnangagwa ist für das Ehepaar Mugabe nicht ohne Risiko. Der 75-Jährige war seit 37 Jahren ununterbrochen im Kabinett vertreten und ist einer der ältesten Verbündeten Robert Mugabes aus den Jahren des Unabhängigkeitskampfes im damaligen Rhodesien. Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname "Krokodil"; er und seine Unterstützer gehören zur "Lacoste-Fraktion" der Regierungspartei Zanu-PF. Mnangagwa hat nach wie vor großen Rückhalt bei den Kriegsveteranen, deren Stimmen Mugabe bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2018 eigentlich braucht. Mnangagwa selbst äußerste sich bisher nicht zu seiner Entlassung. Er hat nun die Wahl, in der regierenden Zanu-PF gegen Grace Mugabe anzutreten, die auch dort an die Spitze gewählt werden soll, oder sich der Opposition anzuschließen.

Der Machtkampf zwischen Mnangagwa und Grace Mugabe schwelte seit Monaten. Mnangagwa hatte behauptet, man habe versucht, ihn zu vergiften, nur eine ärztlich Behandlung in Südafrika habe ihn gerettet. Grace Mugabe nannte die Vorwürfe öffentlich "Blödsinn". Eskaliert war der Streit nach einer Parteikundgebung vor einigen Tagen, auf der Grace Mugabe ausgebuht wurde - während der Vize-Präsident großen Applaus erhielt.

Die 53-Jährige ist in Teilen der Bevölkerung verhasst: Während die meisten Bürger arbeitslos sind, begeben sich Grace Mugabe und ihre Söhne auf ausgedehnte Shopping-Touren, sie kaufen Luxuskarossen und Diamanten für mehrere Millionen Euro. Ende August löste die Präsidentengattin eine diplomatische Krise mit Südafrika aus: Sie hatte in einem Hotel in Johannesburg ein Model schwer misshandelt, das dort mit den beiden Mugabe-Söhnen übernachtet hatte.

Als Südafrika eine Anklage Mugabes in Betracht zog, entzog Simbabwe der Fluggesellschaft South African Airlines die Landeerlaubnis für die lukrative Strecke in die Hauptstadt Harare. Schließlich wurde die angebliche diplomatsche Immunität Mugabes akzeptiert. Ähnlich verlief es mit anderen Skandalen: Ihrem Weg an die Spitze des Staates haben sie bisher nicht geschadet.