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Silvio Berlusconi:"Es ist ein schweres Leben"

Italiens Ministerpräsident inszeniert sich ungeniert als barmherzigen Samariter, der sich selbstlos für sein Land opfert. Doch es regt sich Widerstand: 98.000 Frauen wollen Berlusconi stoppen.

Silvio Berlusconi wurde schon vieles vorgeworfen, doch mangelnde Eitelkeit zählte bislang nicht dazu. Italiens Premier pflegt sein Aussehen wie sein Image als Frauenschwarm, inszeniert sich auf der Bühne der Politik als Macher, Macho und Milliardär.

Seit die Verfassungsrichter in Rom ein Gesetz verwarfen, das den vier höchsten politischen Amtsträgern Italiens Straffreiheit gewährte, scheint Berlusconi seine Imagepflege noch zu intensivieren.

Zwei Tage nach dem Urteil startete Berlusconi seine Werbeoffensive und verkündete gewohnt selbstbewusst, er sei der "beste Premier aller Zeiten". Weitere drei Tage später gab der Cavaliere den Startschuss für ein strategisches Imageprojekt.

Mit einer "Taskforce gegen schlechte Presse", geleitet von der attraktiven Tourismusministerin Michela Vittoria Brambilla, steuert Berlusconi seither gezielt unliebsamer Berichterstattung über Italien und seine Person entgegen.

Jüngster Coup der Berlusconi-Werbeoffensive: ein ausführliches Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN, in dem sich Italiens Regierungschef ungeniert als barmherziger Samariter inszeniert, der sich selbstlos und pflichtbewusst für sein Land opfert.

"Bei allem was ich tue, bin ich bereit, Opfer zu bringen", erklärte er dem Fernsehsender. Um das zu untermauern, ergänzt er: "Ich mache das nicht gern. Überhaupt nicht". Er fülle das Amt nur aus, weil er die einzige Führungskraft sei, die die Rechts-Mitte-Koalition zusammenhalten kann.

Dann lamentiert er über dreckige Deals und die "schamlose" und "kranke" Presse, um zum Schluss zu kommen: "Es ist ein schweres Leben, wenn man dafür verantwortlich ist, die Regierung in einem Land wie Italien zu führen".

Dann erhält Berlusconi noch ausführlich Gelegenheit, seine zahlreichen Fehltritte zu dementieren, um schließlich zu erklären, dass ihm im Leben noch kein Ausrutscher unterlaufen sei. Nie habe er dafür bezahlt, dass ihn Frauen begleitet hätten. Nie habe er sich vor anderen Staatsoberhäuptern blamiert. Alles sei von der Presse erfunden worden, erklärt der Medienmogul, der mehrere Zeitungen besitzt und fast die Hälfte aller italienischen TV-Kanäle kontrolliert.

Schließlich gewährt der 73-Jährige auch noch Einblick in das Geheimnis seines Erfolgs: "Jeder weiß, dass ich Freundschaften pflege, loyal bin, immer sage was ich denke, keine Hintergedanken habe, nie etwas verheimliche und offen spreche". Tiefe Einblicke in die Seele eines Ministerpräsidenten.

In Italien jedenfalls würden viele Menschen der Selbstcharakterisierung nicht widersprechen. Hier erfreut sich Berlusconi aller Skandale zum Trotz großer Beliebtheit. "Ich bin nah am Herzen vieler Italiener", stellt der Cavaliere fest. "Wenn ich umhergehe ist es beschämend, wie viel Zuneigung sich über mich ergießt."

Doch nicht alle Italiener sind restlos begeistert von ihrem Premier. Mehr als 98.000 Frauen unterzeichneten bis Mittwoch eine Petition, die dazu aufruft, Berlusconi aufzuhalten. "Dieser Mann beleidigt uns", heißt es in der vor etwa zehn Tagen von der linken Zeitung La Repubblica initiierten Petition. Anlass war eine Fernsehdiskussion, in der Berlusconi die 58 Abgeordnete Bindi als "eher schön als intelligent" titulierte.

Berlusconi falle mit seinen anzüglichen Bemerkungen zu Alter und Aussehen von Frauen in eine "Epoche vor dem Feminismus" zurück, erklärte die Schriftstellerin Lidia Ravera, eine der Unterzeichnerinnen. Die ehemalige linke Ministerin Giovanna Melandri konterte, Berlusconi sei "eher groß als gut erzogen".

© sueddeutsche.de/AFP/boen/gba

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