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Sigmar Gabriel:Gabriel: "Das geht immer so einen Kilometer über die normalen Leute hinweg"

Der SPD-Chef stellt sich Fragen normaler Bürger. Ob Flüchtlingspolitik, TTIP oder Waffenexporte: Er setzt auf Pointen. Auch wenn er keine Ahnung hat.

Eigentlich dürfte Sigmar Gabriel sich auf diese Pressekonferenz gefreut haben. Warum? Weil ihm an diesem Sonntagmittag ausnahmsweise mal nicht die aus seiner Sicht recht anstrengenden Hauptstadtjournalisten gegenübersitzen, sondern, wie man so sagt, ganz normale Bürger.

Die Bundesregierung hat zum Tag der offenen Tür geladen, die Bundespressekonferenz macht mit, weshalb jetzt jeder hier im voll besetzten Saal den SPD-Vorsitzenden, Vizekanzler und Wirtschaftsminister mal fragen darf, was er will. Aber schon der erste Fragesteller, ein Herr aus Berlin, leitet seine Frage so ein, wie Gabriel das von der Hauptstadtpresse gewohnt ist.

Die SPD "juckelt seit Jahren bei 22 Prozent", so beginnt der Herr, um dann von Hartz IV bis zur Steuerpolitik Gründe für die Misere der Sozialdemokratie aufzuzählen. So etwas kann bei Gabriel ziemlich schiefgehen - wenn er einen schlechten Tag hat, neigt er dazu, solche Fragesteller verbal zu filetieren. Doch an diesem Sonntag hat er offensichtlich einen guten Tag. All das sei "ein bisschen zu kurz gegriffen", sagt er, um dann zu einer ausgewogenen Antwort anzusetzen, in deren Verlauf er dem Fragesteller sogar "in Teilen" recht gibt. Der nickt am Ende immerhin kurz.

An guten Tagen ist dies hier eine von Gabriels Paradedisziplinen: das direkte Gespräch mit den Bürgern, ohne auf die Vermittlung durch jene Medienvertreter angewiesen zu sein, von denen er sich so gern missverstanden fühlt. Gabriel überzeugt in solchen Gesprächen zuweilen auch Menschen, die ihm bis dato skeptisch gegenüberstanden. Zu seinen Methoden gehört es dabei allerdings, sich regelmäßig ein Stück vom Politikbetrieb abzusetzen und so zu tun, als hätte er damit nichts zu schaffen. Das ist auch diesmal nicht anders.

Die Pressekonferenz läuft gerade seit einer knappen halben Stunde, es geht um die Flüchtlingspolitik - vor allem um Gabriels Kritik daran, dass man nicht genug für die Integration von Flüchtlingen tue und die Sorgen der Bevölkerung nicht ernst genug nehme. Da sagt er: "Berlin hat so 'n Radar, das geht immer so einen Kilometer über die normalen Leute hinweg." Kurzes Auflachen im Publikum.

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