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Siemens:Riskant, aber richtig

Der Traditions­konzern wird in zwei unabhängige Unternehmen unterteilt. Ein drastischer Schritt, der notwendig ist. Denn Konzerne, die sich verzetteln, statt sich zu konzentrieren, geraten in große Nöte. Das zeigt sich an Thyssenkrupp oder an der Commerzbank.

Von Caspar Busse

Es ist eine durchaus historische Entscheidung: Künftig wird es zwei voneinander weitgehend unabhängige Unternehmen mit dem Namen Siemens geben: Eines stellt Kraftwerke, Windräder und Energieanlagen aller Art her. Das andere produziert unter anderem Züge und arbeitet an digitalen und automatisierten Fabriken. Die Aufspaltung ist ein drastischer und riskanter Schritt, aber auch der richtige. Es gibt gleich mehrere sogenannte Traditionsunternehmen in Deutschland, die sich nicht konzentriert, sondern verzettelt haben und deshalb nun in großen Nöten sind. Thyssenkrupp ist ein solches Beispiel, aber auch die Deutsche Bank oder die Commerzbank.

Siemens geht einen anderen Weg und hat eine klare Strategie. Ein Erfolg ist natürlich nicht garantiert, aber der Münchner Konzern ist weiter als viele andere. Die Geschäfte laufen, der Aktienkurs ist hoch. Investoren, die aggressiv auf einen Kurswechsel drängen, sind bisher bei Siemens nicht eingestiegen.

Trotzdem wird es gerade für Siemens Energy nicht leicht werden. Zu Recht, und eigentlich zu spät, drängt Siemens-Chef Joe Kaeser nun darauf, dass das Unternehmen aus dem Bau von Kohlekraftwerken aussteigen und stattdessen auf regenerative und neue Energien setzen soll. Das wird teuer, aber es muss kommen, am besten schnell.

© SZ vom 10.07.2020

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