Sieg im vierten Wahlgang Sergio Mattarella ist Italiens neuer Präsident

Sergio Mattarella schreitet 2001 als italienischer Verteidigungsminister die landeseigenen SFOR-Truppen ab.

(Foto: dpa)
  • Sergio Mattarella, 73-jähriger Verfassungsrichter, ist im vierten Wahlgang zu Italiens neuem Präsidenten gewählt worden.
  • Er ist der Wunschkandidat von Premier Matteo Renzi - und wäre er auch im vierten Wahlgang unterlegen, hätte das Zweifel an Renzis Autorität geweckt.
  • Im Ausland ist Mattarella, linker Christdemokrat und früherer italienischer Verteidigungsminister, weitgehend unbekannt.

Sergio Mattarella ist neuer Präsident

Italiens neuer Präsident heißt Sergio Mattarella. Der sizilianische Verfassungsrichter erhielt im vierten und entscheidenden Wahlgang in Rom die absolute Mehrheit der Stimmen und folgt damit auf Giorgio Napoletano, der Mitte Januar nach neun Jahren im Amt zurückgetreten war.

Renzis Wunschkandidat

Mit Mattarella hat sich der Wunschkandidat von Premier Matteo Renzi durchgesetzt. Der hatte den Namen erst am Donnerstag bekanntgegeben: "In dieser Diskussion haben wir uns gedacht, eine Person vorzuschlagen, die mit Erfahrung und institutioneller Solidität in der Lage ist, Italien sieben Jahre von 2015 bis 2022 eine glaubwürdige Amtsausübung zu garantieren. Und deshalb ist unser Vorschlag: Sergio Mattarella." Im Ausland ist der 73-jährige linke Christdemokrat und frühere italienische Verteidigungsminister weitgehend unbekannt. Nach der erfolgreichen Wahl twitterte der Premier sogleich seine Glückwünsche an Mattarella: "Gute Arbeit, Präsident Mattarella! Viva l'Italia".

Auch Mattarella hat sich bereits öffentlich geäußert. In einem ersten Statement sagte der designierte Präsident Italiens der Repubblica zufolge: "Mein Augenmerk gilt den Hoffungen und Problemen unserer Mitbürger."

Es galt als unwahrscheinlich, dass die Entscheidung in einem früheren Wahlgang fallen würde, und so gaben mehr als die Hälfte der 1009 Wahlmänner- und frauen in den ersten drei Wahlgängen leere Stimmzettel ab. Im vierten Wahlgang hätte die einfache Mehrheit gereicht (Mattarella hatte 160 Stimmen mehr), in den vorangegangenen vier Runden war eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Wer ist Sergio Mattarella?

Im Ausland ist Sergio Mattarella weitgehend unbekannt, dabei verfügt er über ausreichend Erfahrung in der Politik. Vier Mal war der linke Christdemokrat schon Minister, einmal sogar Vizepremier in der Mitte-Links-Regierung Massimo d'Alemas. Mit einem eigenen Gesetz, dem "Mattarellum", führte er 1993 ein neues Wahlrecht in Italien ein. Mattarella stammt aus einer Familie von christdemokratischen Politikern: Sein Vater war schon Minister, sein Bruder Piersanti war Präsident der Region Sizilien, als er 1980 von der Mafia ermordet wurde.

Nagelprobe für Premier Renzi

Eine Niederlage Mattarellas auch im vierten Wahlgang hätte Zweifel an Renzis Autorität innerhalb seiner Partei, der sozialdemokratischen Partito Democratico, geweckt und Neuwahlen in den Bereich des Möglichen gerückt. Der Wahlversammlung gehören Abgeordnete, Senatoren und Vertreter der Regionen an, darunter auch Mattarellas Vorgänger Napoletano.

Bis zuletzt hatte einzig die "5-Sterne-Bewegung" um Komiker Beppe Grillo auf Opposition gesetzt und verkündet, nicht für Mattarella stimmen zu wollen. Ebenso stellten sich einige Getreuen von Silvio Berlusconis Forza Italia gegen Renzis Favoriten. Der italienische Premier hatte den Kandidaten im Alleingang bestimmt und den Cavaliere dabei "verraten", wie dieser behauptet. Mattarella war einst aus der Christdemokratischen Partei ausgetreten, weil diese seiner Ansicht nach Berlusconi zu nahe stand.

Renzi baute bei der Wahl vielmehr auf die Unterstüzung seiner eigenen und einiger kleinerer Parteien. Auch sein Koalitionspartner Nuovo Centrodestra um Innenminister Angelino Alfano hatte in letzter Sekunde angekündigt, für Mattarella stimmen zu wollen.