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Sieben Sachen über Sachsen:Gedidschd wird später

Waldschlößchenbrücke ein Jahr in Betrieb

Die Waldschlößchenbrücke - ein großer Streitpunt bei den Sachsen.

(Foto: dpa)

Wie bestellt ein Sachse einen Weihnachtsbaum in den USA? Vom Dialekt bis zur toten Oma: Über die Sachsen kursieren mehr als genug seltsame Klischees. Nach der Landtagswahl ist es Zeit, damit aufzuräumen.

Von Felix Hütten

Am 31. August haben die Sachsen einen neuen Landtag gewählt. Höchste Zeit, sich in Sachsen mal umzusehen. Denn das bevölkerungsreichste Bundesland Ostdeutschlands hat viel zu bieten: Einser-Schüler, modernes Theater und ganz viel Zärtlichkeit.

Sachsen ist eine Denkfabrik.

Sachsen gewinnt. Und das schon seit Jahren. Für die vermeintlichen Bildungseliten in Bayern und Baden-Württemberg haben die Sachsen nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Denn die schlausten Schüler lernen in Sachsen, keine Frage. Das beweist neben der Pisa-Studie auch der aktuelle Bildungsmonitor 2014: Platz 1 in der Schulqualität und in naturwissenschaftlichen Fächern. Zugleich ist die Bildungsarmut am niedrigsten. Hinzu kommt: Zahnpasta, Kaffeefilter und Porzellan - alles in Sachsen erfunden.

Allerdings, ganz so rosig sieht es doch nicht aus: Bis zu 1000 Stellen könnten bis 2020 an sächsischen Hochschulen gestrichen werden. Ganz oben auf der Abschussliste steht der Studiengang der Theaterwissenschaften in Leipzig. Gut, könnte man jetzt sagen, was ist schon Theater, wenn die Sachsen Mathematik und Wirtschaft können? Doch der gestrichene Studiengang könnte nur ein Anfang sein. Gespart wird auch bei den Naturwissenschaften - dem Aushängeschild der Bildungspolitik. Ausgerechnet am Institut der Physikalische Chemie in Leipzig sollen Stellen wegfallen. Zur Erinnerung: Dort studierte auch Angela Merkel Physik.

Sachsen ist eine Kulturhochburg.

Zu spießig, zu muffig, zu viel DDR-Theater: Jahrelang schimpften Kritiker über die großen Bühnen in Sachsen. Ein Aufatmen ging durch Kulturszene, als neue Intendanten 2009 das Staatsschauspiel in Dresden und 2013 das Schauspiel Leipzig übernahmen. Mittlerweile sind die Häuser gut besucht, mit frecher gelber Fassade und einem neuen Ensemble erarbeitet sich vor allem das Staatsschauspiel Dresden einen Namen in der deutschen und auch in der internationalen Theaterszene. Christian Friedel und Burghart Klaußner schafften es sogar mit dem Kinofilm "Das weiße Band" auf den roten Teppich in Hollywood. Beide standen in Dresden gemeinsam in "Don Carlos" auf der Bühne.

Mittlerweile in ganz Deutschland bekannt sind die Dresdner Reden, eine Vorlesungsreihe des Staatsschauspiels, bei der mehr oder weniger berühmte Redner auftreten. Für Aufsehen sorgte im März die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff, als sie in ihrem Vortrag krude Thesen zur künstlichen Befruchtung aufstellte. Auch Willy Brandt und Gerhard Schröder waren schon zu Gast.

Für Museumsliebhaber hat Sachsen viel zu bieten: Einzigartige Kunstschätze im Alten Meister, Moderne Kunst im Grassi Museum in Leipzig, das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden. Vor wenigen Jahren ist ein neues Highlight hinzugekommen: Der renommierte Architekt Daniel Libeskind baute 2010 einen 30 Meter hohen Keil in die Fassade des Militärhistorischen Museums, um an die Luftangriffe im Februar 1945 zu erinnern. Damals hatte die britische Armee die Dresdner Altstadt in Form eines Keils angeflogen und bombardiert.

Sachsen sind Streithähne.

Erbitterten Streit gab es viele Jahre lang in Dresden um die Waldschlösschenbrücke in der Landeshauptstadt. Dresden erstickte im Verkehr, die Überquerung der Elbe wurde im Berufsverkehr zur Qual. Mit der neuen Brücke hat Dresden das Verkehrsproblem gelöst, allerdings zu einem hohen Preis. Die Unesco entschied 2009, dem einzigartigen Dresdner Elbtal den Titel des Welterbes zu entziehen. Bundesweit wurde über die neue Elbbrücke diskutiert - bis der sächsische Comedian Olaf Schubert eine kühne Lösung für das Problem vorschlug: "Jeder bleibt auf seiner Seite". Sie wurde nie umgesetzt. Schade, muss man heute sagen. Denn ohne Waldschlösschenbrücke wäre zumindest der örtlichen CDU die ein oder andere Peinlichkeit erspart geblieben. Wie war das noch gleich mit den Einser-Schülern aus Sachsen?

Ungelöst ist weiterhin der Streit zum Jahrestag der alliierten Luftangriffe. Im Gedenken an die Bombardierung Dresdens marschierten jahrelang Neonazis durch die Altstadt. Während Anfang der 2000er-Jahre nur ein kleines Häufchen Demonstranten mit bunten Fähnchen gegen die Rechten demonstrierten, wurde der 13. Februar in den vergangen Jahren immer mehr zum Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen (mehr in diesem Essay des Schriftstellers Ingo Schulze). 2011 blockierten Tausende Demonstranten einen Aufmarsch von Neonazis, die Polizei ging mit aller Härte gegen die Protestierenden vor. Im Anschluss wurden Blockierer wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz angeklagt, Linke und Gewerkschaftler sprachen von Polizei- und Justizwillkür. 2013 sagten Neonazis einen "Trauermarsch" ab - und entfachten eine Diskussion, ob Blockaden von Nazidemonstrationen ziviler Ungehorsam und deshalb legitim sind.

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