Sieben Jahre nach 9/11 Die ultimative Trophäe

Die amerikanische Regierung hat ein Ziel: Sie will Osama bin Laden finden, bevor Präsident Bush sein Amt niederlegt. Sie sucht in Pakistan, weil dort al-Qaida kämpft.

Von Tobias Matern

Die Ansage war eindeutig. Er wolle Osama bin Laden, tot oder lebendig. Das sagte George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Und er legte bald nach: "Wir werden nicht ruhen, bis wir ihn gefunden haben." Sieben Jahre nach den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon wählen die Amerikaner im November den Nachfolger von Bush.

Osama bin Laden wäre für Bush die perfekte Trophäe - tot oder lebendig

(Foto: Foto: AP)

Sein großes Ziel hat der Präsident allerdings verfehlt: Osama bin Laden ist nicht gefasst. Und so hat die US-Regierung nun ihre Strategie geändert, um den Terroristen doch noch zu finden und festzunehmen, bevor George W. Bush das Weiße Haus verlässt. Erstmalig setzen die Amerikaner bei ihrer Suche nicht mehr nur unbemannte Drohnen ein, sondern auch Bodentruppen, um Bin Laden dort zu verfolgen, wo ihn Geheimdienste vermuten, seitdem er im Jahr 2001 aus Afghanistan fliehen konnte: in Pakistan.

Spezialeinheiten gingen dort "mit schnellen, harten Schlägen" gegen die Terroristen vor, erklären Sprecher des amerikanischen Geheimdienstes CIA. Nach einem Angriff zögen sich die US-Soldaten aber wieder rasch aus Pakistan zurück.

Letzte Wahlkampfhilfe

Die Regierung in Islamabad protestiert zwar gegen die Militäraktionen, weil sie ihre Souveränität verletzt sieht und weil immer wieder pakistanische Zivilisten Opfer der US-Angriffe werden. Aber Einfluss auf Washington hat der Bündnispartner nicht. Die Jagd auf Bin Laden sei nun im vollen Gange, sagte ein US-Diplomat der Washington Times.

"Sie wollen ihn endlich finden, bevor der Präsident sein Amt verlässt." George W. Bush vermutet nicht zu Unrecht, dass die beste Wahlkampfhilfe, die er seinem Parteifreund John McCain bieten könnte, die Festnahme Osama bin Ladens wäre. Er wäre eine Trophäe von nahezu unschätzbarem politischen Wert.

Pünktlich in die heiße Wahlkampfphase hinein kündigte der US-Präsident am Dienstag denn auch an, Ende des Jahres die ersten Truppen aus dem Irak abzuziehen und sie nach Afghanistan zu verlegen. Damit geht er auf eine Forderung des demokratischen Kandidaten Barack Obama ein, der Bush vorwirft, durch den Irak-Krieg den wesentlichen Schauplatz im Anti-Terror-Kampf vernachlässigt zu haben.

"Wir haben nach dem 11. September 2001 den Job in Afghanistan nicht erledigt. Aber den Krieg gegen die Terroristen können wir nicht gewinnen, wenn wir auf dem falschen Schlachtfeld kämpfen", sagt Barack Obama.

Fast kein Tag ohne Anschlag

Zwar verlieren die Extremisten im Irak deutlich an Schlagkraft, seitdem die US-Regierung mehr Truppen dorthin geschickt hat. Die Terroristen haben sich aber Pakistan als neue zentrale Operationsbasis ausgesucht. "Al-Qaida-Anhänger und die Taliban haben in Pakistan ihren sicheren Rückzugsort. Das ist nun der entscheidende Schauplatz für den Anti-Terror-Kampf", sagt ein westlicher Diplomat.

Und nach Einschätzung eines pakistanischen Sicherheitsexperten schließt das Terrornetzwerk in den Stammesgebieten des Landes mit zahlreichen Anführern der Taliban Bündnisse. Gemeinsam wollen sie die pakistanischen Truppen bekämpfen und Anschläge in Afghanistan gegen die Nato-Truppen verüben.

Aber nicht nur dem Westen, auch der Regierung in Pakistan haben die Extremisten also den Krieg erklärt. Und es vergeht fast kein Tag, ohne dass sich ein Attentäter auf einem Marktplatz in Peschawar oder Islamabad in die Luft sprengt. Denn für die Terroristen ist Pakistan genauso ein Feind, wie die USA es sind, seitdem sich der damalige Staatschef Pervez Musharraf nach den Anschlägen vom 11.September den Amerikanern als Bündnispartner andiente und dafür zehn Milliarden Dollar Militärhilfe aus Washington erhielt.

Sein Nachfolger im Amt, Asif Ali Zardari, kündigte nach seiner Vereidigung am vergangenen Samstag an, Pakistan werde den Terrorismus weiterhin entschieden bekämpfen. Über die Erfolgsaussichten hatte er sich allerdings zwei Wochen zuvor im Interview mit der BBC nicht besonders optimistisch geäußert: "Die Welt verliert diesen Krieg", sagte er.