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Münchner Sicherheitskonferenz:Zehn Konflikte, die die Welt beschäftigen sollten

A member of Libyan pro-government forces, backed by locals, holds his weapon as he looks through hole in wall, during clashes with Shura Council of Libyan Revolutionaries, in Benghazi

Bürgerkrieg im libyschen Bengasi im Jahr 2015.

(Foto: Esam Omran Al-Fetori/REUTERS)

Es gibt Felder, die immer wieder mal kurz in den Blick geraten, doch schnell liegt die Aufmerksamkeit wieder woanders. Ein Überblick über Krisen und Kriege, die zu Unrecht in den Hintergrund gerückt sind.

Jedes Jahr wählen die Experten des Thinktanks International Crisis Group zehn Konflikte aus, denen besonders Beachtung geschenkt werden sollte, weil sie geopolitische Trends abbilden. An den Krisen und Kriegen wird deutlich, welche Akteure welche Interessen verfolgen und wo der Frieden bedroht ist.

Ewiger Krieg am Hindukusch

In Afghanistan sterben mehr Menschen als in jedem anderen Konflikt in der Welt. Der Krieg kostete bereits mindestens 90 000 Menschen das Leben. Doch in diesem Jahr könnte es eine Chance geben, den Friedensprozess in Gang zu setzen. US-Diplomaten und Taliban-Vertreter haben wieder Gespräche aufgenommen.

Zaghaftes Aufeinanderzugehen in Jemen

Der Konflikt in Jemen hat die größte Versorgungskrise der Welt ausgelöst und zu einem dramatischen Ausbruch der Cholera geführt. Allerdings haben sowohl die Krieg führende Koalition mit Saudi-Arabien an der Spitze als auch die Huthi-Rebellen ein Interesse an Gesprächen. Denn 2019 wurde deutlich, was auf dem Spiel steht, wenn die Spannungen am Golf eskalieren.

Ethnische Konflike in Äthiopien

Äthiopiens Premier Abiy Ahmed war 2019 für seine Rolle im Friedensabkommen mit dem Nachbarland Eritrea der Friedensnobelpreis verliehen worden. Er brachte das Land auf den Weg zur schrittweisen Demokratisierung. Gleichzeitig haben sich ethnische Konflikte zwischen den beiden Volksgruppen der Oromo und Amharen verschärft, die zusammen zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen.

Islamismus in Burkina Faso

Wie in anderen Sahel-Staaten breiten sich islamistische Gruppen auch in Burkina Faso aus. Doch nirgends geht es so schnell. Mindestens eine halbe Million Menschen wurden vertrieben. Inmitten der Konflikte zwischen Bauern und Hirten um Land, Wasser und Einfluss können radikale Islamisten erfolgreich rekrutieren. Vor allem für seine Nachbarländer am Golf von Guinea ist Burkina Fasos Kollaps gefährlich.

Kein Frieden für Libyen

In Libyen war nach Sturz und Tötung des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Die Regierung von Ministerpräsident Fayez el-Serradsch ist zwar international anerkannt, kontrolliert aber nur kleine Gebiete. In Berlin verständigten sich die Kriegsparteien und Unterstützer im Januar auf ein UN-Waffenembargo und einen neuen politischen Prozess.

USA gegen Iran: Nach der Eskalation

Seit dem Rückzug der USA aus dem internationalen Atomabkommen verschärften sich die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran dramatisch. Sie erreichten ihren Höhepunkt mit der gezielten Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani. Als Kommandant der Quds-Einheiten der Revolutionsgarden stand er wie kein anderer für die expansive Politik Irans in der Region. Als Vergeltung feuerte Iran Raketen auf Militärstützpunkte im Irak ab, auf denen US-Soldaten stationiert waren.

Nordkoreas Griff nach Raketen

Der Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA könnte sich weiter zuspitzen. Aussichten auf eine atomare Abrüstung Nordkoreas sind getrübt: Pjöngjang fühlt sich nicht länger an das Moratorium für Atomversuche und Tests von Interkontinentalraketen gebunden, erklärte Machthaber Kim Jong-un Anfang des Jahres. Zwei Treffen zwischen ihm und US-Präsident Trump hatten zu keinem konkreten Ergebnis geführt.

Neue Spannungen um Kaschmir

Die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan sind angespannt. Beide Länder erheben Anspruch auf die Kaschmir-Region, die seit dem ersten indisch-pakistanischen Krieg 1947-48 geteilt ist. Die Spannungen verschärften sich im August, als die hindunationalistische Regierung Indiens den halbautonomen Status Kaschmirs widerrief und zudem Zehntausende Soldaten in die Region entsandte.

Venezuela: Ein kollabierender Staat

In Venezuela konkurrieren gerade zwei Präsidenten um die Macht. Nicolás Maduro hält sich immer noch an der Spitze. Juan Guaidó, der als Vorsitzender der Nationalversammlung im Januar vergangenen Jahres die Interimspräsidentschaft beanspruchte, hat es schwer. Trotzdem erkennen einige Länder ihn an, auch Deutschland. Währenddessen leiden die Venezolaner unter Armut und dem Kollaps öffentlicher Infrastruktur.

Ukraine-Konflikt: "Tauwetter" im Osten Europas?

Der 2019 gewählte Präsident der Ukraine Wolodimir Selenskij brachte neue Energie in die Verhandlungen mit Russland über ein Ende des Konflikts mit den Separatisten in der Ostukraine. Bei einem Gipfel im sogenannten Normandie-Format in Paris im Dezember sprach Russlands Präsident Putin von "Tauwetter". In dem seit 2014 andauernden Konflikt sind laut den UN bislang 13 000 Menschen getötet worden.

© SZ vom 13.02.2020/bix
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