Sicherheitsfirmen im IrakWenn Rambos aufräumen

Lesezeit: 2 Min.

Sicherheit ist im Irak längst ein sehr profitables Geschäft, das auch ein paar wilde Kerle nicht stören können.

Reymer Klüver

SZ bei Google bevorzugen

Die Sache ist höchst unerquicklich für die Amerikaner. So sehr, dass Außenministerin Condoleezza Rice am Montagnachmittag zum Telefon griff und dem ansonsten von ihr nicht gerade geschätzten irakischen Premierminister Nuri al-Maliki persönlich ihr Bedauern mitteilte.

Private Sicherheitfirmen werden in Bagdad immer wieder in Schießereien verwickelt.
Private Sicherheitfirmen werden in Bagdad immer wieder in Schießereien verwickelt.
Foto: afp

Sie versprach eine Untersuchung des Vorfalls, der mindestens acht Irakern das Leben gekostet hat. Am Sonntag hatten bewaffnete Angestellte der amerikanischen Sicherheitsfirma Blackwater nach einer Bombenexplosion in einer belebten Straße in Bagdad das Feuer auf angebliche Angreifer eröffnet - zum Selbstschutz, wie ein Firmensprecher sagt.

"Völlig ohne Grund", wie das irakische Innenministerium konstatiert. Die wilde Schießerei ist für die USA auch deshalb so peinlich, weil die Blackwater-Leute einen Konvoi amerikanischer Botschaftsleute begleiteten. Denn die Amerikaner haben den Schutz ihrer Diplomaten in Bagdad privatisiert. Das State Department hat diesen Schutz nie den - ohnehin überstrapazierten - US-Soldaten anvertraut.

Wilde Schießerei zum Schutz von US-Diplomaten

Bereits 2003 bekam Blackwater den Auftrag. Das hat der Firma bisher 678 Millionen Dollar eingebracht. Auch das Pentagon setzt teilweise auf Blackwater und hat dafür fast 50 Million Dollar ausgegeben.

US-Botschafter Ryan Crocker wird ausschließlich von Blackwater-Leibwächtern geschützt, die stets in Konvois schwarzer, gepanzerter SUVs mit getönten Scheiben operieren, die in der Luft von kleinen wendigen AH-6-Helikoptern eskortiert werden. Crocker hatte erst vor wenigen Tagen den Schutz "unverzichtbar" genannt.

Es war nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Im Gegenteil. Die privaten Sicherheitsdienste sind bei den Irakern tief verhasst, weil die Männer oft wie rücksichtslose Rambos auftreten und für Fehlverhalten nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Blackwater hat unter diesen Firmen offenkundig das längste Sündenregister. "Blackwater hat viele Fehler gemacht, die Menschenleben gekostet haben. Aber dieser war der letzte und größte Fehler", sagt der Sprecher des Innenministeriums, Abdul-Karim Khalaf.

Im Mai war es sogar zu einem Feuergefecht zwischen Blackwater-Angestellten und Einheiten des Innenministeriums vor dem Ministeriumsgebäude in Bagdad gekommen, das erst durch das Eingreifen regulärer US-Truppen beendet wurde.

Das Wall Street Journal berichtete von einem Zwischenfall vergangene Weihnachten in der sogenannten Green Zone, dem schwergeschützten Regierungsbezirk in Bagdad.

Dabei soll ein betrunkener Blackwater-Angestellter den Leibwächter des irakischen Vizepräsidenten Adel Abdul Mahdi erschossen haben. Der Blackwater-Mann wurde zwar gefeuert, konnte aber den Irak unbehelligt verlassen.

Das irakische Innenministerium führt inzwischen ein halbes Dutzend Zwischenfälle allein mit Blackwater-Teams auf, bei denen Zivilisten ums Leben kamen. Dem Innenministerium werden allerdings auch engste Beziehungen zu schiitischen Milizen nachgesagt.

Eine Kommission des US-Kongresses in Washington hatte deshalb in der vorvergangenen Woche die Auflösung der dem Innenministerium unterstellten Nationalpolizei empfohlen.

Berüchtige Firma mit Beziehungen zur Regierung

Blackwater ist der wohl berüchtigste unter den mehr als 100 Sicherheitsdiensten, die im Irak operieren. Genaue Zahlen sind nicht erhältlich, die Firma dürfte aber zwischen 1000 und 1500 Angestellte im Land haben.

Nach Pentagon-Angaben arbeiten mittlerweile mehr als 20.000 ausländische Angestellte privater Sicherheitsfirmen im Irak. Die International Contracters Association schätzt die Zahl sogar auf 50.000, darunter aber sind auch Iraker, die von ausländischen Firmen angeheuert wurden.

Blackwater verfügt über engste Beziehungen zur US-Regierung, die sich immer wieder ausgezahlt haben. Innerhalb der USA hat Blackwater nach dem Hurrikan Katrina zahlreiche Bewachungsaufträge erhalten.

Der 1997 von einem ehemaligen Elitesoldaten der US-Marine gegründete Sicherheitsdienst unterhält ein militärisches Ausbildungszentrum in North Carolina. Ein zweites bei Chicago befindet sich im Aufbau. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, nichts anderes als eine getarnte Söldnertruppe zu sein.

Rechtlich ist die Lage unübersichtlich. Da gibt es die Order 17, eine Anordnung des zweiten US-Zivilverwalters im Irak, Paul Bremer. Sie gilt bis heute und garantiert ausländischen Sicherheitsleuten Schutz vor Strafverfolgung.

Auf der anderen Seite sind die Sicherheitsfirmen verpflichtet, eine Genehmigung des Innenministeriums zu erwirken. Blackwater hat das 2005 getan - seitdem wurde diese Lizenz aber nie erneuert.

© SZ vom 19.09.2007 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite
  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: