bedeckt München
vgwortpixel

Anschläge in Deutschland:Schuld an Morden haben Mörder

657108685

Nach dem Amoklauf in München stellen sich viele Menschen die Frage: "Warum konnte das hier passieren?"

(Foto: AFP)

Mit allen anderen Zuweisungen werden bloß Sündenböcke markiert. Und die Gesellschaft muss lernen, dass zwar viele Attentate zu verhindern sind, aber leider nicht alle.

Worauf man sich in Deutschland immer einigen kann, ist die Feststellung, wie bescheuert Donald Trump doch ist. Der Juli des Terrors neigt sich dem Ende zu, und in Erinnerung bleibt nicht, dass er Worte des Mitgefühls, gar der Solidarität geäußert hätte. Gemerkt hat man sich seine Bemerkung über "spezielle Probleme in Deutschland und Frankreich". Zumindest für Franzosen forderte er "extreme "Überprüfungen" vor einer Einreise in die USA. Alle Franzosen, womöglich auch alle Deutschen, sollen jetzt potenzielle Terroristen sein?

Das Brauchbare an der Bemerkung Trumps ist: An ihrem Beispiel lässt sich illustrieren, wie absurd jeder Generalverdacht ist. Wer so etwas äußert, mag seinen Geist zuvor für alles Mögliche eingesetzt haben, aber sicher nicht zur Analyse.

Womit schon der Bogen zu Würzburg, München und Ansbach geschlagen wäre: Es ging danach auch hierzulande recht schnell, dass die Schuld für die Attentate nicht allein bei den Tätern gesucht wurde, sondern auch bei den Nationen, aus denen sie kommen.

Erziehung Wie spreche ich mit meinem Kind über Terroranschläge?
Psychologie

Wie spreche ich mit meinem Kind über Terroranschläge?

Nach Ereignissen wie auf dem Berliner Weihnachtsmarkt versichern Eltern oft: "Dir passiert das nicht!" Doch damit lassen sie ihr Kind mit seiner Angst allein.   Von Katja Schnitzler

Ein CDU-Innenpolitiker verlangte eine "Abschiedskultur". In einem Leserbrief beklagte ein Ehepaar eine "naive Willkommenseuphorie", immerhin eine relativ milde Formulierung, gemessen an der Hysterie im Netz. Ist es nicht nur typisch Trump, sondern typisch Mensch, von einem auf alle zu schließen; zumindest wenn dieser eine einer anderen Gruppe angehört?

Schock nach der Europameisterschaft

Es ist erst drei Wochen her, dass die Fußball-EM zu Ende ging; aber es kommt einem vor, als sei es vor Jahren gewesen, dass Cristiano Ronaldo erst weinend, dann jubelnd auf dem Platz lag. Terror in Nizza, Putschversuch und Gegenputsch in der Türkei, Terror in Würzburg, Amoklauf in München, Terror in Ansbach, Terror in Saint-Étienne-du-Rouvray - kaum zu glauben, wie viel Horror neuerdings in einen einzigen halben Monat hineinpasst.

Wie sicher es in einem Staat ist, diese Frage lässt sich objektiv und subjektiv beantworten. Für das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen dürften die Taten in der Provinz besonders verheerend sein; und wahrscheinlich war genau dies das Kalkül der Attentäter. Dass Anschläge an einem Nationalfeiertag oder in Metropolen ausgeübt werden, dass Angreifer also auch auf Symbole zielen - das konnte sich jeder plausibel machen, der immer versuchte, die Logik von Terroristen irgendwie nachzuvollziehen.

Damit einherging die Annahme, so lange sicher zu sein, wie man sich von seinem Dorf nicht fortbewegt. Aber dass der IS in Deutschland in einem Regionalexpress sowie vor einer Weinstube im Fränkischen anfangen würde? Dass man in Frankreich auch in einer Kleinstadt, hinten in der Normandie, nicht mehr vor ihm sicher sein kann?

Neue Art des Terrorismus

Zwei Dinge unterscheiden heutige Terroristen von früheren: Sie trachten nicht Angehörigen der Eliten nach dem Leben (Präfekten, Politikern, Unternehmern), sondern es ist ihnen egal, wen sie töten; Hauptsache, sie töten. Und sie legen keinen Wert darauf, lebend den Tatort zu verlassen. Beides zusammen macht die Lage subjektiv und objektiv unsicherer: Ein jeder darf befürchten, Ziel zu sein, und ein Mörder, der nicht mehr davonkommen will, macht einfach so lange weiter, bis ihn selber Kugeln treffen.

Psychologie Entspannt euch
Psychologie

Entspannt euch

Seit den Gewalttaten von Würzburg, München und Ansbach greift die Angst wie ein Virus um sich. Viele Menschen meiden belebte Plätze oder brauchen Schlaftabletten. Dagegen hilft vor allem eines: Verstand einschalten.   Von Christina Berndt

Schließlich sind es Erfindungen wie Twitter und Instagram, die den Schrecken vergrößern. Früher gab es oft exakt ein Foto oder ein Nachrichtenfilmchen, das eine Tat illustrierte. Zu sehen bekam es, wer am Abend die "Tagesschau" einschaltete oder am nächsten Morgen zur Zeitung griff.

Heute kann jeder senden sowie alles live empfangen - und war es bei den Anschlägen in Paris im vergangenen November sowie vor zwei Wochen in der türkischen Putschnacht nicht so, dass man kaum zu Bett wollte, aus Sorge, bei Twitter das Ende zu verpassen?