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Sexueller Missbrauch:"Die Kirche kann es nicht allein"

Missbrauchsvorwürfe

Kirchenvertreter haben viele Jahre lang große Schuld auf sich geladen. Die Politik soll nun helfen, die Betroffenen zu hören und zu ihrem Recht kommen zu lassen.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Betroffene fordern die Politik auf, das jahrzehntelange Versagen der Kirchen zu begleiten, etwa mit einer Wahrheitskommission.

Betroffene von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche fordern in einem offenen Brief mehr Unterstützung von der Politik. Die Thematik der Aufarbeitung, Hilfe und Entschädigung der Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs gehöre ins Parlament. "Wir brauchen Hilfe, trotz der Erfolge der letzten Jahre", schreiben die beiden zurückgetretenen Mitglieder des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln, Patrick Bauer und Karl Haucke, sowie der Sprecher der Initiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, in einem Beitrag der Zeit-Beilage Christ & Welt. Sie fordern die Einsetzung einer Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission durch das Parlament, die "den Aufarbeitungsprozess für das jahrzehntelange systematische institutionelle Versagen in den Kirchen" begleiten solle. "Die Kirche kann es nicht allein", so die Autoren.

Auch die Stärkung, Vernetzung und juristische Beratung von Betroffenen müsse finanziell unterstützt werden. Zugleich brauche es eine unabhängige Anlaufstelle. Die Autoren schlagen zudem die Gründung eines "Opfergenesungswerks" vor, das von den Kirchen finanziert werden solle, aber unabhängig operiere. Trotz verbesserter Anerkennungsleistungen der katholischen Kirche fordern die Betroffenen, dass die Opfer der Missbrauchsverbrechen und der Vertuschung durch kirchliche Leitungs- und Personalverantwortliche angemessen entschädigt werden müssten. "Das Parlament sollte klären, wie angemessene Entschädigungen aussehen sollten", heißt es.

"Schont die Politik etwa die Kirchen?"

Auch für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) müsse eine klare institutionelle Verantwortungsübernahme durchgesetzt werden, "statt intransparent festgelegter 'individueller Leistungen'". "Bis heute hat die Kirche nach unserer Beobachtung nicht akzeptiert und verstanden, dass sie als Institution schuldig geworden ist und für die Folgen haften muss", so die Autoren.

Die drei Betroffenen-Vertreter zeigen sich enttäuscht über die bisherige Rolle der Politik: "Es entsteht der Eindruck, man wünscht in einer neutralen Rolle zu bleiben, weil Kirche und Staat in vielen Feldern Partner sind", so Katsch, Bauer und Haucke. Ihnen zufolge gibt es Betroffene, die sich fragen: "Schont die Politik etwa die Kirchen, weil man genau um die gemeinsamen Leichen im Keller weiß, etwa beim dunklen Kapitel der Heimerziehung?"

© SZ/kna/rop
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