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Sexuelle Gewalt:Hinschauen und helfen

Missbrauch ist kein Einzelschicksal, sondern ein gesellschaftlicher Schandfleck. Der Staat muss mehr tun, um ihn zu verhindern. Und er muss sich großzügig zeigen gegenüber den Opfern. Sie haben das Schlimmste erlebt, was man Kindern antun kann.

Niemanden lassen sie unberührt, die Berichte der Frauen und Männer, die als Kinder sexuell missbraucht wurden und sich nun, oft nach Jahren des Schweigens, zu Wort melden. Die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs hat mit ihrem ersten Bericht die Tür zu einer Welt geöffnet, die keine lieblichen Landschaften zu bieten hat, sondern wüste Gegenden.

Manche in Politik, Gesellschaft und in den betreffenden Institutionen sähen diese Tür allzu gerne wieder ins Schloss fallen. Aus Furcht, Angst oder Scham. Aber jene, die so ziemlich das Schlimmste erlebt haben, was man Kindern antun kann, mussten schon zu lange alles mit sich selbst ausmachen. Weil ihnen weder zugehört noch geglaubt wurde und Verdrängung die einzige Überlebensstrategie war.

Sexueller Missbrauch findet in der Familie statt, in der Kirche, im Sportverein, in der Schule; in all den kleinen Zellen also, die als Ganzes dieses Land ergeben. Missbrauch ist nicht das Schicksal eines Einzelnen, sondern ein gesellschaftlicher Schandfleck. Zuhören, hinschauen, helfen - das kann jeder schaffen. Und der Staat? Der muss pannenresistente Strukturen etablieren, von der Polizei bis zu den Jugendämtern. Und er muss großzügig sein gegenüber den Opfern. Von den Therapiekosten bis hin zum Entschädigungsrecht.

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