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Sexuelle Belästigung:UN-Flüchtlingskommissar zurückgetreten

Ruud Lubbers geht, weil nun bereits fünf Frauen schwere Vorwürfe gegen ihn erheben. Für die skandalgebeutelte UN ist das ein weiterer schwerer Schlag.

Die Organisation litt in den vergangenen Monaten vor allem unter den Korruptionsvorwürfen gegen das "Öl für Lebensmittel"-Programm im Irak. In Misskredit sind die UN auch durch die sexuelle Ausbeutung von Kindern und jungen Frauen durch Blauhelm-Soldaten in Kongo geraten.

Ruud Lubbers, Reuters

Gegangen: Ruud Lubbers.

(Foto: Foto: Reuters)

Das Rücktrittsgesuch Lubbers' habe UN-Generalsekretär Kofi Annan angenommen, teilte ein UN-Sprecher am Sonntag mit. Ein jüngster Untersuchungsbericht hatte dem ehemaligen niederländischen Ministerpräsidenten wiederholtes Fehlverhalten gegenüber weiblichen Mitarbeitern im UN-Flüchtlingskommissariat in Genf vorgeworfen.

"Ein neues Kapitel"

Annan habe Lubbers seinen Dank für die Hingabe und Zuwendung ausgesprochen, die er den Flüchtlingen in den vergangenen vier Jahren entgegengebracht habe. Zugleich habe sich der Generalsekretär aber davon überzeugt gezeigt, dass es im besten Interesse des UN- Flüchtlingshilfswerks, seiner Mitarbeiter und der Flüchtlinge liege, dass nun "ein neues Kapitel begonnen hat".

Während Annan weiter davon ausgehe, dass die ursprünglichen Vorwürfe gegen Lubbers nicht fundiert seien, habe die anhaltende Kontroverse um Lubbers' Person sein Verbleiben im Amt unmöglich gemacht, sagte Annans Sprecher. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine 51 Jahre alte Mitarbeiterin Anzeige wegen sexueller Belästigung gegen Lubbers (65) erstattet. Annan hatte die Vorwürfe gegen seinen Hochkommissar damals als "nicht nachweisbar" zurückgewiesen.

Den Druck erhöht

Nach einem Bericht der "Washington Post" vom Samstag kommt der UN-Bericht nun aber zu dem Schluss, dass neben der 51-Jährigen noch mindestens vier weitere Frauen gegen Lubbers ausgesagt haben. Auch sie seien von ihm belästigt worden, hätten aus Angst vor beruflichen Nachteilen jedoch auf eine Anzeige verzichtet.

Bereits am Freitag hatte Annan den Druck auf Lubbers erhöht, sein Amt noch vor dem Vertragsablauf Ende 2005 abzugeben. Bei einem Gespräch im New Yorker UN-Hauptquartier ging es hauptsächlich "um die Zukunft von Herrn Lubbers innerhalb der Organisation, speziell nach den jüngsten Erkenntnissen", ließ Annan über seinen Sprecher erklären.