Sexualstrafrecht Selbst Lohfinks Anwalt sprach von "einvernehmlichen sexuellen Handlungen"

Vor dem Amtsgericht hatte Lohfink Anfang Juni einen Schwächeanfall, der Prozess musste vertagt werden. Er soll am 27. Juni fortgesetzt werden, dann werden erste Zeugen gehört. Vor der Tür des Gerichtssaals sagte Lohfink unter Tränen, sie sei froh, dass sie überhaupt am Leben sei. "Die haben mich da eingesperrt, ich hätte auch sterben können."

Die, das sind: Pardis F., 28, Fußballer, und Sebastian C., 34, VIP-Betreuer in einem Berliner Club. Man lernte sich im Juni 2012 auf einer Party in Berlin kennen, "F. war ja nett, der C. auch", sagte Lohfink später der Polizei. F. kannte sie, die beiden schrieben einander, auch noch mehrere Tage nach der Tat. "Geht's dir gut, vermisse dich", schrieb Lohfink.

An jenem Juniabend trank man erst Wodka-Red-Bull, Weißwein-Schorle und Champagner, danach ging man zu dritt in eine Wohnung am Kurfürstendamm, wo das Video entstand. Über Jahre war es auf Porno-Portalen illegal abrufbar, erst vor einigen Tagen wurde es dort gelöscht.

Von hier an weichen die Versionen voneinander ab. Lohfink sagt, sie habe geweint und versucht davonzulaufen. Sie habe "Nein, nein, nein" und "Hilfe, Polizei" gerufen. Christian Gerlach, der Anwalt der beiden Männer, nennt diese Vorwürfe "völlig unglaublich".

Gleichberechtigung heute Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt
Vergewaltigung

Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt

Die wenigsten Vergewaltigungen werden angezeigt, und meist ist der Täter kein Unbekannter.   Von Elisa Britzelmeier

Der Süddeutschen Zeitung sagte er, auf den Dateien, die auf den Handys der beiden Männer gefunden wurden, sehe man, wie Lohfink tanze, singe, einen der Männer küsse, zum Sofa gehe oder am Computer sitze. Während des Filmens habe sie immer wieder das Zimmer verlassen. Selbst Lohfinks Anwalt, der 2012 gegen die Verbreitung des Videos vorging, sprach in der Anzeige, die der SZ vorliegt, von "einvernehmlichen sexuellen Handlungen".

Die Staatsanwältin verfolge Verbrechen an Frauen mit harter Hand

Die Ermittler sichteten Filmdateien, ließen Gutachten erstellen. Von Lohfink eine Aussage zu bekommen war kompliziert. Einen Termin bei den Ermittlern sagte ihre Managerin ab, weil Lohfink sich erkältet habe, als sie für einen Werbespot auf Mallorca in einen Pool mit kaltem Wasser sprang.

Ein weiterer kam nicht zustande, weil Lohfink für einen Auftritt bei der Berliner Erotikmesse stundenlang in der Maske sitzen musste. "Ärgerlich", notierte die Staatsanwältin in den Akten. Über die Juristin heißt es in Berliner Justizkreisen, dass sie Verbrechen an Frauen mit harter Hand verfolge. Als der Sohn von Uschi Glas 2015 zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er eine Prostituierte getreten hatte, hatte sie ein Jahr Haft gefordert.

Schließlich gab es ein Gutachten aus dem Labor der Berliner Charité. Darin schloss der Toxikologe, der alle Filmdateien gesehen hatte, aus, dass Lohfink unter Drogen gesetzt wurde. Sie sei zur Tatzeit wach und ansprechbar gewesen, habe angemessen reagiert, Fragen beantwortet. All das sei unmöglich, wenn man K.o.-Tropfen im Körper habe.

Und wenn schon das Wort Nein genügt? Auch nach diesem strengeren Prinzip sah die Staatsanwältin keinen hinreichenden Verdacht, denn als Gina-Lisa Lohfink zu den Männern "Hör auf" sagte, habe sie sich nicht auf eine sexuelle Handlung bezogen, sondern auf das Filmen.

"Dieses Wort Vergewaltigung ist ja so ein großer Begriff, das ist so schwer", sagte Lohfink 2012 bei der Polizei. Damit hat sie wohl die Diskussion um das Sexualstrafrecht auf den Punkt gebracht.

Sexuelle Gewalt 420 blutige Unterhosen bedecken die Copacabana
jetzt
Sexuelle Gewalt

420 blutige Unterhosen bedecken die Copacabana

So viele Frauen werden in Brasilien in drei Tagen vergewaltigt. Mit der Aktion protestiert eine NGO gegen sexuelle Gewalt in Brasilien.