Sexualstrafrecht:Sind Kinder früher reif?

Zu den besonders heiklen Themen gehört der sexuelle Missbrauch von Kindern. Dort hatten die Fachleute eine schwierige Frage zu diskutieren: Ist die Altersgrenze von 14 Jahren noch zeitgemäß? Oder sind die Kinder von heute früher reif, weil sie beim ersten Sex im Schnitt jünger sind als noch vor 30 Jahren? Sollte man deshalb nicht mehr ausnahmslos jeden sexuellen Kontakt mit bis zu 13-Jährigen unter Strafe stellen?

Die Kommission empfiehlt, an der Altersgrenze festzuhalten. Und zwar deshalb, weil auch frühreife Kinder keineswegs so sehr in ihrer Selbstbestimmung gestärkt seien, dass sie den Avancen übergriffiger Erwachsener Widerstand leisten könnten.

Allerdings sollten aus Sicht der Fachleute "Teenager-Knutschereien" kein Thema fürs Strafrecht sein. Denn wenn heute ein 14-Jähriger mit einer 13-Jährigen rummacht, kann das beim Staatsanwalt enden (der das Verfahren normalerweise einstellen wird).

"Kuppelei"-Verbot abschaffen

Beim Thema Prostitution hält der Bericht zwar nichts von einer allgemeinen Strafbarkeit von Freiern - also einem Komplettverbot, wie es etwa in Schweden gilt. Solange Prostituierte sich freiwillig dafür entschieden, müsse dies strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Geht es dagegen um Zwangsprostitution, dann sollten dem Bericht zufolge auch die Freier bestraft werden, die "billigend in Kauf nehmen", dass Frauen zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen werden. Damit könne ein wichtiger Beitrag zur Austrocknung des Marktes geleistet werden.

Neue Bedrohungen werden aus Sicht der Experten vom Strafrecht bereits einigermaßen gut abgedeckt, wie etwa das "Cybergrooming", also das Anbahnen von Kontakten im Internet. Ein Teil der Experten plädierte hier indes dafür, die Strafbarkeit auszuweiten, um die Täter leichter dingfest machen zu können. Dann könnten zum Beispiel Polizisten leichter den Lockvogel spielen.

Zugleich rät die Kommission, manche alte Zöpfe abzuschneiden: Das "Kuppelei"-Verbot - Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger - gehöre gestrichen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema