Sex auf Krankenschein Wenn der Staat zum Zuhälter wird

Sex und Zärtlichkeit für Behinderte mit Prostituierten: Soll der Staat dafür zahlen?

(Foto: Florian Peljak)

In den Niederlanden ist bezahlter Sex auf Krankenschein möglich, wenn ein Attest nachweist, dass man sich nicht befriedigen kann. Ist das würdevoll? Gewiss nicht - und daher auch kein Vorbild.

Kommentar von Ulrike Heidenreich

Die Grünen hat es im Wahlkampf 2013 Stimmen gekostet, dass da Ideen wie der "Veggie-Day" einfach hinausgeblasen wurden - gut gemeint, schlecht vorbereitet. Nun fordert die pflegepolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, dass Pflegebedürftige und Schwerkranke Sex mit Prostituierten vom Staat bezahlt bekommen sollen.

"Sex auf Rezept"? Das lässt die Würde von Patienten und Prostituierten außer Acht; das ist eine Steilvorlage für grobe Späße an Wirtshaustischen und für die Wahlkämpfer der anderen Parteien.

Die Debatte über diese sogenannte Sexualassistenz ist vorsichtig zu führen. Da sind einerseits die Bedürfnisse behinderter und älterer Menschen. In den Niederlanden dürfen sie sich die Dienste Prostituierter bezahlen lassen - nur, wenn sie per Attest nachweisen, dass sie sich nicht auf andere Weise befriedigen können. Ist das würdevoll? Gewiss nicht - und daher auch kein Vorbild.

Das Prostitutionsgesetz wurde von Zuhältern missbraucht

Die Grünen verabschiedeten einst mit der SPD ein Prostitutionsgesetz, das so liberal geriet, dass es von Menschenhändlern und Zuhältern missbraucht wird. Sie müssen sich nun fragen lassen, ob sie Prostitution von Staats wegen zulassen möchten. Und es ist ja so, dass die Leistungen der Kassen von allen Versicherten finanziert werden. Eine weitere Frage wäre: Ob manche Dinge nicht einfach privat bleiben können, statt zur gesellschaftlichen Aufgabe erklärt zu werden.

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