Nach Massenprotesten gegen die serbische Regierung ist Ministerpräsident Miloš Vučević zurückgetreten. Das meldet die Nachrichtenagentur Tanjug. Er habe dies Präsident Aleksandar Vučić am Morgen in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dieser habe den Rücktritt akzeptiert. Vučević war seit Mai des Vorjahres Ministerpräsident. Er galt stets als treuer Erfüllungsgehilfe von Vučić, der alle wichtigen Entscheidungen im Land allein trifft.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte Vučević mit den Worten, er wolle mit dem Rücktritt ein „Höchstmaß an Verantwortung“ zeigen. Konkret begründete der Politiker seinen Schritt vor der Presse in Belgrad mit einem Vorfall am Montagabend in Novi Sad. Ein Schlägertrupp der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) hatte mehrere Studenten mit Baseballschlägern misshandelt und verletzt.
Vučević ist der ranghöchste Politiker, der seit Anfang November sein Amt niederlegt, seit zunehmend gegen die Regierung demonstriert wird – in der Hauptstadt Belgrad sogar täglich. Auslöser der Proteste war der Einsturz eines Daches in einem Bahnhof in der zweitgrößten serbischen Stadt Novi Sad, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen. Der Bahnhof war erst kurz davor renoviert worden.
Tausende Demonstranten, darunter Studenten, Lehrer und andere Arbeitnehmer, machen Korruption in der Regierung des populistischen Präsidenten Vučić für die Katastrophe verantwortlich und fordern die Einhaltung rechtsstaatlicher Standards. Auch Bauminister Goran Vesić und Handelsminister Tomislav Momirović, der von 2020 bis 2022 dem Bauressort vorstand, sind bereits zurückgetreten.
Am Montag blockierten Zehntausende Studierende und andere Bürger die „Autokomanda“, einen zentralen Verkehrsknotenpunkt in der Hauptstadt. Dies war der bisherige Höhepunkt der Protestwelle gegen Missstände im Land und gegen die Regierung.

