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Serbien: Goran Hadzic verhaftet:Indirekt und direkt an Verbrechen beteiligt

In seiner "Regierungszeit", die bis Dezember 1993 dauerte, wirkte Hadzic dem UN-Tribunal zufolge an diesen von der serbischen Regierung in Belgrad initiierten und unterstützten Verbrechen mit.

Goran Hadzic im Garten seines Hauses in Novi Sad 2004, kurz nachdem das UN-Tribunal in Den Haag Anklage gegen ihn erhoben hat. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher tauchte ab, bevor er festgenommen werden konnte.

(Foto: AP)

Laut Anklageschrift ist er indirekt verantwortlich für die von den bewaffneten serbischen Kräften in der selbsternannten Repulik ausgeführten Kriegsverbrechen und Verstößen gegen die Menschlichkeit, da er offiziell ihr Kommandeur war.

Doch es gibt auch eine ganze Reihe von Verbrechen, die ihm direkt zur Last gelegt werden. Wie es in der Anklageschrift der damaligen Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, Carla Del Ponte, heißt, handelte Hadzic vom 1. August 1991 bis Ende Juni 1992 persönlich oder in Absprache mit anderen bekannten und unbekannten Mitgliedern einer kriminellen Vereinigung ( Joint Criminal Enterprise). Er plante, stiftete und ordnete die Verfolgung kroatischer und anderer nichtserbischer Zivilisten an.

Angeblich Verbündeter von Milosevic und Seselj

Zu Hadzics Mitverschwörern gehörten dem UN-Tribunal zufolge auch der serbische Präsident Slobodan Milosevic, der Parteigründer der Serbischen Radikalen Partei, Vojislav Seselj, und der berüchtigte Milizenführer Zeljko Raznatovic (Arkan). Dessen paramilitärische "Serbische Freiwilligengarde", besser bekannt als "Arkans Tiger", tat sich bei der Vertreibung und Ermordung nichtserbischer Zivilisten besonders hervor.

Aber auch eine mehr oder weniger direkte Beteiligung an Verbrechen wirft man Hadzic in Den Haag vor. Eine ganze Reihe von Massakern, Folterungen und Misshandlungen von Zivilisten geht auf das Konto der serbischen Milizen, die unter seinem Oberkommando standen. So holten serbische Soldaten und Milizionäre nach der Eroberung von Vukovar um den 20. November 1991 etwa 264 Kroaten und andere Nichtserben aus dem Krankenhaus der Stadt und transportierten sie zu einer Schweinefarm vor der Stadt. Dort wurden die Zivilisten vier Stunden lang geschlagen und gefoltert.

"Am Abend des 20. November 1991 transportierten die Serben die Opfer in Gruppen von zehn bis zwanzig zu einer abgelegenen Hinrichtungsstätte zwischen der Ovcara-Farm und Grabovo, wo sie erschossen wurden. Die Körper wurden in einem Massengrab beerdigt", heißt es in der Anklageschrift.

Zuvor, am 4. Oktober, hatten Serben unter Führung von "Arkan" 28 kroatische Zivilisten im Gefängnis in der Stadt Dalj (Erdut) "geschlagen, gefoltert und dann getötet". Anschließend wurden die Leichen in den nahen Fluss geworfen. Und am 18. Oktober hatten Serben fünfzig kroatische Zivilisten gezwungen, in ein Minenfeld in der Umgebung des Dorfes Lovas zu marschieren. "Mindestens eine Mine explodierte und die Serben eröffneten das Feuer auf die Gefangenen. 21 Gefangene wurden durch die Explosion der Mine oder das Gewehrfeuer getötet."

Diese und ähnliche Verbrechen bilden die Basis der 14 Anklagepunkte, die das Tribunal in Den Haag zusammengestellt hat.

Das brutale Vorgehen der Soldaten und Milizen, dass der Anklage zufolge im Auftrag oder mit der Billigung Hadzics und Milosevics erfolgte, war aus Sicht der Serben durchaus erfolgreich. "Praktisch die gesamte kroatische und nichtserbische Bevölkerung in diesem Gebiet wurde gewaltsam entfernt, deportiert oder getötet", fasste Carla Del Ponte das Ergebnis der ethnischen Säuberung zusammen.

Als der bereits 1993 ins Leben gerufene Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien 2004 endlich Anklage gegen Hadzic erhob, tauchte der frühere Präsident der ehemaligen Republik Serbische Krajina ab. Offenbar hatte er einen Tipp der serbischen Behörden erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er in Novi Sad, der Hauptstadt der serbischen Provinz Vojvodina, gelebt.

Interpol fahndete wegen "Genozids und Kriegsverbrechen" nach ihm. Erst im Oktober hatte die serbische Regierung die Belohnung auf Hinweise auf seinen Verbleib von 250.000 Euro auf eine Million erhöht. Für Informationen, die zur Festnahme von Ratko Mladic führen würden, hatte Belgrad die Belohnung zugleich auf zehn Millionen Euro verzehnfacht - als Zeichen des "klaren politischen Willens, die letzte verbleibende Hürde auf dem Weg in EU zu beseitigen", wie die Nachrichtenagentur Beta den stellvertretenden serbischen Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, zitierte.