Ostukraine "Söldnergruppen stahlen Autos oder entführten Menschen"

Schon im Sommer 2014 verdienten an der Seite der Separatisten Tausende russische Söldner der "Russischen Rechtgläubigen-Armee", Einheiten von Tschetschenen oder Kosaken, ihr Geld. Rebellenchef Sachartschenko bezifferte ihre Zahl schon im August 2014 im russischen Staatsfernsehen auf circa 4000. "Etliche Söldnergruppen stahlen systematisch Autos, beschlagnahmten Immobilien oder entführten Menschen", so der frühere Insider.

"Teure Gebäude mit Tiefgaragen wurden auf Jeeps und Luxuslimousinen überprüft - und diese dann in systematischen Raubzügen gestohlen. Wenn einzelne Minister dagegen protestierten, antwortete Girkin, sie sollten sich da nicht einmischen. Bei den Entführungen mussten sich viele Opfer von ihren Angehörigen freikaufen lassen."

Die Angaben des Ex-Insiders über systematische Entführungen decken sich mit Berichten von Entführungsopfern, die die SZ bei vorherigen Recherchen in Donezk sammelte. Mittlerweile ist die Zahl der Entführungen zurückgegangen, beendet sind sie indes nicht, sagte ein anderer den Separatisten nahestehender Informant Mitte März in Donezk.

Forscher zufolge sind mehr als 10 000 russische Soldaten in der Ostukraine

Igor Sutjagin, früher Militärforscher am Moskauer USA-Kanada-Institut und heute am Londoner Royal United Services Institute, führte in einer Mitte März erschienenen Analyse Dutzende in der Ostukraine eingesetzte Einheiten der russischen Armee, des Innenministeriums und des Geheimdienstes auf. Aktuell, so der Militärforscher, seien weit mehr als 10 000 russische Soldaten in der Ostukraine. Dazu kämen etliche russische Fachleute aus zivilen Bereichen.

"Ob es um den Ausstieg aus dem ukrainischen Bankensystem, den Aufbau einer Rebellenbank, die Einführung des Rubels, russischer Schulbücher oder um Baumaterial für zerstörte Häuser geht - alles wird durch russische Fachleute unter Leitung von Militärs koordiniert", so der ehemalige Separatisteninsider. "Bei einem einzigen Inspektionsbesuch waren etwa 50 Spezialisten des russischen Bildungsministeriums, kommunaler Dienste, des Gesundheitswesens oder des Katastrophenschutzes in Donezk - koordiniert von einem russischen Offizier in Uniform, der die ganze Zeit per Satellitentelefon mit Moskau telefonierte."

Insgesamt, so schätzt der ehemalige Separatist, "haben allein in Donezk mehrere Hundert Russen Schlüsselpositionen im Militär und der zivilen Verwaltung eingenommen". Er selber hat das Rebellengebiet im Herbst 2014 verlassen, verfügt aber immer noch über gute Kontakte nach Donezk. Auch außerhalb des Rebellengebietes, so hat er festgestellt, hoffen "immer noch viele Menschen auf Russland. Aber fast keiner war in letzter Zeit in Russland oder gar in Lugansk oder Donezk. Keiner von ihnen weiß, worauf er sich einlässt, wenn Moskau das Sagen hat."