Separatisten-Anführer Ponomarjow Seifenfabrikant fordert den Westen heraus

Am liebsten tritt er mit Baseballkappe auf - der selbst ernannte Bürgermeister von Slawjansk, Ponomarjow, während einer Pressekonferenz.

(Foto: AFP)

Seitdem Wjatscheslaw Ponomarjow eine Gruppe Militärbeobachter gefangen genommen hat, wundert sich die Welt über den selbsternannten Bürgermeister von Slawjansk. Er, der noch vor kurzem selbst Experten unbekannt war, befehligt nun angeblich 2500 Separatisten in Slawjansk. Wer ist der Mann?

Von Antonie Rietzschel

Vor zwei Wochen war Wjatscheslaw Ponomarjow ein Niemand, einer von 120.000 Bewohnern der Stadt Slawjansk im Osten der Ukraine, selbst Lokalpolitikern völlig unbekannt. Bis er am 14. April die bisherige Oberbürgermeisterin Nelli Stepa mithilfe prorussischer Separatisten aus dem Amt drängte und von diesen zum Nachfolger ernannt wurde. Als Anführer der Bewaffneten ist er mittlerweile zu einer zentralen Figur in dem Konflikt in der Ostukraine geworden. Nun fordert er sogar die Weltgemeinschaft heraus.

Ende vergangener Woche ließ Ponomarjow den Bus einer OSZE-Militärmission stoppen, die Insassen, darunter auch drei deutsche Offiziere, setzte er unter dem Vorwurf fest, es handle sich um Spione. Am Sonntag führte er dann die gefangenen Beobachter wie Trophäen der Presse vor.

Für die Befragung der Beobachter hatte Ponomarjow eine offizielle Pressekonferenz angesetzt, die live übertragen wurde: 60 Journalisten saßen im Raum. Die meiste Zeit sprach Oberst Axel Schneider, der deutsche Leiter der Inspektorengruppe. Seine Worte wählte er mit Bedacht. Rechts von ihm Ponomarjow selbst, im Hintergrund standen bewaffnete Männer mit Gesichtsmasken. Der Bürgermeister habe der Gruppe "Schutz gewährt und betrachtet uns als Gäste", sagte der Oberst. Das Wort des Bürgermeisters sei "ein Wort der Ehre". Passend dazu verteilte Ponomarjow Wasser. Der Bürgermeister als höflicher Gastgeber - ein Bild, das vor allem die russischen Medien eins zu eins übernahmen.

Der ukrainische Präsidentschaftskandidat Pedro Poroschenko bezeichnet Wjatscheslaw Ponomarjow dagegen als "Terrorist". Beobachter vor Ort sehen in Wjatscheslaw Ponomarjow vor allem eine Marionette. Der 48-Jährige, der stets eine Baseballkappe trägt, hat innerhalb kürzester Zeit eine erstaunliche Karriere hingelegt: Seinen Angaben zufolge besitzt er eine eigene Fabrik, in der Seife hergestellt wird. Bis 1991 diente er in der Sowjet-Armee als Soldat. Nun befehligt er die bewaffneten prorussischen Separatisten in der Stadt und an den Checkpoints. 2500 sollen es sein. Auch er selbst ist ständig umgeben von bewaffneten Männern. Dass es sich um russische Einheiten handelt, bestreitet Ponomarjow. Kurz nach seinem "Amtsantritt" bat er den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Einsatztruppen und Waffen. Bisher habe Putin aber nicht darauf reagiert, sagte Ponomarjow zu einem anderen Zeitpunkt. Bei den Bewaffneten handele es sich um Freiwillige aus Russland und anderen ehemaligen Sowjetstaaten.

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"Wir sind gegen Nazis, wir sind gegen Faschisten"

Gegenüber Journalisten tritt Ponomarjow äußerst aggressiv auf. Während einer Pressekonferenz warf er Medienvertreter vor, immer nur im Schmutz zu wühlen. "Ihr werdet hier nichts finden. Wir sind gegen Nazis, wir sind gegen Faschisten. Wenn ihr die unterstützt, seid ihr unsere Feinde ", sagte er im Hinblick auf die Regierung in Kiew, mit der er jede Zusammenarbeit ablehnt. Einen Reporter der Nachrichtenagentur AP warnte er, weiter kritische Fragen zu stellen. Wenn er so weiter mache, dürfe er nicht mehr an der Pressekonferenz teilnehmen. Auf Befehl von Ponomarjow wurden die ukrainische Journalistin Irma Krat und der amerikanische Journalist Simon Ostrowski festgenommen. "Wir brauchen Verhandlungsmasse", sagte Ponomarjow. Das Weiße Haus erklärte, dass Geiselnahmen die Genfer Friedensbeschlüsse verletzten, die zur Konfliktlösung in der Ostukraine beitragen sollen. Krat und Ostrowski sind mittlerweile wieder frei.

Was aus der früheren Oberbürgermeisterin Nelli Stepa wird, ist unklar. Zunächst hatte sie die Separatisten unterstützt - dies aber anschließend nur als Trick bezeichnet, um den Konflikt beilegen zu können. In einem Interview erklärte sie, bei den Separatisten handle es sich um russische Soldaten. Am nächsten Tag traf sie sich zu einer Besprechung mit Ponomarjow und war für fünf Tage verschwunden. Da veröffentlichte der russische TV-Sender Lifenews ein Interview, in dem Stepa die Separatisten lobt. "Sie sind stark im Geiste." Sie selbst sei vielleicht angesichts der bewaffneten Männer einfach in Panik geraten, Frauen würden ja dazu neigen. Ponomarjow ist nicht im Bild - sein Geist ist spürbar.