In Senegals Hauptstadt Dakar hat der Tod eines Oppositionsanhängers die schwersten Unruhen seit Jahren ausgelöst. Am Freitag schränkten die Behörden den Internetzugang ein: Facebook, Whatsapp und Youtube waren vor einer geplanten Demonstration unter der Führung der Protestbewegung "Y En A Marre" (Genug ist genug) teilweise nicht mehr erreichbar.
Studenten verbarrikadierten sich bereits am Donnerstag in der Cheikh-Anta-Diop-Universität, nachdem die Proteste am Mittwoch begonnen hatten. Studenten warfen Steine auf Polizisten, diese reagierten mit Tränengas und Blendgranaten, wie die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP berichteten. Videos in sozialen Netzwerken zeigen Sicherheitskräfte in den Straßen Dakars und Rauchwolken über der Stadt.
Auch in anderen Teilen des Landes gingen Menschen auf die Straße, etwa in der Region Casamance im Süden, wo ein Mann bei Zusammenstößen mit der Polizei getötet wurde. Die Casamance ist Heimat des 46 Jahre alten Oppositionsführers Ousmane Sonko. Die Unruhen begannen, als er am Mittwoch wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen worden war. Seine Anhänger behaupten, seine Inhaftierung sei politisch motiviert gewesen.
Bereits vergangene Woche war ihm die parlamentarische Immunität entzogen worden. Sonko war bei den Wahlen 2019 gegen Präsident Macky Sall angetreten und wurde damals Dritter. Er ist vor allem bei jungen Senegalesen beliebt und wird deshalb als potenzieller Herausforderer Salls bei den nächsten Wahlen gehandelt.
Vor allem junge Senegalesen sind von Präsident Sall enttäuscht
Senegal ist eine der stabilsten Demokratien Westafrikas. Doch die Bevölkerung wächst und ist jung. Viele sind unzufrieden, denn Jobs gibt es nur wenige. Von Präsident Sall sind vor allem junge Senegalesen in den Städten enttäuscht - das hat auch etwas damit zu tun, wie er an die Macht kam.
Die Protestbewegung "Y En A Marre" war 2011 von Rappern und Journalisten gegründet worden. Ihr Ärger richtete sich gegen den damaligen greisen Präsidenten Abdoulaye Wade und sein absolutistisches Machtverständnis. Wade verlor damals sein Amt an Macky Sall, den ersten Präsidenten, der nach der Unabhängigkeit von Frankreich geboren wurde. Als er 2012 das Präsidentenamt übernahm, sagte Sall noch: "Macht korrumpiert." Doch einmal selbst im Amt, entledigte er sich mit autoritären Methoden seiner Gegner, ließ Kundgebungen verbieten, verbog Wahlkreise zu seinen Gunsten. Wie sein Vorgänger nutzte er sein Amt aus.
Dass er 2016 die Verfassung prüfen ließ, wird als Versuch gewertet, die Amtszeitbeschränkung von zwei Wahlperioden umgehen zu wollen. Zuletzt hatten mehrere afrikanische Präsidenten auf diesem Weg erneut kandidiert, etwa Alassane Ouattara in der Elfenbeinküste oder Alpha Condé in Guinea. 2018 verabschiedete Salls Regierung ein Gesetz, das potenziellen Anwärtern die Kandidatur erschweren sollte.
"Y En A Marre" prangert diesen Machtmissbrauch an und wird von der politischen Elite gefürchtet. Als Sall 2019 wiedergewählt worden war, gingen bereits vor allem junge Senegalesen auf die Straße. Der Rapper Thiat, Mitgründer der Bewegung, sagte damals der SZ: "Mit Leuten wie Macky Sall an der Spitze wird sich in Afrika nie etwas ändern."
