bedeckt München 32°

Seligsprechung von Papst Johannes Paul II.:Wer glaubt, wird selig

Es grenzt an ein Wunder, mit welcher Eile Papst Johannes Paul II. höhere Weihen zuteil werden. Nie ist ein Mensch so schnell seliggesprochen worden. Der charismatische Pole hat die Kirche deutlich verändert, doch war er nicht unumstritten.

M. Drobinski, Rom

Nur wenig ist verblasst von der Erinnerung. Da waren die Stunden der ärztlichen Sachstandsmeldungen, die Kameras, die jene zwei erleuchteten Fenster über den Vatikanmauern in den Blick nahmen. Dort oben ging Karol Wojtyla, Papst Johannes Paul II., nach langem Leiden aus dem Leben; er starb am Abend des 2. April 2005. Da war der Pilgerstrom zum toten Papst, zwei Millionen Menschen sollen es gewesen sein. Schließlich die Beerdigung. Der einfache Holzsarg, darauf eine Bibel, in der der Wind blätterte, in den Straßen Hunderttausende Gläubige, die Transparente zeigten: "Santo Subito" - sprecht ihn sofort heilig, den toten Papst!

Sechs Jahre und 29 Tage ist es an diesem Sonntag her, dass Johannes Paul II. starb. An diesem Sonntag wird Papst Benedikt XVI. seinen Vorgänger seligsprechen; die Heiligsprechung dürfte nur eine Frage von kurzer Zeit sein. Noch nie in der neueren Kirchengeschichte hat die katholische Kirche einen Menschen so schnell zu den Ehren der Altäre erhoben, nicht einmal Mutter Teresa. Und selten hat die katholische Kirche den Willen des Kirchenvolks so schnell erfüllt.

Es sei trotz der Eile alles streng nach Vorschrift gegangen, betont die Seligsprechungskommission im Vatikan, die sonst in jahrzehntelanger Kleinarbeit prüft, ob der Kandidat ein Leben führte, das einem Heiligen gemäß war, und ob es tatsächlich das vorgeschriebene Wunder gegeben hat.

Lediglich die Fristen für das Verfahren seien verkürzt worden, heißt es, weil der Papst aus Polen "zu Lebzeiten, beim Tod und nach dem Tod" im "Ruf der Heiligkeit" gestanden habe. Im Januar bestätigte Benedikt XVI. auch das Wunder: Die französische Nonne Marie Simon-Pierre soll von Parkinson geheilt worden sein, nachdem sie Johannes Paul II. um Fürsprache angerufen hatte.

Seitdem ist der Weg zur Seligsprechung frei: Von Sonntag an wird Johannes Paul II. offiziell in der Diözese Rom und in Polen verehrt - die Verehrung der gesamten Weltkirche steht erst Heiligen zu. Der Leichnam des neuen Seligen wird einen neuen Platz in der Basilika finden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB