Krieg in der UkraineSelenskij: Putin profitiert von einem langen Krieg in Iran

„Ich habe ein sehr ungutes Gefühl, was die Auswirkungen dieses Kriegs auf die Lage in der Ukraine angeht und was den Fokus der USA betrifft“, sagt der ukrainische Präsident.

Alle Entwicklungen im Liveblog

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Wichtige Updates
Russland will kein Öl mehr an die Raffinerie in Schwedt liefern
Budapest: Russisches Öl wieder auf dem Weg nach Ungarn
Ukraine bittet Türkei um Ausrichtung eines Selenskij-Putin-Gipfels 
Druschba-Pipeline wieder funktionsfähig
Kallas: Entscheidung über EU-Kredit für Ukraine bis Mittwoch

Orbán gibt Blockade von Ukraine-Hilfe und EU-Sanktionen gegen Russland auf 

Ungarn hat seine monatelange Blockade des geplanten milliardenschweren EU-Unterstützungspakets für die Ukraine aufgegeben. Die Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán trug in Brüssel eine Entscheidung mit, die ein Darlehen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro ermöglichen soll. Das ​teilte die ​zyprische EU-Ratspräsidentschaft ​mit. Ungarns Botschafter stimmte dem Kredit zu. Legt bis morgen Nachmittag kein EU-Land Widerspruch ein, ist der Kredit angenommen.

Von den neuen EU-Finanzhilfen in Höhe von 90 Milliarden Euro sind 60 Milliarden für verteidigungsrelevante Ausgaben vorgesehen. Die Hälfte des Geldes soll bereits in diesem Jahr fließen – weitere 45 Milliarden könnten dann im kommenden Jahr folgen. Das Finanzierungskonzept sieht vor, das Geld für das Darlehen zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt aufzunehmen. Die Ukraine soll das Geld dann nur zurückzahlen müssen, wenn Russland nach einem Ende seines Angriffskriegs Entschädigungszahlungen für die entstandenen Schäden leistet. Eine Verständigung der Staats- und Regierungschefs sieht weiter vor, in der EU eingefrorene russische Vermögenswerte für die Rückzahlung heranzuziehen, falls Moskau für Kriegsschäden keine Entschädigung leistet. 
 Zudem konnte auch ein neues Paket mit Russland-Sanktionen auf den Weg gebracht werden – die formellen Beschlüsse müssen in einem schriftlichen Verfahren gefasst werden, das an diesem Donnerstag abgeschlossen sein soll. Das Paket zielt darauf ab, Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Öl weiter zu reduzieren. Auch sollen weitere Finanzinstitute vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten und zusätzliche Handelsbeschränkungen erlassen werden. Im Energiebereich sieht das Sanktionspaket vor, EU-Unternehmen die Beteiligung an der Reparatur von russischen Raffinerien zu verbieten, die durch ukrainische Angriffe beschädigt wurden. Außerdem werden Transaktionen mit Hafenterminals in Russland und Drittstaaten sowie LNG-Terminaldienste und Wartungsleistungen für russische LNG-Tanker und Eisbrecher untersagt.

Zugleich fällt eine bisherige Ausnahme für Erdgaskondensate beim Importverbot für russisches Rohöl weg. Darüber hinaus sollen russische und ausländische Unternehmen sanktioniert werden, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen, darunter auch Firmen aus Drittstaaten. Um Russlands Einnahmen zu verringern, sind zudem Importverbote für weitere Metalle, Chemikalien und kritische Rohstoffe vorgesehen. Nach EU-Angaben könnten die Einnahmen des Landes dadurch um 570 Millionen Euro pro Jahr sinken. Das Paket war ebenfalls von Ungarn sowie von der Slowakei blockiert worden. 

Russland will kein Öl mehr an die Raffinerie in Schwedt liefern

Moskau hat angekündigt, die Lieferung von kasachischem Rohöl zur Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt ab Mai einzustellen. ​Rosneft Deutschland habe die Bundesnetzagentur als Treuhänderin darüber informiert, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mit. 

Demnach darf auf Anweisung des russischen ⁠Energieministeriums dann kein Öl mehr aus Kasachstan durch die Druschba-Pipeline nach Schwedt fließen. Das Ministerium schätzt die Versorgungssicherheit in Deutschland zwar als nicht gefährdet ein, räumte aber ein, ​dass die PCK-Raffinerie ​dann womöglich mit einer geringeren Kapazität fahren müsste.

Die Anlage in ‌Schwedt ist eine der größten in Deutschland und versorgt ‌den gesamten Nordosten einschließlich des Großraums Berlin-Brandenburg. Ein Großkunde ist außerdem der ​Berliner Flughafen.
Als Reaktion sucht die Bundesregierung das ​Gespräch mit Polen, um Öllieferungen über den Hafen in Danzig zu erhöhen. Dies kündigte die Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann (CDU), im Wirtschaftsausschuss des Bundestages an, wie ein Teilnehmer der Sitzung der Nachrichtenagentur Reuters ‌sagte.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass die Raffinerie ihre Produktion aufrechterhalten könne. Sie gehe davon aus, dass PCK weiter Rohöl ‌erhalte, sagte Reiche. Als alternative ‌Lieferwege nannte sie die Häfen in Danzig und Rostock. Der frühere Energie-Staatssekretär Michael ​Kellner sprach von Druck aus Moskau: 
Russland versucht mal wieder, Deutschland zu erpressen.
Früherer Energie-Staatssekretär Michael ​Kellner
Der PCK werde das ​Öl aber nicht ausgehen, so der Grünen-Politiker. Die Mengen über Polen ließen sich steigern.

Lieferungen über den ‌polnischen Hafen Danzig gelten jedoch als politisch heikel. Polen hatte in der Vergangenheit Vorbehalte geäußert, da der russische Staatskonzern Rosneft trotz der seit 2022 bestehenden Treuhandverwaltung in Deutschland weiter die Mehrheit an der Raffinerie in Schwedt hält.

Kasachstan ist als Öllieferant wichtig, seit Deutschland wegen des Ukraine-Kriegs auf russische Lieferungen verzichtet. Bei einer ⁠Auslastung von über 90 Prozent erhielt Schwedt zuletzt nach früheren ‌Angaben etwa 60 ‌Prozent des Rohöls über Rostock und jeweils etwa 15 Prozent über Danzig und aus Kasachstan. 

Budapest: Russisches Öl wieder auf dem Weg nach Ungarn

Die Druschba-Pipeline, die russisches Öl über Belarus und die Ukraine nach Ungarn transportiert, hat nach ungarischer Darstellung ihren Betrieb wieder aufgenommen. „Nach den uns vorliegenden Informationen hat die Öldurchleitung über die Druschba-Pipeline heute um 11.35 Uhr von Belarus in Richtung Ukraine wieder begonnen“, schrieb der ungarische Minister für EU-Angelegenheiten, Janos Boka, auf seiner Facebook-Seite.

„Nach menschlichem Ermessen“ würde das russische Erdöl ungarisches Staatsgebiet noch im Laufe desselben Tages oder spätestens bis Donnerstagmorgen erreichen, schrieb Boka weiter. Ein weiterer Zweig der Druschba transportiert das Öl auch in die Slowakei.

Bericht: Ukraine fehlen Milliarden für die Verteidigung

Einem Bericht des Kyiv Independeten zufolge fehlt der Ukraine ein Milliardenbetrag für die eigene Verteidigung - selbst wenn die EU einen Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro freigeben sollte. Mit dem der Ukraine in Aussicht gestellten EU-Kredit könne zwar der Haushalt 2026 vollständig finanziert werden, es bestehe aber weiterhin eine Finanzierungslücke im Verteidigungsbereich. Diese beläuft sich laut einer Präsentation der Europäischen Kommission, die dem Kyiv Independent vorliegt, im Jahr 2026 auf 19,6 Milliarden Euro.

Ukraine: Russland riskiert mit Raketen nahe Tschernobyl eine Atomkatastrophe 

Russland hat nach ukrainischen Angaben bei seinen Angriffen wiederholt Drohnen und Raketen auf Flugbahnen nahe dem stillgelegten Atomkraftwerk Tschernobyl eingesetzt. Damit riskiere Russland einen schweren Nuklearunfall, teilte der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko der Nachrichtenagentur Reuters mit.

Tschernobyl und das noch aktive Kernkraftwerk Chmelnyzkyj im Westen der Ukraine seien etliche Male ​von russischen Hyperschallraketen und Drohnen knapp passiert worden. Im vergangenen Jahr war die Strahlenschutzhülle des havarierten Reaktors von Tschernobyl bereits von einem Flugobjekt beschädigt worden.

Krawtschenko erläuterte russische Militäraktivitäten in der ⁠Nähe ukrainischer Atomanlagen in einer Stellungnahme. Seit Beginn der Invasion seien 35 russische Hyperschallraketen vom Typ Kinschal in einer Entfernung von bis zu 20 Kilometern um Tschernobyl oder Chmelnyzkyj registriert worden, davon seien 18 an beiden Standorten vorbeigeflogen. Dreimal seien ‌Kinschal-Raketen in einem Umkreis von zehn Kilometern um Chmelnyzkyj aufgeschlagen.

Im Juli 2024 hatte Russland mit schweren Drohnenangriffen auf die Ukraine begonnen. Vermutlich nutze das russische Militär die ​Sperrzone um Tschernobyl als Einflugschneise, um die ukrainische Luftabwehr zu umgehen, so Krawtschenko.
Im Sarkophag um Reaktor 4 des ehemaligen Kernkraftwerks in Tschernobyl klafft ein Loch (Archivbild).
Im Sarkophag um Reaktor 4 des ehemaligen Kernkraftwerks in Tschernobyl klafft ein Loch (Archivbild). Efrem Lukatsky/AP/dpa
Im Februar vergangenen Jahres beschädigte ​nach ukrainischen Angaben eine russische Langstreckendrohne den Sarkophag von Tschernobyl. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) schätzt die Reparaturkosten ‌auf mindestens 500 Millionen Euro. Der Kreml hatte damals eine russische Urheberschaft bestritten und den Vorfall als ukrainische Inszenierung bezeichnet.

Außer der Anlage in Tschernobyl befinden sich in der Ukraine vier weitere Atomkraftwerke. Die Anlage von Saporischschja, das größte Kernkraftwerk Europas, ​ist seit 2022 von Russland besetzt. 

Slowakei: Erwarten ab Donnerstag wieder Öl via Druschba-Pipeline

Die Rohöllieferungen durch die Druschba-Pipeline von der Ukraine in die Slowakei werden nach Angaben der Regierung in Bratislava voraussichtlich am Donnerstagmorgen wiederaufgenommen. Die ukrainische Seite habe darüber informiert, dass der Druckaufbau aus Belarus am Morgen ​begonnen habe, teilt die slowakische Wirtschaftsministerin Denisa Sakova auf Facebook mit.

Die Pipeline ist seit Januar außer Betrieb. Nach ukrainischen Angaben war die Ursache ein russischer Angriff. 

Gegenseitige Drohnenangriffe in der Nacht

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Stadt Sysran ​ist nach ​Angaben der örtlichen Behörden ein ‌Wohnhaus teilweise eingestürzt. Eine Frau und ein Kind sind nach Angaben der Lokalregierung ums Leben gekommen. Zwölf ​weitere Menschen seien verletzt worden, ​teilt der ​Gouverneur der Region Samara, Wjatscheslaw ​Fedorischew, mit. In der an die Ukraine grenzenden Region Kursk ‌stürzte nach Angaben der dortigen Regionalregierung zudem eine Drohne in ‌den Hof eines ‌Hauses, verletzt wurde niemand.

Russland griff seinerseits den Schwarzmeerhafen Odessa ​in der Nacht mit Drohnen an. Dabei sind nach ukrainischen Angaben ‌Liegeplätze, Lagerhallen und Bahnanlagen beschädigt worden. Auch Einrichtungen von Hafenbetreibern seien getroffen worden, teilt der stellvertretende Ministerpräsident Oleksij Kuleba mit. Bei einem weiteren ⁠Drohnenangriff auf einen Bahnhof in ‌der südlichen ‌Region Saporischschja sei zudem ein Bahnmitarbeiter getötet worden. 

Ukraine bittet Türkei um Ausrichtung eines Selenskij-Putin-Gipfels 

Die Ukraine hat die Türkei um die Ausrichtung eines Gipfeltreffens zwischen Präsident Wolodimir Selenskij und dem ​russischen Staatschef Wladimir Putin gebeten. Die Regierung in Kiew wolle damit die stockenden Friedensgespräche wiederbeleben, sagt der ukrainische Außenminister Andrij ⁠Sybiha.

Die Ukraine sei bereit, jeden Ort außer Belarus oder Russland für ein Treffen mit Putin in Betracht zu ziehen. Selenskij bemühe sich seit Langem um ein solches Treffen, ​um die ​Versuche für eine Beendigung des seit mehr als vier Jahren andauernden Krieges ‌voranzutreiben. 

Wie die Regierung in Ankara auf den Vorschlag ‌reagierte, sagt Sybiha nicht. Die Türkei hat wiederholt versucht, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln und bereits mehrere Verhandlungsrunden ausgerichtet. Ein Gipfeltreffen zwischen Putin und Selenskij fand seit ​dem russischen Einmarsch in ​die Ukraine im Februar 2022 allerdings noch nicht statt.
Der Präsident der Ukraine, Wolodimir Selenskij (links) und der russische Machthaber Wladimir Putin (rechts) sind bisher nur einmal persönlich aufeinandergetroffen: im Dezember 2019 in Paris. Damals war Angela Merkel (Mitte) Bundeskanzlerin.
Der Präsident der Ukraine, Wolodimir Selenskij (links) und der russische Machthaber Wladimir Putin (rechts) sind bisher nur einmal persönlich aufeinandergetroffen: im Dezember 2019 in Paris. Damals war Angela Merkel (Mitte) Bundeskanzlerin. Charles Platiau/Reuters

Druschba-Pipeline wieder funktionsfähig

Die Druschba-Pipeline, durch die russisches Öl nach Europa fließt, ist nach Angaben ​des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij wieder betriebsbereit. Selenskij erklärte auf X, dass die Ukraine die Reparaturarbeiten an dem im Januar ⁠beschädigten Abschnitt der Röhre abgeschlossen habe. Infolgedessen wurde der Transit russischen Erdöls über die Ukraine in die Slowakei und Ungarn unterbrochen. 

Die Ukraine macht Russland für die Beschädigung verantwortlich. Die beiden Nachbarstaaten der Ukraine bezweifelten die Darstellung von Kiew zu den Schäden an der Erdölleitung und forderten eine unabhängige Inspektion. Beide Länder stellten ihre Diesellieferungen an die Ukraine ein. Budapest blockierte außerdem die Zahlung der ersten Tranche des im Dezember zugesagten EU-Kredits von insgesamt 90 Milliarden Euro. Ungarn hatte allerdings angekündigt, sein Veto zurückzuziehen, wenn es wieder russisches Öl über die in der Ukraine beschädigte Druschba-Pipeline bekomme. 

Öllieferungen an EU-Staaten mache die Ukraine von der Freigabe der für die Ukraine vorgesehenen EU-Mittel abhängig, sagte der ukrainische Präsident Selenskij. Nach eigenen Angaben telefonierte Selenskij mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa und betonte, dass die Ukraine alle Forderungen erfüllt habe und nun dringend das Geld brauche. „Diese Mittel werden nicht nur die Ukraine, sondern ganz Europa stärken“, sagte er. Das Land will den Großteil des Geldes für den Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg nutzen. 

Am Mittwoch könnte die EU eine Entscheidung über ein weiteres Unterstützungsdarlehen für die Ukraine treffen. 

Kallas: Entscheidung über EU-Kredit für Ukraine bis Mittwoch

Die ​EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas ‌rechnet bis Mittwoch mit „positiven Entscheidungen“ über einen Kredit für die ​Ukraine in ​Höhe von 90 ​Milliarden Euro, sagte ​sie vor einem Treffen der EU-Außenminister in ​Luxemburg.
Die Ukraine braucht diesen Kredit wirklich, und er ist ‌auch ein Zeichen dafür, dass Russland nicht länger ‌durchhalten ‌kann als die Ukraine.
​EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas
Zuletzt hatte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán die Auszahlung des EU-Kredits an die Ukraine blockiert, obwohl sein Land dem Paket im Dezember 2025 zugestimmt hatte. Orbán hatte die Freigabe mit der Wiederaufnahme russischer Öllieferungen über die beschädigte Druschba-Pipeline, die durch die Ukraine führt, verknüpft.

Mitte April wurde Orbán bei den ungarischen Parlamentswahlen abgewählt. Sein designierter Nachfolger Péter Magyar ist der Frage bisher ausgewichen, ob er dem Kredit zustimmen werde.

Selenskij wirft US-Vermittlern Respektlosigkeit vor 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat den US-Vermittlern Steve Witkoff und Jared Kushner fehlenden Respekt vor der Ukraine vorgeworfen. „Es ist respektlos, nach Moskau zu reisen und nicht nach Kiew zu kommen“, sagte der Staatschef in einem Interview für das staatliche Nachrichtenprogramm. Er verstehe zwar die Schwierigkeiten bei der Anreise in das Kriegsland, doch würden auch andere nach Kiew reisen. Mit Blick auf einen solchen Besuch vor Ort sagte Selenskij: „Das brauchen nicht wir, sondern sie.“ Zugleich hob er hervor, dass für ihn das Resultat und nicht der Ort der Gespräche entscheidend sei.

Selenskij lehnte erneut einen von Russland geforderten Abzug aus den ostukrainischen Gebieten Luhansk und Donezk ab. „Das wäre fraglos für uns strategisch gesehen eine Niederlage“, sagte das Staatsoberhaupt. Ohne die Befestigungsanlagen und die ausgebaute Verteidigungslinie würde die Ukraine schwächer werden. Ein angeordneter Rückzug würde auch die ukrainische Armee moralisch schwächen. Für ihn sei ein Kriegsende am schnellsten über einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie erreichbar.

Zwar drängt Washington die Kriegsparteien seit Monaten zu einem Friedensschluss. Jedoch ruhen die Verhandlungen aufgrund des Iran-Kriegs seit Februar. Zuvor waren Witkoff und Kushner bereits mehrfach zu Gesprächen mit Kremlchef Wladimir Putin nach Moskau gereist. Ein für nach dem orthodoxen Osterfest erwarteter Besuch wäre der erste in Kiew gewesen. Bislang fand er aber nicht statt. Das orthodoxe Osterfest wurde am 12. April gefeiert. 

Drohungen aus Moskau gegen „potenzielle Ziele“ in Deutschland: Auswärtiges Amt bestellt Botschafter ein 

Das Auswärtige Amt hat den russischen Botschafter in Deutschland einbestellt, wie es selbst auf X mitteilte. „Direkte Drohungen Russlands gegen Ziele in Deutschland sind ein Versuch, unsere Unterstützung für die Ukraine zu schwächen und unsere Geschlossenheit zu testen“, hieß es als Begründung. „Unsere Antwort ist klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Solche Drohungen und alle Arten von Spionageaktivitäten in Deutschland sind vollkommen inakzeptabel“, schrieb das Amt weiter.

Vergangene Woche hatte das russische Außenministerium Adressen von europäischen Rüstungsfirmen veröffentlicht, darunter auch Standorte in München und Hanau. Dort würden Drohnen für die Ukraine produziert, hieß es. Wegen Sabotagegefahr werden die Standorte der Betriebe in Deutschland eigentlich geheim gehalten. Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew, der als Vizechef des nationalen Sicherheitsrats immer noch großen Einfluss hat, bezeichnete auf der Plattform X die aufgeführten Unternehmen als „Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte“.

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Europol-Ermittler entdecken 45 verschleppte ukrainische Kinder

Internationale Ermittler haben gemeinsam mit Europol 45 mutmaßlich entführte ukrainische Kinder identifiziert und aufgespürt. Die Kinder seien vermutlich gewaltsam in die besetzten Gebiete der Ukraine, nach Russland oder Belarus verschleppt worden, teilte Europol in Den Haag mit. Die Informationen seien den ukrainischen Behörden übergeben worden.

Zwei Tage lang hatten Sonderermittler aus 18 Ländern sich in Den Haag an der Suche beteiligt. An der Europol-Aktion war auch der Internationale Strafgerichtshof beteiligt. Die Ergebnisse können nach Informationen von Europol zum Aufenthaltsort der deportierten Kinder führen.

Die Experten hatten online in digitalen Quellen und mit Gesichtserkennung versucht, die Kinder zu finden. Grundlage sind etwa Kinderfotos der Eltern. Es seien Routen ermittelt worden sowie Militäreinheiten, die an der Deportation beteiligt waren. Es ist die dritte internationale digitale Suchaktion von Europol zu den verschleppten Kindern der Ukraine.

Seit Beginn des Krieges vor gut vier Jahren wurden nach Angaben von Europol schätzungsweise mehr als 19 500 Kinder aus den besetzten Gebieten nach Russland oder Belarus verschleppt. Einige seien von Russen adoptiert worden, andere würden in Umerziehungslagern oder psychiatrischen Kliniken festgehalten. Der Internationale Strafgerichtshof leitete deshalb Ermittlungen ein und erließ internationale Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie die russische Beauftragte für Kinderrechte, Maria Lwowa-Belowa.

Wie es für ukrainische Kinder ist, wieder in die Heimat zurückzukehren, beschreibt SZ-Korrespondent Florian Hassel:  

Ukraine: Ranghoher Militär bei Drohnenangriff verletzt

In der Ukraine hat ein wichtiger Berater des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow nach eigenen Angaben einen russischen Drohnenangriff nur knapp überlebt. Der Drohneneinschlag habe sein Haus zerstört, teilte Serhij Beskrestnow mit. „Mich hat es getroffen, aber das Wichtigste: Wie durch ein Wunder bin ich am Leben“, schrieb er. Dazu veröffentlichte er ein Bild von sich aus dem Krankenhaus.

Der 51-jährige Beskrestnow gilt als Spezialist für militärische Funktechnologien. Seit Kriegsbeginn ist er an der Front in den Bereichen Funk, elektronische Kriegsführung und Aufklärung aktiv – und damit auch für den Drohnenkampf. Im Januar 2026 wurde er von Verteidigungsminister Fedorow zu dessen Berater auf dem Gebiet ernannt.

Erneut Brand russischer Ölanlagen nach Drohnenangriff – Bericht über einen Toten

Bei einem erneuten ukrainischen Drohnenangriff auf den russischen Schwarzmeerhafen Tuapse in der Region Krasnodar ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Das teilte der zuständige Gouverneur Weniamin Kondratjew mit. Eine weitere Person sei verletzt worden, schrieb der Gouverneur auf der Plattform Telegram. Im Hafen brenne es, Drohnentrümmer hätten Gebäude in der Stadt beschädigt, darunter eine Schule und einen Kindergarten. Auch eine Gasleitung sei beschädigt worden. In sozialen Medien berichteten Anwohner von Explosionen, zwei brennenden Tanks der Raffinerie und hohen Flammen im Bereich des Hafens. Die Staatsanwaltschaft berichtete von Schäden an der Infrastruktur des Hafens.

Der Hafen war bereits vergangene Woche Ziel eines ukrainischen Angriffs. Als Teil ihres Abwehrkampfes greift die Ukraine Russlands Ölindustrie an, die für Moskaus Finanzierung des Kriegs wichtig ist. Die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden stehen in keinem Verhältnis zu den verheerenden Kriegsfolgen russischer Angriffe in der Ukraine.

Am Schwarzen Meer ist Tuapse einer der wichtigsten Häfen für den russischen Ölexport. Hier gibt es auch eine Raffinerie, die dem größten russischen Ölkonzern Rosneft gehört. Tuapse liegt etwa 75 Kilometer nordwestlich der Großstadt Sotschi.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hatte am Sonntag mitgeteilt, die ukrainischen Angriffe auf Russlands Ölinfrastruktur hätten zu einem Verlust von mindestens 2,3 Milliarden Dollar an Einnahmen durch Ölverkäufe geführt. Das Onlineportal Kyiv Independent berichtete, durch Drohnenangriffe und Beschlagnahmung von Öltankern der sogenannten russischen Schattenflotte seien im April etwa 40 Prozent der russischen Öl-Exportkapazitäten lahmgelegt worden.
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