Selbstmordattentate in Sanaa Jemen zerfällt

Anhänger der Separatistenbewegung feiern in der Stadt Aden.

(Foto: AFP)
  • Der IS bekennt sich zu den jüngsten Selbstmordattentaten im Jemen - bisher hat die Terrorzelle al-Qaida in dem Land Anschläge verübt.
  • Al-Qaida hat Angriffe gegen Gotteshäuser abgelehnt - anders als der IS.
  • Schwere Gefechte und Luftangriffe gegen die Residenz von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi in Aden machten deutlich, wie weit der Zerfall des Staates fortgeschritten ist.
Von Paul-Anton Krüger

Die schwersten Terroranschläge der vergangenen Jahre haben am Freitag in Jemen zwei schiitische Moscheen in der Hauptstadt Sanaa getroffen. Nach Angaben der Behörden kamen mehr als 140 Menschen ums Leben. Die Selbstmordattentate galten offenkundig Mitgliedern der schiitischen Huthi-Miliz, die seit September Sanaa besetzt halten und im Februar de facto die Macht an sich gerissen haben. Sie trafen die Gläubigen beim Freitagsgebet.

In einer im Internet verbreiteten Botschaft bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu den Attentaten. Ob die Botschaft echt ist und die Angaben darin zutreffen, ließ sich zunächst nicht überprüfen. Die Anschläge verschärften die ohnehin extrem angespannte Situation in Jemen weiter und befeuerten Sorgen vor einem neuen Bürgerkrieg.

IS hat nie vor Attacken gegen Gotteshäuser zurückgeschreckt

Zunächst sprengte sich ein Attentäter in der Badr-Moschee im Süden der Hauptstadt in die Luft. Eine weitere Explosion folgte, als die Menschen aus der Moschee flohen. Der zweite Anschlag richtete sich gegen die Al-Haschahusch-Moschee im Norden Sanaas. Bisher wurde Jemen vor allem von Anschlägen der Gruppe al-Qaida auf der arabischen Halbinsel erschüttert; die Gruppe hatte jüngst aber in einer Erklärung Anschläge auf Moscheen abgelehnt.

Dagegen haben der IS und mit ihm verbundene Gruppen nie vor Attacken auf Gotteshäuser zurückgeschreckt. In der Audiobotschaft war die Rede davon, dass der Angriff nur "die Spitze des Eisbergs" sei und weitere Attacken auf die "polytheistischen Huthis" folgen würden. Dies fügt sich in die bekannte Propaganda des IS gegen Schiiten ein; zudem wurde die Botschaft über Konten des Kurznachrichtendienstes Twitter verbreitet, die dem IS zugerechnet werden. Erste Berichte über Aktivitäten des IS in Jemen waren im November 2014 aufgekommen.

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Zuvor waren die meisten schweren Anschläge auf das Konto der jemenitischen Al-Qaida-Filiale gegangen, die westlichen Geheimdiensten als die gefährlichste gilt. Sie versucht, sich das Machtvakuum in Jemen zunutze zu machen, um sich neu zu formieren und Kämpfer zu rekrutieren. Die Attentäter von Paris erklärten sich der Gruppe zugehörig und waren nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden in einem Lager in Jemen ausgebildet worden. Sunnitische Stammeskämpfer, die einen weiteren Vormarsch der Huthis um jeden Preis stoppen wollen, lassen mancherorts Kämpfer der Terrororganisation in von ihnen kontrollierten Gebieten gewähren.

Schwere Gefechte und Luftangriffe gegen die Residenz von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi in Aden, der zweitgrößten Stadt, machten am Donnerstag deutlich, wie weit der Zerfall des Staates fortgeschritten ist. Eine Sondereinheit der Sicherheitskräfte unter General Abdel Hafidh al-Saqqaf versuchte, den Flughafen zu erstürmen. Saqqaf ist loyal zu Ex-Präsident Ali Abdullah Salih, der sich wiederum mit den Huthis verbündet hat.

Angriff auf amtierenden Staatschef

Der amtierende Staatschef Hadi hatte erfolglos versucht, Saqqaf abzusetzen. Soldaten, die zum Präsidenten stehen, kämpften sich den Weg zum Flughafen frei und übernahmen später den Stützpunkt der abtrünnigen Einheit. Mindestens 13 Menschen wurden bei den Kämpfen getötet.

Gegen Abend griff ein Kampfjet die Residenz in Aden an, in der Hadi sich aufhält, seit er im Februar vor den Huthis aus Sanaa geflohen ist. Hadi blieb unverletzt. Der Präsident warf dem "früheren Regime" einen Putschversuch vor. Zwar beschuldigte er Salih nicht direkt, sprach aber von "Agenten Irans".

Teheran ist der wichtigste Unterstützer der Huthi-Milizen, auch wenn deren Mitglieder Zaiditen sind, also einer anderen Sekte des Schiitentums angehören als die Iraner. Nach seiner Flucht aus Sanaa hatte Hadi, international anerkannt als Präsident, seine Rücktrittserklärung widerrufen. Diese hatte er abgegeben, nachdem die Huthis ihn unter Hausarrest gestellt hatten. Zugleich rief Hadi Aden zur provisorischen Hauptstadt aus.