Selbstmordattentat in Moskau Medwedjew ordnet landesweiten Alarm an

Bei dem Anschlag auf Moskaus internationalen Flughafen sind 35 Menschen getötet und 170 verletzt worden, darunter offenbar auch eine Deutsche. Kommt der Täter aus dem Kaukasus?

Von Frank Nienhuysen, Moskau

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sind am Montag mindestens 35 Menschen getötet und etwa 170 verletzt worden. Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew sprach von einem Werk mutmaßlicher Terroristen. "Nach den uns vorliegenden Informationen war es ein Terrorangriff", sagte Medwedjew. Er ordnete eine landesweite Alarmbereitschaft an. Der Selbstmordattentäter stammt vermutlich aus dem Nordkaukasus, hieß es aus Sicherheitskreisen. Unter den Toten sind zwei Briten; zumindest ein Deutscher wurde verletzt.

Bei einem Selbstmordattentat auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sind am Montag 35 Menschen getötet und etwa 170 verletzt worden. Vermutlich ist auch ein Deutscher unter den Verletzten.

(Foto: dpa)

Der Sprengsatz detonierte um 16.32 Uhr Ortszeit (14.32 Uhr deutscher Zeit) und hatte eine Stärke von mindestens sieben Kilogramm TNT. Die Bombe war nach Angaben der Sicherheitsbehörden mit Metallstücken gefüllt. Der Täter hatte sich in der allgemein zugänglichen Ankunftshalle in eine dicht gedrängte Menge von Wartenden gestellt, als er den Sprengsatz zündete. Ein Mitarbeiter der Sicherheitsbehörde betonte, dass die Bombe nicht in einem Flugzeug nach Moskau gebracht worden sei.

Präsident Medwedjew sagte, die Drahtzieher des Terroranschlags würden gefasst und bestraft. Zugleich kritisierte er die gängigen Sicherheitsvorkehrungen, die den Anschlag begünstigt haben könnten. Der im Süden von Moskau gelegene Flughafen Domodedowo ist der größte und modernste in der russischen Hauptstadt; alle Passagiere werden mit Hilfe eines Körperscanners durchleuchtet. Kontrollen im Eingangsbereich, wo sich der Anschlag ereignete, finden hingegen kaum statt. Medwedjew ordnete an, ein "spezielles Sicherheitssystem" an allen russischen Flughäfen und Bahnhöfen einzusetzen. Seine für diesen Dienstag geplante Anreise zum Weltwirtschaftsforum nach Davos verschob er. Regierungschef Wladimir Putin versprach schnelle Hilfe für die Angehörigen der Opfer. Er kündigte Geldzahlungen als Unterstützung an.

Wegen des dichten Rauchs im Flughafengebäude nach der Explosion war die genaue Zahl der Verletzten nur schwer zu ermitteln. Unablässig waren Rettungsfahrzeuge im Einsatz, die Verletzte in Krankenhäuser brachten. Einige der in Domodedowo geplanten Landungen wurden auf die übrigen Moskauer Flughäfen umgeleitet. Betroffen waren auch Maschinen aus Deutschland. Bis zum Abend normalisierte sich der Flugverkehr trotz Verzögerungen jedoch wieder.

Die Behörden fahndeten nach drei verdächtigen Männern. Am Abend wurden offenbar Leichenteile des mutmaßlichen Attentäters gefunden. Es handele sich um einen Mann zwischen 30 und 35 Jahren mit "arabischem Aussehen", berichtete die Nachrichtenagentur Interfax.

Unter den Opfern sind auch Bürger der Europäischen Union. Zwei Briten seien tot geborgen worden, teilten die russischen Behörden mit. Hinweise auf deutsche Todesopfer gab es vorerst keine. Eine Sprecherin von Air Berlin sagte, dass es unter den Getöteten keine Passagiere ihrer Linie gebe. Es wurde jedoch eine Deutsche verletzt. Nach Angaben der Agentur Interfax ist ihr Zustand stabil. Name, Alter und Herkunft sind noch nicht bekannt. Die Deutsche Botschaft in Moskau konnte die Angaben noch nicht bestätigen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich allem Anschein nach um eine Russlanddeutsche. Außerdem waren zumindest ein Italiener, ein Franzose und eine Slowakin unter den Verletzten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle verurteilten den Anschlag. "Dieser barbarische Akt ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte Westerwelle. Die EU-Kommission bot Russland technische Hilfe an. US-Präsident Barack Obama sprach von einem "abscheulichen Terrorakt gegen das russische Volk".