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Seite Drei zum SPD-Kanzlerkandidaten:Nach mir die Zukunft

SPD-Bundesparteitag

Sigmar Gabriel hat sich lange gefragt, ob er als Kanzlerkandidat antreten soll. Viele in der Partei befürchteten, dass er in diesem Fall die SPD noch weiter nach unten reißt.

(Foto: Hannibal Hanschke/dpa)

Sigmar Gabriel geht, Martin Schulz kommt. Nach langem Zaudern versuchen die Sozialdemokraten einen Neuanfang.

Am Ende stehen sie nebeneinander, Willy-Brandt-Haus, Atrium, Martin Schulz und Sigmar Gabriel. Vor ihnen zwei rote Pulte mit Mikrofonen. Und hinter ihnen ein Dienstag, der alles verändert hat. Gabriel sagt: "Ich danke der deutschen Sozialdemokratie dafür, dass ich mehr als sieben Jahre ihr Vorsitzender sein durfte." Es gehöre zur Wahrheit, dass er es der SPD nicht immer leicht gemacht habe - "und umgekehrt auch nicht immer". Aber es sei "eine tolle Zeit" gewesen. Gabriel lächelt. Schulz sagt, dass dies ein "besonderer Tag" sei, der ihn tief bewege. Und: "Dieses Land braucht in diesen schwierigen Zeiten eine neue Führung." Er sieht etwas angestrengt aus. Aber auch stolz. Es ist halb acht am Abend, als sie diese Sätze sagen, etwa zweieinhalb Stunden, nachdem hier, in der Parteizentrale, die Sitzung der SPD-Parteiführung begonnen hat. In der sollte es, diesmal final, um die Frage der Kanzlerkandidatur gehen, um jene Frage also, die seit Monaten Martin Schulz, Sigmar Gabriel und die restliche Spitze der deutschen Sozialdemokratie beschäftigte. Der ohnehin chronisch erhöhte Nervositätspegel in und um die Parteispitze war am Morgen noch einmal gestiegen. Nun stehe eine Klärung unmittelbar bevor, wurde geraunt - wobei das ein wenig an der Sache vorbeiging. Denn mindestens zwei Sachen waren da längst geklärt: Gabriels Rückzug. Und Schulz' Aufstieg zum ersten Sozialdemokraten des Landes. Mehr als zwei Stunden vor Beginn des Treffens sickerte die Titelgeschichte des nächsten Stern durch, mit dem Gabriel bereits alles besprochen hatte. "Der Rücktritt", so lautet die Titelzeile. Kurz danach erklärte Gabriel in der Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion, wie es laufen soll: An seiner Stelle werde Schulz Kandidat und Parteichef. Der stehe für einen Neuanfang. Er, Gabriel, stehe für die große Koalition - doch alle Umfragen belegten, dass die Menschen diese Koalition nicht mehr wollten. Deshalb sei Schulz der Richtige.

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