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Seehofer und seine MANNschaft:Männer fürs Museum

CSU-Politiker Horst Seehofer und die Staatssekretäre des Bundesinnenministeriums präsentieren sich auf einem Foto.

Was für eine Mannschaft: Die Staatssekretäre des Innenminsteriums und ihr Chef Horst Seehofer.

(Foto: Screenshot von Twitter Userin @Hannah_LBerg von www.bmi.bund.de)

Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sagt Heimatminister Horst Seehofer. Schaut man sich seine Personalentscheidungen an, dann gehören auch Frauen nicht dazu.

Kommentar von Iris Mayer

Als Horst Seehofer vor zwei Wochen über seinen neuen Job sprach, gelang ihm auf Anhieb ein Lacher. Auch in Bayern habe er schon ein Heimatmuseum, ähhhh -ministerium gegründet. Das sei erst bespöttelt und dann geschätzt worden. Drei Tage später sagte Seehofer, zu Deutschland würden zwar 4,5 Millionen Muslime, nicht aber der Islam gehören. Um "kein Jota" werde er seine Politik ändern, verkündete er, als die Kanzlerin und Mitchristin ihn öffentlich korrigierte.

Stattdessen wandte sich der CSU-Chef, so hieß es aus dem Ministerium, der "erfolgreichen Weichenstellung für die Leitung des BMI" zu. Die bestand - nebenbei bemerkt: ähnlich wie in islamisch geprägten Ländern - in der Auswahl von ausschließlich Herren für Führungsjobs und wurde folgerichtig als FührungsMANNschaft angepriesen.

Mutig verteidigt die CSU ihre Obergrenze für Frauen an der Macht

Die CSU funktioniert wie ein generisches Maskulinum: Frauen sind hier bestenfalls mitgemeint, ernst genommen werden sie nicht. Die generisch maskuline CSU hat deshalb ausschließlich Männer als Bundesminister ernannt, für Dorothee Bär fiel der weniger einflussreiche Job als Staatsministerin im Kanzleramt ab. Mutig verteidigt die CSU ihre Obergrenze für Frauen an der Macht.

Wer 50 Prozent der Bevölkerung bei der Auswahl für die Führungs- und Repräsentationsebene eines neu zusammengebauten Ministeriums ignoriert, der sollte sich besser um Museen als um Ministerien kümmern. Ein Minister, der fordert, Muslime müssten "mit und nicht neben oder gegen uns leben", seine Führungsebene aber für keinen Muslim oder Migranten öffnet, macht sich unglaubwürdig. Ganz sicher aber ist er nicht auf der Höhe der Zeit.

Im Verkehrsmuseum von Andreas Scheuer übrigens, der 2014 sagte, man habe eine Frauenquote mit Augenmaß aber nicht mit der Brechstange vereinbart, gibt es ebenfalls nur männliche Staatssekretärinnen.

Gebäude oder Männer? Hauptsache keine Frau!

Auch in der Schweiz, die erst 1971 das allgemeine Wahlrecht für Frauen eingeführt hat, gab es noch relativ lange Zeit Männer, die fanden, dass Frauen schon irgendwie mitgemeint wären, wenn Männer Politik machen: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wehrte sich noch 20 Jahre lang gegen dieses moderne Gendergedöns und stimmte männermehrheitlich mehrmals gegen das Frauenwahlrecht auf regionaler Ebene.

Erst das Schweizer Bundesgericht kippte das im November 1990. Herr Seehofer war da gerade Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium in Bonn.

Sein neues Bundesheimatministerium tauschte das Foto der Männerriege als Sinnbild der "erfolgreichen Weichenstellung" übrigens nach der ersten Empörungswelle im Netz kurzzeitig gegen ein Gebäudefoto. In beiden Fällen störte keine Frau das Bild.

© SZ.de/kjan
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