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Verfassungsschutz:Seehofer rechnet mit bundesweiter Beobachtung von "Querdenken"-Bewegung

Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020

Innenminister Horst Seehofer (CSU)

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Grund dafür sei die gestiegene Gewaltbereitschaft der Strömung, die nicht nur gegen Corona-Maßnahmen, sondern zum Teil auch gegen staatliche Institutionen protestiert.

Esoteriker, Impfgegner, Rechtsextremisten - das Spektrum der Protestierenden bei den Kundgebungen der sogenannten Querdenker ist breit. Die Behörden konstatieren allerdings eine zunehmende Gewaltbereitschaft. Das bleibt nicht ohne Folgen. So rechnet Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit einer bundesweiten Beobachtung der Querdenker-Bewegung durch die Verfassungsschutzbehörden. "Wir haben diese Szene von Anfang an stark im Blick. Wir schauen uns genau an, wer da teilnimmt und wie das Verhalten ist", sagte der Minister in Berlin.

Die Probleme und die Gewaltbereitschaft in dieser Szene hätten zugenommen, "deshalb geht die Tendenz bei uns, auch im Verfassungsschutzverbund, eher in die Richtung, diese Szene zu einem Beobachtungsobjekt zu erklären". Er würde - Stand heute - auch vermuten, "dass es dazu kommt".

Es mache ja keinen Sinn, "wenn wir nach jeder Entgleisung feststellen, es darf sich nicht wiederholen und es wiederholt sich dann doch", sagte Seehofer mit Blick auf die Zustände bei einigen der zurückliegenden Protestkundgebungen der Bewegung. Er sei bei derartigen Aktionen für massive Polizeipräsenz und die Anwendung des Prinzips Wehret den Anfängen.

Zuvor hatte sich Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer dafür ausgesprochen, die Querdenken-Bewegung bundesweit zum Verdachtsfall zu erklären. "Wir haben es mit einer Bestrebung zur Diffamierung und Delegitimierung der freiheitlich demokratischen Grundordnung und der Institutionen dieses Staates zu tun", sagte Kramer dem ARD-Politikmagazin "Kontraste".

Kramer sagte außerdem der Nachrichtenagentur dpa, der Verfassungsschutz schaue bei den Demonstrationen schon länger hin. "Jetzt ist es mittlerweile aber so, dass die Extremisten die Wortführerschaft und mehr und mehr die Regie übernehmen, auch wenn sie zahlenmäßig nicht in der Mehrheit sind."

Bei den Demonstrationen seien Vertreter der sogenannten Neuen Rechten dabei, Reichsbürger und Vertreter des inzwischen offiziell aufgelösten "Flügels" der AfD, sagte Kramer. "Auch dadurch ergibt sich für mich die Situation, dass bei der Querdenken-Bewegung hinreichende Anhaltspunkte vorliegen, um sie als Verdachtsfall zu bearbeiten." Darüber sei man sich auch im Verfassungsschutzverbund einig.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft eine Bewegung als Verdachtsfall ein, wenn es gewichtige Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen sieht. Das bedeutet, dass der Geheimdienst personenbezogene Daten auswerten und speichern kann. Das Bundesamt kann die betroffene Gruppierung unter strengen Voraussetzungen systematisch beobachten und nachrichtendienstliche Mittel einsetzen, also heimlich Informationen beschaffen. So soll herausgefunden werden, ob sich der Verdacht erhärten lässt und ob eine Gruppierung als erwiesen extremistisch eingestuft wird. Es handelt sich also um eine Übergangsphase.

© SZ/dpa/jael
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