Seehofer nach der Bayern-Wahl Rücktritt? "Kann sein. Kann nicht sein"

Nur Minuten und ein paar selbstbewusste Sätze später freilich schaltet der gleiche Seehofer wieder auf rauflustig und erklärt lächelnd, dass "vernünftige Diskussionen als natürlicher Bestandteil einer dynamischen Demokratie" begriffen werden müssten. An der Stelle hätte er auch in die Runde fragen können, warum sich bloß immer alle gleich so aufregen.

Und Rücktritt? Ist das kein Gedanke? Nein, sagt Seehofer, Personaldebatten werde er jetzt auf keinen Fall beginnen. Er halte sich da ganz "an den vereinbarten Fahrplan". Mit Sondierungen, Koalitionsverhandlungen, der Wahl des Ministerpräsidenten. Erst danach also, irgendwann ab Mitte November, werde es nochmal eine ausführliche Analyse geben.

Erst mal über Strategie und Programmatik reden, findet Seehofer

Dabei müsse man freilich vieles durchdenken und überlegen, darunter die Schwäche der CSU in den Großstädten, die noch größeren Schwächen der Partei im Umgang mit Umwelt, Klima, Naturschutz. Und erst dann, wenn Strategie und Programmatik neu geklärt würden, könne und müsse man auch übers Personal reden.

Ob es Seehofer mit diesem Plan gelingt, sich über die Zeit zu retten, muss sich noch zeigen. Aus der CSU-Landesgruppensitzung im Bundestag hieß es am Dienstag, das Verfahren werde von einigen als Hinhaltetaktik empfunden. Konkrete Rücktrittsforderungen gegen Seehofer hat es nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa bei dem Treffen zwar nicht gegeben. Teilnehmer berichteten demnach aber, der Wunsch nach einem Rückzug des Parteichefs sei spürbar gewesen. Es habe zahlreiche Forderungen nach einem personellen Neuanfang gegeben. Zuvor hatten zwei CSU-Kreisverbände die Ablösung Seehofers gefordert. Doch der zeigt sich unbeeindruckt.

Als ein Journalist in der Pressekonferenz am Dienstag nochmal nachfragt, ob am Ende der Analyse vielleicht doch noch ein lautes Adieu des Horst Seehofer stehen könnte, antwortet der CSU-Chef variantenreich, aber immer mit der gleichen Botschaft. Erst heißt es spitzbübisch: "Kann sein. Kann nicht sein." Anschließend folgt ein: "Ich kann das heute nicht sagen."

Und so bleibt am Ende dieses Auftritts nur ein Eindruck übrig: Dass Seehofer zwar gespürt hat, wie heikel sein Verhalten im Sommer gewesen ist. Aber dass er bislang keineswegs vorhat, auf sich die gleichen Kriterien anzuwenden, wie er sie bei seinem Vorgänger Erwin Huber 2008 durchgesetzt hat: dass man nach einer deftigen Wahlniederlage auch wirklich zu gehen hat.

Politik CSU Warum Seehofer zurücktreten sollte

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