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Sebastian Kurz:"Kurz ist zum Erfolg verdammt"

Inhaltlich beschränkt sich der Außenminister auf seine Kernthemen Flüchtlingskrise und eine harte Türkeipolitik, zu innen- oder wirtschaftspolitischen Fragen äußert er sich kaum. Auch der Skandal um eine geschönte Studie aus seinem Ministerium schadet seinem Image als "Messias" nicht. Der Hype lässt nur schöne Geschichten zu, Aufmerksamkeit und Begeisterung. Es geht vor allem um Emotionen. Dafür lässt Kurz sich auch stundenlang für Selfies mit seinen Fans fotografieren oder setzt Pressekonferenzen abgestimmt mit den Abendnachrichten an. Neben "Messias" wird er "Wunderwuzzi", "Popstar der österreichischen Politik" oder einfach "der Sebastian" genannt.

Aber warum kommt es überhaupt zu so einem Hype?

Es sind die erstarrten Strukturen, dieselben Gesichter in der Politik seit Jahrzehnten, die nicht nur Österreicher nach Wandel gieren lassen. "Wir haben in den meisten Demokratien eine hohe Unzufriedenheit mit der etablierten Politik. Das führt zu einer großen Sehnsucht nach neuen Politikern - meistens sind sie gar nicht wirklich neu -, die irgendwie anders erscheinen", sagt Filzmaier. Letztlich bedeute so ein Hype aber auch eine "Begeisterung für neue Entwicklungen in der Politik, während wir doch gleichzeitig oft politische Verdrossenheit beklagen", betont der Experte. Es handelt sich im Grunde also um etwas Gutes.

Einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Stilisierung als Hoffnungsträger leisten oftmals die Medien, die auf neue Gesichter gerne anspringen; aber auch soziale Medien und geschickt inszenierte Kampagnen.

Selbst in Deutschland scheint es nach mehr als einem Jahrzehnt Angela Merkel ein Bedürfnis nach Wandel zu geben, wie der "Schulz-Effekt" zeigt. Aber die Erwartungen an den SPD-Kanzlerkandidaten waren so hoch, dass sie eigentlich enttäuscht werden mussten.

Steht Sebastian Kurz Ähnliches bevor? Bis zu den Nationalratswahlen am 15. Oktober sind es schließlich noch einige Wochen.

"Kurz hat eine hochprofessionelle Strategie mit einem taktisch ganz genau überlegten Zeitplan", sagt Politologe Filzmaier. "Er ist gut vorbereitet, in regelmäßigen Abständen neue Akzente zu setzen, um die Euphorie aufrechtzuhalten." Angesichts eines Drittels unentschlossener Wähler sei es aber aus heutiger Sicht nicht zu sagen, ob Kurz tatsächlich die Wahlen gewinnt. Der Druck ist auf alle Fälle sehr hoch.

"Kurz ist zum Erfolg verdammt, er muss nicht nur irgendwie knapp Erster werden, sondern wie Macron überlegen gewinnen", führt Filzmaier aus. Wenn er das nicht schafft, wird er noch in der Wahlnacht die hohen Erwartungen seiner Partei, die sich auf seine Person zuschneiden ließ, enttäuschen. Aber selbst wenn er es schafft, ist die Gefahr groß, schnell wieder abzustürzen. Eine Wahleuphorie ist selten zu halten. Außerdem sei ein so großer Wandel in der Politik, wie er verspricht, schon alleine durch Verfassung und Wahlrecht nicht möglich, sagt Filzmaier.

Dass "der Sebastian" also in einem Jahr noch immer so umjubelt ist - die Aussichten dafür stehen nicht besonders gut.

© SZ.de/mcs/fued

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