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Sebastian Kurz:Hallo, hier Österreich

In Wien demonstrieren 100 000 und erinnern den Bundeskanzler daran, dass es im Land Probleme gibt.

Von Peter Münch

Vom Trillerpfeifen- und Trötenprotest hat Österreichs Kanzler Sebastian Kurz nichts gehört. Als in der Wiener Innenstadt an diesem Wochenende bis zu 100 000 Menschen gegen die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit demonstrierten, weilte der Regierungschef in lichten Höhen. Auf der Planai in Schladming feierte er die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft. Das ist kein terminlicher Zufall, sondern Programm: Mit den Niederungen der Politik möchte dieser Kanzler möglichst wenig zu tun haben.

Schon nach einem halben Jahr im Amt inszeniert sich Kurz lieber als Welten- oder zumindest Europa-Retter. So war er allein in den vergangenen drei Wochen unter anderem in Jerusalem, Berlin, Budapest und Brüssel zu sehen. Vorher hat er in Wien noch schnell Russlands Präsidenten Wladimir Putin empfangen, am nächsten Mittwoch kommt der iranische Staatschef Hassan Rohani.

Doch bevor es dem jungen Kanzler noch ganz schwindelig wird angesichts der eigenen Bedeutsamkeit, sollte er die wuchtige Botschaft dieses Wiener Wochenendes vernehmen. Sie lautet erstens: Es gibt noch eine Innenpolitik in Österreich. Und zweitens: Es gibt sogar noch eine Opposition. Die hat nun auf dem Feld der Sozialpolitik ein Thema gefunden, dem Kurz auf Dauer kaum entkommen kann.

© SZ vom 02.07.2018

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