Sea Watch Malta behindert Flüchtlingsretter

Rettung aus der Luft: Ein Flüchtlingsboot vor der libyschen Küste, beobachtet aus dem Suchflugzeug Moonbird von der Hilfsorganisation Sea-Watch (Archivbild)

(Foto: imago/Rene Traut)
  • Die maltesische Regierung hat nach mehreren Schiffen nun auch ein Kleinflugzeug einer deutschen Hilfsorganisation festgesetzt.
  • Das Flugzeug wird zur Sichtung in Seenot geratener Flüchtlinge im Mittelmeer eingesetzt.
  • Ein Schiff einer spanischen Hilfsorganisation mit etwa 60 Flüchtlingen an Bord darf in Italien anlegen.
  • Mehr als 60 weitere Menschen sind vermutlich am Dienstag vor der Küste Libyens ertrunken.

Während in Europa heftig über den Umgang mit Flüchtlingen diskutiert wird, spielen sich vor der Küste Libyens weiterhin Tragödien ab. Malta hat mehrere Schiffe von Flüchtlings-Hilfsorganisationen am Auslaufen gehindert. Zudem hat die Regierung ein Kleinflugzeug festgesetzt, das zur Sichtung von Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer eingesetzt wird.

Die maltesischen Behörden hätten ab sofort alle Flüge in das Rettungsgebiet vor Libyen untersagt, teilte die Berliner Organisation "Sea-Watch" am Mittwoch mit. Die "Moonbird" dürfe nicht mehr von Malta aus zu Erkundungsflügen starten. Ein Regierungssprecher in Valletta bestätigte dies. "Sea-Watch" betreibt die Propellermaschine vom Typ Cirrus SR 22 nach eigenen Angaben seit dem Frühjahr 2017 gemeinsam mit der Schweizer Humanitären Piloteninitiative. 2017 hat die "Moonbird" den Rettern zufolge 119 Boote in Seenot gesichtet und so 20 000 Menschen gerettet. Mit der Entscheidung Maltas seien Aufklärungsflüge in der Region vor der libyschen Küste nun nicht mehr möglich, erklärte die Organisation. Vergangene Woche hatte Malta alle seine Häfen für Schiffe von Nicht-Regierungsorganisationen geschlossen.

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Malta hat bereits dem Rettungsschiff "Sea Watch 3" das Auslaufen untersagt. Das bestätigte die Regierung der Zeitung Times of Malta, allerdings ohne Gründe für die Entscheidung zu nennen.

Zuvor wurde die "Lifeline" festgesetzt, ebenfalls ein Rettungsschiff einer deutschen Hilfsorganisation. Malta hatte die "Lifeline" einlaufen lassen, nachdem das Schiff tagelang mit über 200 Flüchtlingen an Bord auf See blockiert war. Vor allem die populistische italienische Regierung fährt seit ihrem Amtsantritt vor einem Monat eine harte Linie gegen Migranten und lässt keine NGOs mehr in ihren Häfen anlegen. Rom entschied dafür am Montag, der libyschen Küstenwache zwölf Schnellbote zur Verfügung zu stellen, um nach Flüchtlingsbooten zu suchen. Der Kapitän der "Lifeline" steht in Malta vor Gericht.

Nach der Weigerung Italiens und Maltas hat das Rettungsschiff der spanischen Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" mit 60 Flüchtlingen an Bord am Mittwoch in Barcelona anlegen können. Den Flüchtlingen an Bord gehe es "den Umständen entsprechend gut", erklärte die Einsatzleiterin Anabel Montes. "Sie sind glücklich, weil man ihnen erklärt hat, dass die Regierung will, dass sie hier bleiben." Zuvor hatten Italien und Malta das Schiff wie auch andere Flüchtlingsschiffe abgewiesen.

Derweil sterben im Mittelmeer immer mehr Flüchtlinge. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr im Mittelmeer bereits mindestens tausend Menschen ums Leben gekommen. "Es gibt einen alarmierenden Anstieg der Todesfälle vor der libyschen Küste", erklärte der Leiter der IOM-Mission in Libyen, Othman Belbeisi. Libyen ist Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die auf dem Seeweg in die EU gelangen wollen. Die Schleuser würden die Angst der Menschen ausnutzen, dass Europa demnächst "eine härtere Gangart bei Mittelmeerüberquerungen einlegt", sagte Belbeisi.

Allein am Dienstag sind vermutlich 63 Menschen ertrunken. Ihr Schlauchboot sei gekentert, sagte der Sprecher der libyschen Marine, General Ajub Kacem, der Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Dienstag. An Bord des gesunkenen Bootes befanden sich demnach 104 Menschen. 41 von ihnen konnten gerettet werden. Der Marinesprecher berief sich auf die Berichte der Überlebenden. Das Unglück ereignete sich bei Garaboulli rund 50 Kilometer östlich von Tripolis.

"Während wir daran gehindert werden, den Hafen zu verlassen, ertrinken Menschen, das ist absolut inakzeptabel", empört sich die Kapitänin der "Sea Watch 3", Pia Klemp. Die maltesische Regierung solle "die Behinderung von Rettungskräften" einstellen, da Menschenleben akut gefährdet seien. Jeder weitere Tod auf See gehe auf das Konto derjenigen, welche die Rettung verhinderten. Im Moment gebe es im Einsatzgebiet keine geeigneten Schiffe mehr.

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