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Schwindende Zustimmung für Einsatz in Syrien:Beben an der Basis

US-SYRIA-CONFLICT-PROTEST

Die Mehrheit der US-Bevölkerung ist gegen ein Eingreifen Washingtons im Syrien-Konflikt

(Foto: AFP)

US-Abgeordnete bekommen in der Syrien-Frage den Zorn der Wähler zu spüren. Die Zustimmung für den Einsatz schwindet. Vor allem die Demokraten geraten dabei mitten in ein Dilemma, weil Präsident Barack Obama ein Eingreifen befürwortet.

Der Abgeordnete Michael Grimm war auf Kriegskurs, aber nur zwei Wochen lang. Unter dem Eindruck der Giftgas-Bilder aus Damaskus befürwortete er einen schnellen, harten Militärschlag gegen Syrien. Seit Donnerstag sieht er die Sache anders. "Der richtige Augenblick, um unsere Stärke zu zeigen, ist vorbei", schreibt der ehemalige Soldat auf seiner Homepage. Er sei "nicht mehr überzeugt, dass ein Angriff auf Syrien den USA einen Vorteil bringt".

Noch ein Unterstützer weniger für Präsident Barack Obama, der Syrien zwar für den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen bestrafen möchte, dafür allerdings das US-Parlament um Erlaubnis gebeten hat. Der Abgeordnete Grimm merkt an, viele Menschen in seinem Wahlkreis hätten sich "entschieden" gegen einen Alleingang der USA ausgesprochen in einer Zeit, da es zu Hause schon etliche Nöte gebe. Dies dürfte der wahre Grund für Grimms Umkehr sein: Seine Wähler haben ihm entschieden die Meinung gesagt.

Solche Lageberichte von der Basis gehen längst aus dem ganzen Land ein. Wie auch immer man die Stimmung misst - sie schwankt zwischen Skepsis und empörter Ablehnung. Das zeigen nicht nur Umfragen, sondern auch Youtube-Filme davon, wie sich Abgeordnete und Senatoren den Fragen ihrer Wahlkreisbürger stellen. Man sieht etwa, wie jemand in Arizona an den alten Senator und Interventionisten John McCain herantritt und vor Zorn bebend fragt: "Warum hören Sie nicht endlich auf das Volk?"

Sollte sich diese Stimmung bis in die kommende Woche hinein halten oder gar noch verstärken, droht Obama eine klare Niederlage im Parlament. Während der Präsident noch relativ gute Chancen hat, dass ihm der Senat folgt, könnte er im Abgeordnetenhaus deutlich verlieren.

Anonyme Mitarbeiter der republikanischen Mehrheitsfraktion im Unterhaus erklären, bislang hätten sich nur zwei Dutzend Parlamentarier aus ihren Reihen eindeutig für einen Angriff ausgesprochen. Nach einer Zählung der Washington Post sind etwa 200 Gewählte beider Parteien fest oder tendenziell gegen den Einsatz. Sollten knapp 220 dagegen stimmen oder sich enthalten, hätte Obama verloren.