Schweres Bootsunglück:Griechisches Gericht erklärt sich für nicht zuständig

Neun ägyptische Staatsbürger waren angeklagt, im Juni 2023 als Schleuser ein schweres Schiffsunglück im Mittelmeer mit Hunderten toten Migranten zu verantworten - doch ein griechisches Gericht hat die Männer am Dienstag vorerst auf freien Fuß gesetzt. Die Behörde sei nicht zuständig, weil sich das Unglück in internationalen Gewässern zwischen Griechenland und Italien ereignet habe, begründeten die Richter laut griechischen Medien ihre Entscheidung. Die neun Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, die seit dem Unglück im Juni 2023 in Untersuchungshaft saßen, wurden freigelassen.

Die Angeklagten hatten zuvor stets ihre Unschuld beteuert. Zuvor hatten Überlebende des Unglücks die Männer jedoch laut Küstenwache und Staatsanwaltschaft anhand von Fotos als Schleuser identifiziert - als jene, die das Boot gesteuert und an Bord teils mit Gewalt für Ruhe gesorgt hätten. Lediglich 104 Menschen - unter ihnen die Beschuldigten - hatten den Untergang des Schiffes überlebt. Schätzungen zufolge riss das Boot bis zu 600 Menschen mit in die Tiefe. Nach Angaben von Überlebenden waren die meisten Migranten unter Deck eingesperrt und konnten sich nicht rechtzeitig befreien. Kritik gab es nach dem Unglück auch an der griechischen Küstenwache, der vorgeworfen wurde, das Boot nicht in Sicherheit gebracht zu haben. Welches Gericht den Fall nun klären soll, stand zunächst nicht fest.

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