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Schweizer Initiative Ecopop:Umfragen sprechen von 35 bis 53 Prozent Zustimmung für diese hoch verführerische Initiative

Außerdem soll die Schweiz zehn Prozent ihrer Entwicklungshilfe, etwa 150 Millionen Franken pro Jahr, in Familienplanungsprogramme investieren. Am 30. November wird über die Initiative mit dem Namen "Stopp der Überbevölkerung" abgestimmt. Eine zubetonierte Schweiz, in der nicht acht, sondern zwölf Millionen Menschen dicht gedrängt leben - diese Horrorvision hält Ecopop den Bürgern vor. Umfragen zufolge können sich zwischen 35 bis 53 Prozent der Schweizer vorstellen, mit "Ja" zu stimmen.

Alle Parteien - von den Grünen bis zur rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei SVP - lehnen die Initiative ab, Arbeitgeber, Wissenschaftler, Gewerkschaften, Entwicklungshelfer: sie alle machen sich für ein "Nein" zu Ecopop stark.

Anders als bei der Masseneinwanderungsinitiative im Februar, als sich kaum jemand vorstellen konnte, dass tatsächlich eine Mehrheit für die Abschottung der Schweiz stimmen könnte, will sich dieses Mal hinterher keiner vorwerfen lassen, nichts getan zu haben. Jeder, der Zug fährt, fernsieht oder einen Briefkasten besitzt, hat inzwischen die Botschaft vernommen: Mit der Annahme von Ecopop wären die Verträge zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU), die auf einer Freizügigkeit der Personen basieren, Geschichte.

Unternehmen, die ausländische Arbeitnehmer einstellen wollen, könnten das oft nicht mehr. Universitäten müssten vielleicht auf den Harvard-Professor verzichten, Banken auf den CEO aus London, das Berg-Restaurant auf die Kellnerin aus Brandenburg. Von Flüchtlingen ganz zu schweigen. Selbst Ecopop-Leute geben zu: Ökonomisch gesehen könnte die Zuwanderungsbeschränkung Nachteile bringen.

"Mister Ecopop" - Kaum einer wirkt so überzeugend

Dem lustigen kleinen Herrn mit der Brille, der an einem Mittwoch Ende Oktober durch die Mehrzweckhalle des Örtchens Eiken im Kanton Aargau stolziert, kann man nicht vorwerfen, nichts von Ökonomie zu verstehen. Hans Geiger ist 71 Jahre alt, vor seiner Pensionierung war er Wirtschaftsprofessor an der Universität Zürich und Generaldirektor der Großbank Credit Suisse. "Mister Ecopop" wird er in den Schweizer Medien genannt. Kaum einem gelingt es, so überzeugend für die Initiative zu trommeln wie Hans Geiger.

An diesem Abend will er die Delegierten der rechtskonservativen SVP des Kanton Aargau überzeugen. Er ist seit 1979 Partei-Mitglied. Trotzdem ist es keine leichte Aufgabe: Die Parteiführung der SVP ist gegen Ecopop. "Ich habe keine Zweifel, dass diese Leute hier am 30. November Ja ankreuzen", sagt Geiger gerade so laut, dass man es trotz Blaskapelle verstehen kann. Diese Leute, das sind die Ortsvorsteher und lokalen Abgeordneten der SVP. Parteikader. Einige Nationalräte sind aus Bern angereist. Wagen sie es, an diesem Abend, offen gegen ihre eigene Führung zu stimmen?