bedeckt München 20°

Schweiz:Wahlkampf mit Ungeziefer

"Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören? Lieber SVP wählen", lautet der Slogan der Schweizerischen Volkspartei, der viele Menschen an Nazi-Propaganda erinnert.

(Foto: SVP)
  • Die Schweizer Volkspartei provoziert mit einem Ungeziefer-Motiv, einem Apfel und fünf Würmern.
  • Viele Politiker fühlen sich an Nazi-Propaganda erinnert.
  • Selbst prominente Mitglieder der SVP rügen die Kampagne zur landesweiten Wahl am 20. Oktober.

Was Wahl- und Abstimmungsplakate angeht, ist die Schweizerische Volkspartei (SVP) einigermaßen schmerzfrei. Mal warb sie mit weißen Schafen, die ein schwarzes von der Schweizer Flagge kicken, für ihre Idee, kriminelle Ausländer abzuschieben; mal sollten schwarze Minarette, die das Schweizerkreuz durchbohren, die Wähler von einem Bauverbot für Minarette überzeugen. In den vergangenen paar Jahren fielen die Plakate etwas zurückhaltender aus, doch jetzt ist die rechtskonservative Partei offenbar wieder zu ihren alten Rezepten zurückgekehrt.

Just zwei Monate vor den Parlamentswahlen machte sie nun das Motiv ihrer neuen Kampagnenplakate publik: Fünf Würmer, farblich markiert als die politischen Gegner der SVP sowie die EU, zerfressen einen rotbackigen Apfel, auf dem das Schweizerkreuz klebt. Dazu die Frage "Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?" - und die zu erwartende Antwort: "Lieber SVP wählen!"

Politik Schweiz Seehofer will Kontrollen an Schweizer Grenze
Innenminister

Seehofer will Kontrollen an Schweizer Grenze

Der mutmaßliche Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof wohnte in der Schweiz. Der Innenminister will nun die Grenzkontrollen verstärken - und erntet Kritik von allen Seiten.   Von Constanze von Bullion

Die Empörung im Netz folgte prompt. "Widerlich", "niveaulos" und "unterste Schublade" lauteten die Urteile einiger Twitter-Nutzer, andere sprachen von "NSDAP-Style" und twitterten Bildbelege aus der Nazi-Propaganda, auf denen Juden als Würmer und Parasiten dargestellt werden. Die heftige Kritik und die Nazivergleiche könnten der SVP im Grunde egal sein, immerhin macht sie schon seit vielen Jahren mit Provokationen Politik - und das sehr erfolgreich: Sie gewann nicht nur die umstrittenen Referenden zum Minarettverbot, zur Abschiebung krimineller Ausländer und zur Begrenzung der Einwanderung; sie ist außerdem seit 2003 die stärkste Kraft im Schweizer Parlament.

"Was versprecht Ihr Euch von dieser unsäglichen Bildsprache", fragt ein SVP-Politiker

Doch die aktuelle Kampagne sorgt selbst in den eigenen Reihen für Entsetzen. "Das auf dem Bild sind weder Linke noch Nette. Das ist Gewürm, das man ausrottet", twitterte Claudio Zanetti, SVP-Abgeordneter und sonst eher als Hardliner der Partei bekannt. "Was versprecht Ihr euch von dieser unsäglichen Bildsprache? Wer soll einen da noch ernst nehmen?" Der Basler SVP-Politiker Pascal Messerli bezeichnet die Kampagne als "schlecht und ungeschickt", und auch Pentti Aellig, SVP-Politiker aus Schaffhausen, kritisiert das Plakat: "In Schaffhausen haben wir auch deshalb einen SVP-Wähleranteil von 35 %, weil wir auf solche Plakate verzichten." Er fordert Parteipräsident Albert Rösti auf, die Kampagne auch im Sinne der überparteilichen Zusammenarbeit zu stoppen.

Fürs Erste bleibt Parteichef Rösti jedoch bei dem umstrittenen Motiv, wie er in einem Interview mit CH Media klarstellte. Man wolle die Werte der Schweiz erhalten und im Gegensatz zu den anderen Parteien eben keinen Rahmenvertrag mit der EU und damit Übernahme von EU-Recht, das allein wolle die Bildsprache der Kampagne ausdrücken. "Auch Claudio Zanetti ist gegen den Rahmenvertrag", sagte Rösti im Hinblick auf die Kritik seines Parteikollegen. Bisher konnte die SVP mit ihrer Blockadehaltung beim Rahmenvertrag mit Brüssel jedoch nicht punkten, das zeigen ihre schlechten Ergebnisse bei den drei jüngsten Kantonswahlen. Auch sonst haben SVP-Themen wie Einwanderung gerade keine Konjunktur. Ob ausgerechnet das Ungeziefermotiv das Ruder herumreißen kann, werden die Wahlen am 20. Oktober zeigen.

Schweiz Ende der Erpressung

Schweiz

Ende der Erpressung

Eine Initiative will den Einfluss der Politik in der Justiz zurückdrängen - bisher bestimmen die Parteien sehr stark mit, wer eine Robe trägt.   Von Isabel Pfaff